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Der Sommer hat uns bisher ganz schön gebeutelt - aber "was des einen Leid, ist des anderen Freud" heißt es ja und wer sich gerade wirklich freuen kann, das sind die Pilzsammler. Denn aufgrund der starken Regenfälle haben Pilze schon jetzt Hochkonjunktur, so Pilzexperte Dieter Oberle von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Safranschirmlinge, Täublinge und Brätlinge schießen wortwörtlich "wie Pilze aus dem Boden"; Maronen-Röhrlinge, Birkenpilze und Steinpilze machen sich auf dem Waldboden breit.
Normalerweise beginnt die Pilzzeit erst Ende August. Die Wetterbedingungen aber sind schon jetzt ideal. Die Temperaturen sind mild, der Boden ist feucht und auch die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Denn Pilze bestehen zu 92 Prozent aus Wasser und das gibt es in diesem Spätsommer genug. Etwa zwei Wochen braucht ein Pilz, um sich aus dem unterirdischen Geflecht zu entwickeln.
Passionierte Pilzsammler wissen, wo im Wald sie die meisten Pilze finden. Mit geübtem Auge suchen sie den Boden ab und entdecken die Kappe eines Pilzes unter etwas Gras oder einem Laubblatt auf Anhieb. Ein Pilz wächst meist nicht allein, sondern in einer Kolonie. Pilze lieben feuchten Boden. Auf trockenem Waldboden wird man kaum Pilze finden, da wo feuchtes Gras und Moos wachsen schon.
Da pilzreiche Gegenden meist bekannt und gut besucht sind, haben Frühaufsteher mehr Aussicht auf einen vollen Korb. In keinem Fall sollten Pilze in einer Stofftasche oder Plastiktüte gesammelt werden. Da bekommen sie keine Luft und werden matschig. Pilze, die bereits stark angefressen sind, bleiben im Wald.
Neulinge müssen bei der Pilzsuche sicher genauer hinschauen: Ist das da die braune Kappe eines Maronenröhrlings oder doch nur ein herbstlich gefärbtes Laubblatt? Vor allem aber gilt für Einsteiger: Immer nur Pilze sammeln, die man wirklich kennt. Der Pilzsachverständige Dieter Oberle empfiehlt, mit dem Fund eine Pilzberatungsstelle aufzusuchen. Dort bestimmen Experten die Pilze und erklären, an welchen Merkmalen man sie erkennt. Am besten werden die Pilze im Ganzen, also samt Stiel, Knollen, Manschetten und Geflecht gesammelt. Denn auch die Pilzsachverständigen einer Beratungsstelle können den Fund besser bestimmen, wenn die "Basis" dabei ist.

Finger weg von diesem Pilz: Der grüne Knollenblätterpilz ist giftig.
Auf ein Pilzfachbuch allein sollte man sich nicht verlassen. Vor allem ältere Bücher sind in vielerlei Hinsicht überholt. So manche Regel gilt heute als Märchen. Zum Beispiel die, dass ein Pilz, der sich beim gemeinsamen Kochen mit einem Silberlöffel schwarz färbt, giftig ist. Auch gibt es Pilze, die früher als giftig eingestuft wurden, heute aber als leckerer Speisepilz geschätzt werden. Beispiel Hexenröhrling: Früher galt er als giftig, insbesondere bei gleichzeitigem Genuss von Alkohol. Heute weiß man, dass der Wirkstoff, auf den die Giftigkeit zurückgeführt wurde, im Hexenröhrling gar nicht vorkommt.
Ach ja, falls man doch mal einen giftigen Pilz erwischt hat: Dann gibt es Hilfe u.a. im Giftinformationszentrum der Uni Mainz. Doch jetzt erst mal: Viel Glück beim Suchen!
Sebastian Barth / Karin Hässelbarth
Quelle: SWR4 Rheinland-Pfalz
Letzte Änderung am: 09.08.2011, 11.08 Uhr