Menschen mit Mut zum Engagement
aus Frohes Wochenende vom Samstag, 21.1. | 16.00 Uhr | SWR4 Rheinland-Pfalz
Die Kobra ist eine gefährliche Schlange, das wissen wir alle. Weniger bekannt ist ein Verein mit diesem Namen, der sich von Koblenz aus um Brasilien kümmert - besonders um arme Kinder und Jugendliche. Hier engagiert sich auch Hans-Josef Mürtz, der jetzt schon seit 26 Jahren nach Südamerika fährt. Eine lange Zeit, in der er dort einiges erreicht hat. Daniela Engelhardt stellt den 81jährigen vor.
Ein Engagement, das schon viele Preise bekommen hat - aber nicht sehr bekannt ist: Seit 26 Jahren kümmern sich Hans-Josef Mürtz und seine Frau Doris aus Kruft im Landkreis Mayen-Koblenz um arme Kinder in Brasilien. Mit dem Geld, das in mühevoller Kleinarbeit gesammelt wird, bauen sie Kindergärten und Jugendzentren, schicken Hunderte von Kindern in Schulen und in eine Ausbildung. Denn ohne Ausbildung haben Menschen in Brasilien keine Chance.
Begonnen hat alles 1982. Da kam Hans-Josef Mürtz zum ersten Mal in ein brasilianisches Elendsviertel. Und war - verrückterweise - begeistert: "Die Leute waren dort am Arbeiten, die Kinder kamen auf uns zu und es gab eine Fröhlichkeit und Herzlichkeit. Man hat das Gefühl gehabt, wie kann man eigentlich in diesem Elend überhaupt diese Fröhlichkeit ausstrahlen." Hans-Josef Mürtz beschließt sofort zu helfen. Als Schulleiter eines Ingelheimer Gymnasiums regt er an, den Erlös des Weihnachtsbasars zu spenden. Eine gute Tradition, die jährlich über 12.000 Euro bringt und bis heute andauert.
1985 wurde die erste Favela, das erste Elendsviertel, bedacht. Es folgte ein Waisenhaus in Rondonópolis, ein neuer Kindergarten wurde finanziert. "Ich werde jedes Jahr mindestens einmal nach Brasilien kommen, um einfach vor Ort unsere Projekte zu sehen", hat Hans-Josef Mürtz von Anfang an beschlossen. "Wir bekamen ja inzwischen Gelder nicht von den reichen Deutschen, sondern von den Leuten, die es sich vom Brot absparen mussten. Und ich fühlte mich verpflichtet zu sagen, wenn das Geld von den Leuten kommt, muss jede Mark auch in die Projekte fließen."
Bei aller Kontrolle in Sachen Geld heißt das Motto: Hilfe zur Selbsthilfe. Hans-Josef Mürtz will das Bewusstsein der Brasilianer schärfen. Er betont: "Im Prinzip sind es eure Kinder! Wir können nicht unser Leben lang dafür sorgen."
Die meisten Projekte werden nach einiger Zeit von Menschen vor Ort in die Hand genommen. Dadurch kann wieder Neues in Gang gesetzt werden. So haben Hans-Josef Mürtz und sein Verein "KoBra" in 27 Jahren acht Kindergärten erbaut und unterhalten, vier Jugendzentren und ein Berufsausbildungszentrum für 200 Jugendliche errichtet, ein Priesterseminar, ein Kulturzentrum ins Leben gerufen und 350 Steinhäuser gebaut, um die Familien aus den Elendshütten zu holen.
Die Jugendlichen im Ausbildungszentrum lernen Elektriker, Schreiner, Näherin, Malermeister, Frisörin - einige schaffen es bis zum Priester oder Notar. Alle sind bei brasilianischen Firmen begehrt: "Das Schönste war, als ein dunkelhäutiges Mädchen von einer Bank eingestellt wurde. Das hat mich sehr gefreut, weil Dunkelhäutige in Brasilien normalerweise vor der Tür stehen und nicht im Kassenraum."
Das Schönste für Hans-Josef Mürtz ist es, seinen Glauben leben zu können. Glauben ohne zu helfen sei der falsche Glaube - davon ist der 81jährige überzeugt. Und wirbt unermüdlich mit seinen Vorträgen dafür, die Menschen in Brasilien nicht ihrem Schicksal zu überlassen: "Dort, wo Not ist, helfen wir. Und es kommt so viel zurück. Das wissen die meisten Leute nicht: Man gibt - und ich bin der Meinung, man bekommt mehr zurück."
Letzte Änderung am: 19.01.2012, 12.06 Uhr