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Heike Simon aus Mainz "Der gefährlichste Platz für eine Frau ist zuhause"

Menschen mit Engagement

Frohes Wochenende vom Samstag, 4.2. | 16.00 Uhr | SWR4 Rheinland-Pfalz

"Frauennotruf sucht ehrenamtliche Helferinnen": Auf diese Anzeige meldete sich Heike Simon. Seitdem berät die Mainzerin Frauen, die Opfer von Gewalttaten geworden sind. Jeden Tag spürt die 52jährige, dass keiner gerne über Gewalt redet - und erfährt von Schicksalen, die betroffen machen. Daniela Engelhardt hat Heike Simon getroffen.

Sie ist Hotelkauffrau, kann mehrere Sprachen, arbeitet als Managerin und ist 52 Jahre alt. Heike Simons Einsatz ist außergewöhnlich. Sie berät Frauen, die Opfer von Gewalttaten geworden sind, ehrenamtlich - seit neun Jahren beim Frauennotruf Mainz. Mindestens zwei bis drei Stunden pro Woche widmet sie sich einem Thema, um das die meisten Menschen gerne einen großen Bogen machen. Obwohl es in jedem dritten deutschen Wohnzimmer passiert: "Der gefährlichste Platz für eine Frau in Deutschland ist das heimische Wohnzimmer", stellt Heike Simon fest. "Frauen haben immer Angst, dass sie auf der Straße oder im Parkhaus überfallen werden. Die meisten Vergewaltigungen und Schläge passieren aber von Freunden, Bekannten und Ehemännern."

Beratung ohne Verurteilung

Frauen, die vergewaltigt wurden, können Heike Simon in der Beratung erst mal frei erzählen, was ihnen passiert ist - ohne dass sie gleich verurteilt werden, weil sie zum Beispiel einen fremden Mann mit nach Hause genommen haben. Die ehrenamtliche Beraterin klärt sie auf über die Folgen einer Gewalttat: schwere Schlafstörungen, Schuldgefühle, wiederkehrende Bilder. Wichtig ist ihr zu vermitteln, dass das irgendwann vorbei sein kann. Wenn es junge Mädchen sind, geht das Heike Simon sehr ans Herz - sie hat selbst zwei Töchter.

Verzweifelte Afrikanerin fasst neuen Mut

Immer wieder erfährt die 52jährige, wie sehr ihre Beratung hilft. Sie erinnert sich an eine Frau aus Lesotho, einem kleinen Staat in Afrika. Die völlig verstörte Frau war mit 25 Jahren von einem Dieb vergewaltigt worden. Sie kam nach Deutschland, um ihrer Umgebung zu entkommen: "Sie war wirklich ein Schatten ihrer selbst und total verzweifelt", erzählt die Beraterin, "sie konnte sich überhaupt nicht vorstellen, wie ihr Leben weitergehen soll, wie sie mit der Angst HIV-infiziert zu sein, wieder nach Lesotho gehen könnte - und dort vielleicht wieder dem Mann begegnen, der sie vergewaltigt hat."

Nach einigen Beratungen im Mainzer Notruf begann die junge Afrikanerin aufzublühen. Heike Simon: "Sie hat sich mit einem strahlenden Lächeln verabschiedet und gesagt, ich gehe wieder zurück in mein Land, mache meinen Beruf weiter und habe wieder eine Zukunftsperspektive. Sie sagte zu uns: Das habe ich alles ihrer Beratung zu verdanken."

Hilfe zur Selbsthilfe

Nicht alle Ratsuchenden sind so jung und haben noch das ganze Leben vor sich. "Es kann auch sein, dass die schon über 60 sind und ein Missbrauch in der Kindheit stattgefunden hat - und sie haben ihr ganzes Leben nicht drüber sprechen können." Für solche Frauen sind Selbsthilfegruppen geeignet. Heike Simon leitet sie an, danach treffen sich die Frauen selbständig weiter. Die Beraterinnen des Notrufs gehen auch mit zur Gerichtsmedizin oder zur Polizei, um eine Anzeige zu unterstützen, und sie begleiten die Frauen zu Prozessen.

Das Wort Gewalt schreckt die Menschen ab

Am Schwierigsten sei die Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Gewalt, erzählt Heike Simon. Sobald das Wort "Gewalt" auftaucht, wenden die Menschen sich ab. Da müsse noch viel Aufklärung geleistet werden, meint die unerschrockene Mainzerin. Vor allem in Schulen, damit das Verhältnis der Geschlechter von Anfang an so gelernt werde, wie es sein solle: geprägt von Respekt und frei von Gewalt.

Daniela Engelhardt

Letzte Änderung am: 31.01.2012, 14.23 Uhr

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