Menschen mit Mut zum Engagement
aus Frohes Wochenende vom Samstag, 11.6.2011 | 16.00 Uhr | SWR4 Rheinland-Pfalz
Die Jugend von heute engagiert sich nicht mehr – so lautete das Vorurteil. Katharina Rabehl aus Koblenz ist der glatte Gegenbeweis. Die 16jährige Gymnasialschülerin hat Kinder aus Afghanistan betreut, die nach Verletzungen im Stiftungsklinikum Mittelrhein operiert werden.
„Die Kinder kommen ja alle aus Kriegsgebieten und hatten auch Kriegsverletzungen. Man hat schon gesehen, dass die Kinder gelitten haben, wo sie herkamen. Damit umzugehen, war am Anfang etwas was völlig Fremdes. Aber mit der Zeit ging es immer besser. Und es freut mich, dass ich den Kindern eine schöne Zeit hier bescheren konnte.“
Eigentlich ist sie eine ganz normale Schülerin, geht in die 10. Klasse am Koblenzer Görres-Gymnasium, liebt Mathe, Französisch, Biologie, tanzt und singt gerne. Und doch ist Katharina Rabehl ein besonderer Mensch. Sie opfert einen Großteil ihrer Freizeit, um sich um andere Kinder zu kümmern. Zum Beispiel Kinder aus Afghanistan, die mit schweren Kriegsverletzungen ins Stiftungsklinikum Mittelrhein kommen und dort operiert werden. Sie werden zwar medizinisch bestens versorgt, sind sozial aber völlig isoliert.

Katharinas Lehrerin hatte eine Idee: Die Mädchen aus ihrer Klasse könnten sich doch um die afghanischen Mädchen kümmern. Die Schülerinnen sagten sofort zu. "Vier Mal in der Woche waren unterschiedliche Gruppen bei den Mädchen", berichtet Katharina. Dann wurde Deutsch gebüffelt, Mathe gepaukt und auch der Spaß kam nicht zu kurz. "Wir haben viel mit den Kindern gesungen und getanzt." Der Vorteil: Die kleinen Patientinnen aus Afghanistan, zwischen sechs und 15 Jahre alt, konnten ganz gut Deutsch. Der Kontakt am Krankenbett war ziemlich unproblematisch, fand Katharina: "Insgesamt hatte man bei allen Mädchen das Gefühl, dass sie sehr froh waren. Auch wenn sie Heimweh hatten und ihre Familie vermisst haben. Manche waren eher zurückhaltend und schüchtern, andere sehr offen."
Viel Spaß hatten alle besonders bei Brett- oder Ballspielen. Manchmal, wenn die Kinder keine Lust mehr hatten zu lernen, schlugen sie ein Spiel vor, das sie besser konnten als die deutschen Mädchen. Das war dann natürlich für alle spannender als Lernen, erinnert sich Katharina. Für sie war die Begegnung ein Eintauchen in andere Welten. Bei den afghanischen Mädchen fiel ihr auf, "dass sie nicht so dieses Behütete haben, wie wir hier. Mir ist dabei bewusst geworden, wie gut wir es hier haben. In eine schöne Schule gehen zu können zum Beispiel ist für uns eine Selbstverständlichkeit."
Kaum vorstellen konnten sich die deutschen Mädchen, dass die Kinder in Afghanistan zum Teil mit elf Geschwistern auf kleinstem Raum leben. "Doch für die Kinder war das ganz normal", stellt Katharina Rabehl fest. Großen Respekt hat sie vor diesen Opfern des Krieges in Afghanistan, die trotz ihres schweren Schicksals Lebensfreude und Wissbegierigkeit ausstrahlten.
Irgendwann war der Aufenthalt der kleinen Patientinnen in Deutschland zu Ende. Alle wussten, sie würden sich wohl nie wieder begegnen. Der Abschied fiel also schwer: "Auf der einen Seite hat man den Kindern angesehen, wie froh sie waren, wieder nach Hause und zu ihrer Familie zu kommen, aber auf der anderen Seite hatten sie schon sehr viel Spaß hier. Wir haben uns auch sehr angenähert in der Zeit, weil wir uns so oft gesehen haben." Katharina würde so einen Einsatz immer wieder machen. Sie hat, so sagt die 16Jährige, dabei gelernt, mit ganz andersartigen, fremden Menschen umzugehen und für sich ihre Vorliebe für die Arbeit mit Kindern entdeckt. Deshalb bietet sie jetzt für Kinder an der Grundschule eine Theater-AG an.
Letzte Änderung am: 07.06.2011, 16.21 Uhr