Menschen mit Mut zum Engagement
aus Frohes Wochenende vom Samstag, 25.6.2011 | 16.00 Uhr | SWR4 Rheinland-Pfalz
Jugendliche in ihrer Entwicklung fördern, aus Amateurmusikern echte Profis machen und Konzertbesucher mit symphonischer Blasmusik begeistern: All das leistet Stefan Kollmann seit über 20 Jahren ehrenamtlich, in seiner Freizeit. Der Dirigent aus Konz geht in seiner Arbeit auf - und sorgt für viel Begeisterung im Land.
Musik war ihm immer schon wichtig. Als Kind saß er stundenlang andächtig vor dem Radio. Heute ist Stefan Kollmann aus Konz ein gefragter Dirigent von Symphonischen Blasorchestern, riesigen Klangapparaten mit bis zu 80 Musikern, die eine imposante Klangvielfalt erzeugen. Studiert hat der 50jährige zunächst Gitarre und Posaune, dann Orchestermusik, danach folgte noch ein Dirigierstudium für Blasorchester in Holland. Sein Geld verdient er als Realschullehrer, seine Freizeit gehört ganz den Amateurorchestern, denen man nicht anhört, dass sie Amateurorchester sind.
Warum muss es symphonische Blasmusik sein? "Wenn ich mit einem Klavier oder mit der Gitarre Töne entstehen lasse, ist es immer noch etwas Mechanisches", erzählt Stefan Kollmann, "aber wenn ich einen Ton aus der Klarinette herausholen möchte, muss ich warme Luft reinblasen, meine eigene Luft. Wenn Blasinstrumente Töne produzieren, hat das einen ganz besonderen Charme. Das klingt phantastisch!" Diese Begeisterung auf seine Musiker übertragen, aus jungen Orchestern das Größtmögliche rausholen - das ist der Ehrgeiz unseres Menschen mit Mut. Und das geht nur über Handwerk.
Zunächst erklärt der Dirigent das Musikstück, dann wird es einmal durchgespielt und die Musiker lernen die Noten kennen. Aber in jeder Probe fällt der Satz: "Bitte Leute, spielt mir nicht nur die Noten ab!" Stefan Kollmann will, dass Musik und Kunst entstehen und kitzelt aus seinen Musikern Kreativität heraus. "Wenn dort steht, du sollst deine Klarinette 'espressivo' spielen, dann frage ich: Wie spielt man das? Viele wissen noch nicht einmal, was es bedeutet und auch nicht, wie sie es auf ihrem Instrument spielen sollen. Da fängt die Kunst an!"
Die Musiker lernen auch, dass ein Instrument im Dialog mit einem anderen steht. Vielleicht soll die Triangel die Flöte begleiten? Stefan Kollmann: "Klangbalance, Zusammenspiel, Rhythmus, Dynamik - all das bis aufs Feinste abzustimmen, ist eine ganz wichtige Aufgabe. Und das kann man auch mit Amateuren erreichen." Erreicht hat Kollmann als deutscher Pionier der symphonischen Blasmusik, dass aus musikalisch unbedeutenden Jugendorchestern beeindruckende Klangkörper wurden. Viele Jugendliche haben mit 12 oder 13 Jahren angefangen und sind heute gestandene Profis, die in Deutschland wie im Ausland zum Einsatz kommen.
Erfolg schweißt zusammen. Regelmäßige Konzerte, Wettbewerbe, Auslandsauftritte, Rundfunkaufnahmen - der Orchesterpädagoge weiß, wie man junge Leute motiviert. Und sich selbst auch immer wieder dadurch, dass er ein Orchester nach dem anderen auf den Weg bringt: "Es ist ein großes Glück, ein Lebensinhalt - und ich merke auch, dass es ganz viele Menschen in unserem Land begeistert."

Letzte Änderung am: 22.06.2011, 09.54 Uhr