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TV-Gentleman und Charakterkopf "Überleben war alles!"

Michael Degen wird 80 - Stationen eines bewegten Lebens

Wo Schauspieler Michael Degen am 31. Januar wohl seinen 80. Geburtstag feiern wird? Vielleicht ja an der Nordsee. "Die Nordsee fasziniert mich. Der Wind, dieses gefährliche Temperament und diese ungeheure Luft!" Dass Michael Degen sich an der Naturgewalt der Nordsee erfreuen kann, ist nicht selbstverständlich. Das Leben des deutsch-jüdischen Schauspielers ist geprägt von den schrecklichen Erfahrungen der Judenverfolgung im Dritten Reich. Nur knapp entkommt er den tödlichen Fängen der Nazis.

Michael Degen auf der Bühne, umrahmt von Degen-Portraits

Happy Birthday: Geburtstagskind Michael Degen fühlt sich auf allen Bühnen wohl

Michael Degen wird am 31. Januar 1932 in Chemnitz geboren. Sein Vater - ein staatenloser Sprachenlehrer, aus Russland emigriert. Er wird 1939 ins Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt und dort schwer misshandelt. Er kommt nach Hause, stirbt aber kurze Zeit später an den Folgen der Folter. Michael Degens Schicksal scheint besiegelt: Auch er muss ins KZ, nach Auschwitz. Ihm gelingt aber auf dem Transport ins Vernichtungslager die Flucht. "Überleben war alles. Es war der einzige Gedanke, den wir hatten. Alles, was wir taten – alles, was wir versuchten, hatte ein Ziel: Überleben! Mit allen Mitteln überleben", erinnert sich Michael Degen. Und tatsächlich, er schafft es: Überleben. Zusammen mit seiner Mutter überlebt er die Nazi-Zeit dank mutiger nicht-jüdischer Freunde in unterschiedlichen Wohnungen auf Dachböden und einer Laubenkolonie in Berlin.

"Für drei Stunden die Macht über Menschen haben"

In dieser Zeit entdeckt Degen seine Leidenschaft fürs Theater - bei einer Urfaust-Inszenierung, die ihn stark beeindruckt. Schon bald nach dem Krieg, im Jahr 1946, erhält er in Berlin seine erste Statistenrolle in "Wir heißen euch hoffen". Michael Degen beginnt, die schrecklichen Erlebnisse seiner frühen Jugend zu verarbeiten: "Das hatte auch mit meinem Kinder- und Jugenderlebnis zu tun. Ich wollte auch einmal auf der Bühne stehen und für drei Stunden die Macht über Menschen haben", sagt er.

"Es war ein Wunder"

Auf Wunsch seiner Mutter kehrt Michael Degen dann aber mit 17 Jahren Deutschland den Rücken zu. Er geht für zwei Jahre in den neu gegründeten Staat Israel. "Als ich damals ankam, war es ein Wunder. Es gab alles zu Essen. Es gab Apfelsinen. Das kannte man ja nicht. Es war ein Land, das einen ganz eigenartigen Geruch ausströmte. Das kam durch die Zitrus-Haine, die über das ganze Land verstreut waren. Und natürlich auch dann diese prekäre politische Lage, die damals ja schon vorhanden war."


"Nicht alle waren Mörder"

Im Jahr 1951 kehrt Degen nach Deutschland zurück. Er hat ein Stipendium für die Schauspielschule des deutschen Theaters in Ostberlin erhalten. Von nun an spielt Degen auf den Bühnen aller großen deutschen Städte. 2006 erscheint der Film "Nicht alle waren Mörder", angelehnt an die Lebensgeschichte von Michael Degen. "Ich glaube, das ist für die Jungen, die jetzt heranwachsen - die sehen sollen, was mit Menschen gemacht werden kann und wozu Menschen auf der einen Seite fähig sind als Opfer, aber auch als Täter." Michael Degen, einer der ganz großen deutschen Schauspieler. Herzlichen Glückwunsch zum 80. Geburtstag!

Connie Merkel / Kilian Zeitz

Letzte Änderung am: 31.01.2012, 08.45 Uhr

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