Thementag ÖlTreibstoff aus Müll
Wie werden wir unabhängig vom Öl - das wird auch an den Zapfsäulen der Tankstellen überlegt. Biosprit aus Zuckerrohr, Mais oder Soja sind gefragt. Aber auch umstritten, weil sie Pflanzen vom Feld nutzen und damit eine Konkurrenz zur Produktion von Nahrungsmitteln bedeuten. Wie praktisch wäre es, wenn wir aus dem, was sowieso keiner mehr will Treibstoff machen könnten: aus unseren Abfällen. Das geht - eine Firma in Konz bei Trier vertreibt Anlagen, die Diesel aus Müll machen. Alice Thiel-Sonnen hat sich dort umgesehen.

Müll gibt's genug
Unser Treffpunkt hat überhaupt nichts von Chemieanlagen-Ambiente - es ist im Foyer eines Hotels. Denn die Idee, aus Abfällen Sprit zu produzieren, gibt es in Deutschland nur als Forschungs- und Versuchsanlagen. Kanada arbeitet schon damit und macht Treibstoff aus Resten der Autoentsorgung: Kunststoffe, Kabel, Isolierungen, schildert Rainer O. Lange die bisherigen Praxiserfahrungen.
Sogar Krankenhausmüll wird verwertet
Langes Firma NOVOINVEST in Konz vertreibt die Anlagen, die fast so was wie Allesfresser sind: "Am erträglichsten sind natürlich Öle, Fette, industrielle Abfälle dieser Art; mit etwas geringerer Ausbeute der ganze Bereich der Kunststoffabfälle. Es können sehr wohl gemischte Stoffe eingetragen werden. Wir präsentieren zum Beispiel KDV-Verfahren mit geschreddertem Krankenhausmüll, wo also von den Windeln über die Einwegspritzen alles zermahlen da hineingeht, da ist festzustellen, dass eine sehr hohe Ausbeute an Dieselkraftstoff daraus resultiert."
Der Treibstoff erfüllt europäische Qualitätsnormen
Katalytische drucklose Verölung – kurz KDV - nennt sich das Verfahren. Hinein in den gut 300 Grad heißen Reaktor kann alles, was Kohlenstoffe enthält. Ein Mineralstoffgemisch als Katalysator bringt die Reaktionen in Gang: aus den langen Molekülketten werden kürzere Kohlenstoff-Molekülketten geschnitten - verdampft und destilliert kommt am Ende Diesel raus. Ein Treibstoff, der europäische Qualitätsnormen erfüllt. Übererfüllt, betont Rainer O. Lange: "Insbesondere sind die Cetanzahlen höher als die an den Tankstellen in der Regel angebotenen, das heißt also bei der Verwendung für automobile Antriebszwecke würde der KDV-Diesel sogar einen niedrigeren Verbrauch oder eine höhere Leistung erbringen."
Keine Schadstoffprobleme bei der Herstellung
Mit rund 23 Cent pro Liter Produktionskosten wäre der synthetische Treibstoff aus Müll auch recht günstig – vor allem im Vergleich zum synthetischen Diesel aus Biomasse. Die Idee, Abfälle für die Dieselproduktion zu nutzen, ist nicht neu. Aber die bisherigen Verfahren, wie die Pyrolyse, produzieren neben Sprit auch noch unerwünschte Schadstoffe. Obwohl auch in KDV-Anlagen ja Altreifen, PVC-Kunststoffe oder belastete Fette kommen, gibt es hier keine Schadstoffprobleme, erläutert Rainer O. Lange: "Durch den Ionenaustausch werden zum Beispiel gefährliche Chlorverbindungen in PVC und PBC-Kunststoffen eben nicht zu Dioxinen und Furanen umgeformt, sondern zu harmlosen Salzen."
120 Kilo Müll ergeben 100 Kilo Diesel
Anlagenerfinder ist Dr. Christian Koch. Er hat die Patente auf das Verfahren, an dem er rund 30 Jahre getüftelt hat. Seine Schätzungen: 120 Kilo Kunststoffmüll ergeben 100 Kilo Diesel. Nimmt man die anderthalb Millionen Tonnen Abfall, die in Deutschland pro Jahr anfallen, könnten damit gut zehn Prozent des bundesweiten Dieselbedarfs gedeckt werden.
Weitere Informationen zum KDV-Verfahren bei der Müllverwertung bekommen Interessierte bei der Fa. NOVOINVEST in Konz - unter der E-Mail-Adresse: info@novoinvest.de.
Alice Thiel-Sonnen
Letzte Änderung am: 12.02.2008, 17.24 Uhr
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