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Radio im SWR

Hildegard Luttenberger aus Neuwied Für mehr Miteinander beim Wohnen

Menschen mit Mut zum Engagement

aus Frohes Wochenende vom Samstag, 7.1. | 16.00 Uhr | SWR4 Rheinland-Pfalz

Themen vorantreiben, um die sich keiner gerne kümmert: Das ist die Stärke von Hildegard Luttenberger, unserem heutigen Menschen mit Mut. Die beherzte Frau aus Neuwied hat schon viel bewegt in ihrem Leben - jetzt kämpft sie für das gemeinschaftliche Wohnen in ihrer Stadt. Daniela Engelhardt hat die bemerkenswerte Frau besucht.

Resolut, aber diplomatisch - freundlich und doch hartnäckig: Hildegard Luttenberger ist einfach eine Wucht. Sie hat die erste Selbsthilfegruppe für Menschen mit entzündlichen Darmerkrankungen in Rheinland-Pfalz ins Leben gerufen. Seit 2005 gestaltet sie Abschieds- und Trauerfeiern und versucht, das schwierige Thema Tod mitten ins Leben hineinzubringen. Jetzt hat sie ein neues Randthema zu ihrem eigenen gemacht: das gemeinschaftliche Wohnen. Eine Idee, die im Land noch in den Kinderschuhen steckt.

Bewusste Entscheidung für mehr Miteinander

Seit über 3 Jahren kämpft Lutti, wie sie liebevoll von ihren Mitstreitern genannt wird, in ihrer Stadt für gemeinschaftliches Wohnen. Was stellt sie sich darunter vor? "Dass ich mir meine Nachbarn gesucht habe, in einem Projekt lebe mit Menschen, die auch Gemeinschaft wollen." Also keine zufällige Nachbarschaft, sondern eine bewusste Entscheidung "für mehr Miteinander, als in den meisten Mietwohnungen, in denen man auch nebeneinander wohnen kann." Doch wie soll das finanziert werden?

Klinken putzen auf der Suche nach Geld

Das Konzept ihrer Neuwieder Gruppe sieht vor, dass sich rund 25 Parteien ab 50 plus in einem Wohnprojekt zusammentun. Allerdings hat kaum einer Eigenkapital, Investoren müssen gesucht werden. Die Stadt stellt sich ziemlich dumm, setzt auf "hochwertigen" Wohnraum. Also muss Hildegard Luttenberger Klinken putzen, Stadträte überzeugen, fortschrittliche Architekten einladen, Info-Veranstaltungen organisieren. Damit entsteht, was die Interessierten wirklich wollen, müssten die Wohnbaugesellschaften sie von Anfang an mit einbeziehen. Abschreckendes Beispiel ist Worms...

Am liebsten von Anfang an mit planen

"Hier gab es schon ein Wohnprojekt von der Wormser Wohnbau", erzählt Hildegard Luttenberger, "aber erst im zweiten Bauabschnitt sollte der Gemeinschaftsraum gebaut werden. Wie dann gemeinschaftliches Wohnen möglich sein soll, ist schwer vorstellbar." Deshalb wollen die Neuwieder von Anfang an mit planen. Am liebsten wäre dem Verein eine Mischung aus öffentlich gefördertem und frei finanziertem Wohnen: "Was den Neuwiedern auch noch am Herzen liegt, ist die Chance zu wahren, dort möglichst bis zuletzt leben zu können - und nicht noch mal in eine Pflegeeinrichtung umzuziehen." Das wäre auch für die Kommune von Vorteil, denn sie könnte an Pflegeplätzen sparen.

"Wenn du nichts machst, kommt nichts von allein"

"Ich habe immer auch Spuren hinterlassen. Ich hoffe, dass sie Menschen gedient haben und hilfreich waren."

Hildegard Luttenberger träumt vom Auto-Teilen und Garten gemeinsam gestalten. Aber am Wichtigsten ist ihr "ein Schatz von Menschen um mich herum, die mehr wollen, als nur zuhause alleine vorm Fernseher zu sitzen." Noch ist die Verwirklichung des Neuwieder Projekts in weiter Ferne, noch ist kein Spatenstich getan. Woher nimmt Hildegard die Kraft für den Dauerkampf? "Vielleicht hatte ich da auch gute Vorbilder. Wenn du dich traust, kannst du was erreichen - wenn du nichts machst, kommt garantiert nichts von allein. Wenn wir warten, bis uns jemand was schenkt, geschieht nichts."

Daniela Engelhardt

Letzte Änderung am: 09.01.2012, 13.49 Uhr

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