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Bezahlte Gefälligkeiten  Freundschaftsdienst oder Schwarzarbeit?

Der Nachbar packt beim Hausbau mit an und bekommt dafür ein paar Euro. Ein Bekannter hilft für ein kleines Entgelt beim Umgraben des Gartens. Sind das Freundschaftsdienste oder ist das schon Schwarzarbeit? Unsere Rechtsexpertin Mareike Sander gibt Tipps - und sagt auch, wie es mit der Haftung im Schadensfall aussieht.

Ein Bauarbeiter mit Steinen in der Hand.

Grundsätzlich gilt: Wo kein Geld fließt, gibt es auch keine Schwarzarbeit. Trotzdem kann niemand erwarten, dass der befreundete Nachbar tagelang nach Feierabend mauert und verputzt - nur für einen feuchten Händedruck! Ein symbolisches kleines Entgelt ist also in Ordnung. Über einen höchstzulässigen Stundenlohn steht allerdings nichts im Gesetz. Es ist auch ein Unterschied, ob man hin und wieder Nachbarn beim Umzug oder Tapezieren hilft. Sowie man seine Hilfe regelmäßig anbietet, zum Beispiel jeden Samstag, dann muss man die Einnahmen für selbständige Arbeiten versteuern.

Die Regelmäßigkeit macht's

"Für den Fiskus zählt immer, ob eine Tätigkeit nachhaltig darauf gerichtet ist, einen Gewinn zu erzielen", sagt SWR4-Rechtsexpertin Mareike Sander. Bei einmaligen Hilfen dagegen muss das Finanzamt nicht informiert werden, auch sozialversicherungspflichtig ist das nicht. Was genau Schwarzarbeit ist und wie sie sich von Gefälligkeiten abgrenzt, ist im Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz geregelt.

Guten Freunden gibt man ein bisschen

"Ob nun der Freund aushilft, der Nachbar oder ein Bekannter - das ist im Grunde genommen gleich", sagt die Anwältin. Wichtig ist, man kann nachweisen, dass es sich um eine gelegentliche Hilfestellung handelt - und der Nachbar, Freund oder Bekannte mit seinem Beitrag eben nicht seinen Lebensunterhalt bestreiten will. "Gute Freunde müssen jetzt nicht unbedingt unentgeltlich arbeiten, allerdings sollte sich die Anerkennung für die Hilfe natürlich in Grenzen halten."

Soll der Freund länger in meinem Haushalt tätig sein, dann sollte ich mich mit der Minijob-Zentrale in Verbindung setzen. Dort kann ich den sogenannten Haushaltscheck machen. "Stellt sich dabei heraus, dass eine versicherungspflichtige Tätigkeit vorliegt, dann wird der Freund einfach angemeldet - das ist kein Problem", versichert die Rechtsexpertin.

Versicherungsfragen im Schadensfall

Hilft mir z.B. ein Freund einen Baum zu fällen und verletzt sich dabei, dann greift die Unfallversicherung leider nicht. "So jedenfalls sah es das Bundessozialgericht im Jahr 2005 schon einmal", sagt Mareike Sander nach einem Blick in die Geschichte der Gerichtsurteile. Liegt kein Arbeitsunfall vor, sondern eine reine Gefälligkeit, dann haftet die gesetzliche Unfallversicherung nicht. Sollte der gefällte Baum aufs Auto des Nachbarn fallen, ist die private Haftpflichtversicherung die richtige Adresse: "Der Bundesgerichtshof hat 2011 entschieden, dass ein Schaden, der beim Fällen von mehreren Bäumen im Garten der Eltern entstanden war, von der Versicherung gedeckt sein musste."

Haftungsfragen vorher abklären

"Wer schreibt, der bleibt. Das gilt auch beim Freundschaftsdienst", so die Expertin. Am besten bespricht man vor Beginn, wie man es mit der Haftung halten will. Ist eine Tätigkeit klar mit Gefahren verbunden, macht es natürlich Sinn, auch einen Blick in die Haftpflichtversicherung zu werfen und lieber vor dem Schadensfall noch mit der Versicherung zu sprechen. "Viele Versicherungen sind dann durchaus bereit, für eine geplante Aktion den Versicherungsschutz zu erweitern."

Für Freunde und Bekannte gilt: Lieber vorher miteinander reden und genau abstimmen, wie man sich die Lösung vorstellt, sollte irgendetwas schiefgehen.

Mareike Sander / Antje Dietrich

Letzte Änderung am: 06.05.2013, 09.45 Uhr

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