Seite vorlesen:
In diesem Monat führt uns der Streifzug nach Bad Urach. Und zwar nicht nur durch Wald und Flur, sondern auch mitten nach Bad Urach hinein.
Wir starten dort, wo die meisten Touristen zunächst einmal landen, nämlich am berühmten Uracher Wasserfall. Er ist der höchste, den die Schwäbische Alb zu bieten hat. Allerdings lenkt die Landschaft hier oder im romantischen Seeburger Tal mit seinen Felsen oft davon ab, dass Urach einst eine politisch bedeutende und mächtige Stadt war.
Wandert man vom Wasserfall zurück in die Stadt, so sollte man einen hügelähnlichen Berg rechts nicht übersehen. Den sogenannten Runden Berg. Hier befand sich schon in frühen Zeiten eine der größten Keltischen Siedlungen dieser Epoche. Archäologen haben sogar Funde aus der Bronzezeit entdeckt. Ein erster Ort der Macht.
Der Zweite wird auf dem Berg nebenan sichtbar. Dort erhebt sich die fast 1000 Jahre alte Ruine Hohen Urach, einst Grenzfestung der Uracher Grafen.
Dieser Berg muss umwandert werden, um Richtung Altstadt zu kommen, wo schon von weitem der Turm der Stiftskirche Amandus zu sehen ist. Gleich nebenan finden wir das nächste Zeugnis der Macht, das Uracher Schloss.
Als Württemberg im 15. Jahrhundert zweigeteilt war, befand sich hier der Herrschaftssitz des südlichen Teils. Von hier aus gründete Graf Eberhard im Bart die Tübinger Universität. Das Schloss ist heute liebevoll renoviert und beherbergt eine weltweit einmalige Sammlung von Prunkschlitten.
Dass Urach einst eine wohlhabende Stadt war, zeigt auch der Gang vom Schloss Richtung Marktplatz. Viele der beeindruckenden Fachwerkbauten sind bis heute erhalten. Sehenswert ist auch der Marktbrunnen mit seiner reich verzierten gotischen Steinsäule und einer eingearbeiteten Christophorus-Statue.
Im Advent ist ein abendlicher Ausflug nach Urach besonders lohnenswert, denn dann erstrahlen die zahlreichen Fachwerkbauten rund um den Marktplatz im Lichte der Giebelbeleuchtung.
Auch das Wasser spielt in Urach eine große Rolle. So wird der Marktbrunnen aus einer eigenen Quelle gespeist, und das Wasser des Flüsschens Erms ist so sauber, dass es als Trinkwasser kaum aufbereitet werden muss. Weshalb die Ermstäler ihre Forellen auch für besonders schmackhaft halten. Außerdem sprudelt in Urach heilsames Thermalwasser aus den Tiefen des Gesteins.
All dies ist wichtig für den Lebensunterhalt der Uracher. Denn neben einigen alteingesessenen Industriebetrieben, sorgen vor allem mehrere hundert tausend Touristen und Kurgäste alljährlich für Arbeit und Brot.
Unser Weg führt nun allerdings nicht in das etwas außerhalb gelegene Kurgebiet, sondern in die alte Klostermühle. Diese war noch bis vor rund 60 Jahren in Betrieb. Seit gut zwei Jahrzehnten ist sie nun das Stadtmuseum. Allerdings kann man dort nicht, wie andernorts, Stadtgeschichte bestaunen, sondern ein bundesweit bekanntes Grammophonmuseum. Zu verdanken hat Urach dies dem Sammler Rolf Geigle. Er trug im Laufe seines Lebens eine erstaunliche Vielfalt an Geräten zusammen, die mit der Tonaufzeichnung zu tun haben. Von alten Edison-Walzen-Apparaten über Grammophone, Tonbänder und Musikboxen kann hier die Geschichte der Tonspeicherung erlebt werden. Besonders eindrücklich, wenn Geigle selbst durch seine Sammlung führt.
Und wer unterwegs die Augen offen hält, stößt auf zahlreiche kleine Hinweisschilder an den Häusern. So erfährt man etwa, dass Eduard Mörike hier das Uracher Stift besucht hat, oder dass die Uracher davon überzeugt sind, dass sie einem spitzbübischen Bäcker eine der schwäbischsten aller Erfindungen zu verdanken haben. Nämlich die der Laugenbrezel.
Letzte Änderung am: 25.11.2010, 15.03 Uhr