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Behandlung von psychischen Erkrankungen Krasses Missverhältnis zwischen Bedarf und Angebot

Wer psychische Probleme oder gar eine Krankheit wie eine Depression hat, braucht meist sehr schnell Hilfe. Schlimmstenfalls muss man allerdings monatelang auf einen Therapieplatz warten - gerade in Rheinland-Pfalz. Woran liegt's? Und welche Folgen hat die kritische Lage in Rheinland-Pfalz für die Patienten? SWR4 und das SWR Fernsehen berichten.

Frau oder Mann sitzt am Schreibtisch und stützt mit der Hand den Kopf

Krasses Missverhältnis zwischen Nachfrage und Angebot

Im Bundesschnitt warten Menschen mit seelischen Leiden 12,5 Wochen auf ein Erstgespräch - in Rheinland-Pfalz sind es 14,2 Wochen. (Quelle: Psychotherapeutenkammer)

Mehr Arbeit, mehr Verantwortung, größerer Druck: Immer mehr Menschen brennen innerlich aus und wissen nicht mehr weiter. Bei vielen führt das zu einer Depression - und die kann lebensbedrohlich sein. Wer therapeutische Hilfe sucht, muss allerdings oft monatelang auf eine Behandlung warten. Denn es gibt nur wenige Plätze für viele Patienten. Die Bundespsychotherapeutenkammer geht von 1,5 Millionen Therapieplätzen für fünf Millionen Menschen mit psychischen Erkrankungen aus.

Statistiken weisen Überversorgung aus

Das Problem liegt im System. Denn die Bedarfsplanung aus dem Jahr 1999 orientiert sich nicht am Krankenstand, sondern am damaligen Verhältnis von niedergelassenen Psychotherapeuten und Einwohnern. Besonders ungünstig ist das Verhältnis in Rheinland-Pfalz: Hier kommen nur 19 Therapeuten auf hunderttausend Einwohner - wobei die Schere in den ländlichen Regionen noch deutlicher auseinander klafft. Trotz steigender Krankheitszahlen weisen Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen nicht mehr Therapieplätze aus. Statistisch gesehen herrscht nämlich nahezu überall Überversorgung.

Neues Versorgungsstrukturgesetz hilft nicht wirklich

Und die Lage könnte sich weiter verschärfen. Das sogenannte Versorgungsstrukturgesetz, das Anfang 2012 in Kraft getreten ist, soll das Verhältnis zwischen Kranken und Therapieplätzen zwar bedarfsgerechter regeln. Tatsächlich aber gibt es den Kassenärztlichen Vereinigungen das Recht, dort Plätze abzubauen, wo statistisch Überversorgung herrscht. Statt mehr Behandlungsmöglichkeiten zu schaffen, könnten also Therapeutensitze wegfallen.

Psychische Erkrankungen sind großer Kostenfaktor

Längst schlägt das Missverhältnis zwischen Therapiebedarf und -Angebot auf die Wirtschaft durch: Laut einem Gutachten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sind 16,5 Prozent der Fehltage von Arbeitnehmern auf psychische Erkrankungen zurückzuführen. Psychische Krankheiten dauerten im Schnitt länger als 40 Krankheitstage, das sei mehr als bei jeder anderen Erkrankung. Die gesamtgesellschaftlichen Kosten hat das Max-Planck-Institut für Psychotherapie in München für 1992 auf etwa 20 Milliarden Euro geschätzt - 20 Jahre später dürften es mehr als 30 Milliarden sein.


Jan Teuwsen

Letzte Änderung am: 25.01.2012, 10.10 Uhr

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