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Europa in der Eurokrise Müssen wir uns Sorgen um unser Geld machen?

Es vergeht in letzter Zeit kaum ein Tag, ohne dass wir schlechte Nachrichten über die Finanzlage in der EU zu hören bekommen. Erst Irland, dann Portugal, anschließend ging Griechenland beinahe bankrott, jetzt steht es schlecht um Italien - und auch die Iren sind noch nicht gerettet. Politiker und Experten warnen vor schlimmen Folgen, viele haben Angst um ihr Geld. Berechtigterweise? Wir haben mit dem SWR-Wirtschaftsexperten Gerhard Hohmann gesprochen.

Frauenhand mit Euroscheinen und geöffnete Geldbörse

Müssen wir uns Sorgen machen um den Euro und unser Geld? "Ich habe auch schon einige schlaflose Nächte hinter mir, obwohl ich kein großes Vermögen habe" - sagt einer, der in Sachen Finanzen immer auf dem Laufenden sein muss. Gerhard Hohmann, Wirtschaftsexperte des SWR, macht sich Sorgen, was aus dem Euro wird - insbesondere deswegen, weil sich derzeit nicht wirklich viel ändert, um die Situation zu verbessern. "Was im Augenblick passiert, sorgt nicht dafür, dass ich beruhigt in die Zukunft schauen kann."

Schwächelnde Euro-Länder bedrohen Finanzlage auch in Deutschland

Die Staatsschulden seien überall groß, gibt der Experte zu bedenken. Das zieht natürlich die Befürchtung nach sich, dass das auch wirtschaftliche Konsequenzen hat - Konjunkturängste entstehen. Die Finanzlage in schwächelnden Euro-Ländern hat natürlich auch Rückwirkungen auf Deutschland. "Im Augenblick ist das nicht der Fall, aber es könnte eben sein", sagt Hohmann. Wichtige Frage in diesem Zusammenhang: Wie hoch sind die Schulden, die wir Deutschen selbst anhäufen? "2009 haben wir 70 Milliarden Euro alleine an Zinsen gezahlt", so Hohmann, "da war die Schuldenlast noch geringer. Und das ist deutlich nach oben gegangen."

Immobilienkäufe treiben die Preise hoch

Mit der Schuldenlast steigt auch die Befürchtung, dass der Euro an Wert verliert, dass man sich also für den Euro weniger kaufen kann. Was tun? Aus Angst vor eventuell drohender Inflation investieren viele in Immobilien, weil sie glauben, hier sei ihr Geld gut angelegt. Der Begleiteffekt: "Dadurch gehen die Immobilienpreise richtig an die Decke", gibt Hohmann zu bedenken, "vom Goldpreis will ich gar nicht reden!"

Bei steigender Inflation ist "Entsparen" angesagt

Gerhard Hohmann

Gerhard Hohmann

Die Entwicklung weitergedacht: Steigt die Inflation auf eine Rate von über 5 Prozent an, sollten wir anfangen zu "entsparen" - d.h. unser Geld nicht auf der Bank liegen lassen und getrost auch mal etwas kaufen, was wir sonst nicht kaufen würden. Das könnte gleichzeitig auch heißen, dass es sich dann lohnen würde, Schulden zu machen. Gerhard Hohmann: "Wenn ich heute einen Kredit über 200.000 Euro aufnehme, zahle ich ihn morgen mit schlechterem Geld zurück - weil das Geld weniger wert ist." Von einer solchen Zuspitzung der Lage sind wir allerdings zur Zeit, so der Experte, "meilenweit entfernt".

Bei Geldanlage langfristig denken

Der andere Weg: Geld anlegen. Hier sollte man sich allerdings genau anschauen, wie stabil die Werte wirklich sind, rät der Experte. "All das, was eine reine Geldanlage ist, ist unterm Strich nicht langfristig stabil - oder nicht so stabil wie beispielsweise Aktien oder Immobilien." Wer zum Beispiel Aktienfonds kauft, sollte sich darüber im Klaren sein: "Das ist nichts, was man im Fall des Falles schnell wieder verkaufen kann. Das ist eine ganz langfristige Geldanlage für fünf oder zehn Jahre."

Wulf Piella

Letzte Änderung am: 13.07.2011, 13.51 Uhr

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