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Eine keltische Stadt auf der Schwäbischen Alb
Mitten im Biosphärengebiet auf einem halbinselartigen Hochplateau der Albhochfläche, nordöstlich von Bad Urach, liegt der Heidengraben, die größte befestigte Keltensiedlung Mitteleuropas.
Weite Teile des Oppidums waren durch die steilen Hänge des Albtraufs natürlich begrenzt. Zur Albhochfläche hin schützten kilometerlange Mauern die Stadt vor Angreifern. Noch heute sind die Reste der Wallanlagen sichtbar - auf den übriggebliebenen Erdwällen verläuft ein archäologischer Wanderpfad.
Die Schwäbische Alb 200 bis 100 vor Christus: Schätzungsweise mehrere tausend Menschen lebten im Heidengraben - in der spätkeltischen Eisenzeit das wirtschaftliche und politische Zentrum Südwestdeutschlands. Die Fundstücke, die Archäologen der Universität Tübingen ausgegraben haben, zeugen von einer blühenden Kultur: blau-gelb melierte Glasarmringe und Perlen, verzierte Anstecknadeln aus Eisen und Bronze, kunstvoll bemalte Tonscherben.
Keltische Silbermünzen und vor allem die Reste von Weinamphoren aus dem Mittelmeerraum deuten auf regen Handel hin. Achim Lehmkuhl, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Tübinger Denkmalamtes, hat über 130 Weinamphoren in mühsamer Kleinarbeit zusammengesetzt und ausgerechnet, dass über drei Tonnen Wein auf die Alb gebracht wurden!
Am Transport der Amphoren haben viele mitverdient: vom Töpfer bis hin zum Zöllner und Schiffstransporteur. Aber nicht nur Wein- und Ölamphoren aus dem Mittelmeergebiet wurden importiert, auch Steine wurden hoch gehandelt: Wetzsteine für Sicheln und Sensen sowie Mühlsteine für Getreide. Durch Zufall hat ein Hülbener Landwirt einen komplett erhaltenen Drehmühlstein ausgepflügt. Nachforschungen ergaben, dass der Stein aus Dossenheimer Quarzporphyr besteht und vermutlich entlang des Neckars auf die Alb gebracht wurde.
Der Heidengraben wurde zur Albhochfläche hin einst durch einen äußeren und durch einen inneren Befestigungsring vor Eindringlingen abgeschirmt. Die heute rund 2 Meter hohen Erdwälle der inneren Schutz- mauer ragten einst 10 Meter in die Höhe und wurden mit Kies und Erde aufge- schüttet, mit einer Fassade aus Stein verblendet und durch senkrecht stehende Holzpfosten gestützt.
Teile einer solchen Pfostenschlitzmauer und eines Zangentores wurden vor ein paar Jahren nach historischen Vorlagen nördlich von Erkenbrechtsweiler von ehrenamtlichen Mitarbeitern wieder aufgebaut.
Um herauszufinden, wie die Kelten lebten und wie ihre Wohnhäuser aussahen, hat der Förderverein Archäologie, Kultur und Tourismus eine geomagnetische Untersuchung finanziell unterstützt. Mit einem speziellen Detektor konnten so ohne Grabungen magnetische Signale eingefangen werden und im Boden Verborgenes sichtbar gemacht werden: z.B. Feuerstellen inmitten eines Hauses sowie die Pfostenstandspuren der Behausung.
Ob es im Heidengraben einen oder vielleicht auch mehrere Herrscher gab, ist unklar. Auf den keltischen Silbermünzen, die rund um den Heidengraben gefunden wurden befinden sich lediglich Verzierungen.
Gräber, die Aufschluss über das Leben der Kelten geben könnten gibt es zwar, sie stammen allerdings aus der späten Bronzezeit zwischen 1200 - 800 vor Christus, also aus der Zeit der frühen Kelten. In einem Gräberfeld beim Burrenhof wurden Tracht- und Keramikbeigaben gefunden.
Teil des Bestattungsritus der späten Kelten war die Verbrennung der Toten. Somit wird auch weiterhin vieles über das Leben der Kelten im Heidengraben im Verborgenen bleiben.
Sowohl die Bürgermeister als auch das Denkmalamt, die Universität Tübingen und die Fördervereine wollen künftig das Potential des Heidengrabens besser nutzen.
Viele Fundstücke wie Keramikschalen, Amphoren, Glasschmuck und Fibeln aus Eisen und Bronze kann man heute im Schloss Hohentübingen oder aber im Keltenmuseum Heidengraben in Grabenstetten besichtigen.
Auch in den Foyers der Rathäuser von Hülben und Erkenbrechtsweiler sind Fundstücke ausgestellt. Künftig sollen die Ausstellungsstücke in einem wissenschaftlichen Informationszentrum präsentiert werden. Die Planungen hierfür sind bereits im Gange.
Letzte Änderung am: 24.03.2011, 16.39 Uhr