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Unser Streifzug führt uns heute nach Bad Wildbad in den Kurpark. Den Grundstein für die Parkanlage legte Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg im Jahre 1699. Er ließ eine Hainbuchenallee anlegen und aus diesen bescheidenen Anfängen wurde ein Naturpark mit einem Wegnetz von rund 15 Kilometer Länge.
Der Kurpark hat sich im Laufe der Jahre immer wieder verändert – an ihm lässt sich Zeitgeschichte ablesen. Die romantische Phase des Parks ist mit dem Rosengarten verbunden, das wilde Urwüchsige mit dem Uferbereich an der Enz. Rita Radowski hat sich vom Leiter der Kurgärtnerei und von einem Gästeführer die schönsten Plätze zeigen lassen und hat versucht ein paar Geheimnisse des Parks zu lüften. Dazu gehören die nicht so bekannten kleinen Wege die oberhalb am Rosengarten beginnen, mit Springbrunnen und Marmorfiguren, die unsere Elemente Luft, Wasser und Feuer darstellen.
Vom Rosengarten aus verläuft ein schmaler Weg am oberen Rand des Parks. Hier hat der Besucher immer wieder einen Blick auf die Enz und vor allem auf die vielen Sträucher und uralten Bäume. Wer den Weg im oberen Teil weitergeht, kommt an einem Bach vorbei und ein paar Schritte weiter wird der Blick auf ein Holzhaus gelenkt, das ein wenig an Urlaub im Gebirge erinnert: das "Schweizer Häuschen" steht unter Denkmalschutz, sieht aber leider schon ein wenig verwittert aus.
Vom Schweizer Häuschen kann der Besucher hinunter laufen in Richtung Schwanensee. Hier schwimmen weiße und seltene schwarze Schwäne, die in diesem Jahr sogar gebrütet haben. Direkt am Schwanensee stand früher das "Kaffee Rosenau". Von 1890 bis 1954 befand sich an dieser Stelle ein aus Holz gebautes Kaffeehaus mit Blick auf den See. Heute existieren nur noch die Grundmauern - und historische Fotografien.
Doch am Schwanensee ist der Park noch lange nicht zu Ende. Hier führt der Weg weiter zu Tennisplätzen, Kneippanlagen, einem Matschplatz und einer großen Liegewiese. Ein Tipp von Gerhard Stahl, dem Leiter der Stadtgärtnerei, ist der geheimnisvolle Mammutbaum bei der alten Englischen Kirche, der sogar einen Blitzschlag überlebt hat. In der Kirche finden heute noch Gottesdienste und Konzerte statt, unter anderem mit dem Wildbader Kurorchester unter der Leitung von Musikdirektor Marcel Baluta.
Im Kurpark befindet sich auch das historische Luftbad mit der Villa Rosa, einem Holzgebäude mit Liegeterrassen, das unter Denkmalschutz steht. Das größere Gebäude war einmal Umkleide- und Liegehalle zugleich. Die Liegehalle fasziniert noch heute durch ihre Architektur, die an die alten deutschen Seebäder erinnert. Aufwendige Holzhäuser mit Verzierungen und einem sicheren Gefühl für Ästhetik.
Mit etwas Phantasie lebt hier die Vergangenheit wieder auf. Luftbaden anno dazumal: ein Besuch begann auch früher mit dem Eintritt am Kassenhäuschen, es gab Kaffee, warme Decken und Liegestühle. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es sogar Sand von der Insel Rügen. Sand im Schwarzwald - eine Idee, die heute von Naturbädern wieder aufgegriffen wird. Die Menschen in Bad Wildbad wussten eben schon damals wie wunderbar es ist, barfuß im Sand zu laufen und ihn zu Haufen aufzutürmen - darüber berichtet auch ein altes Wildbader Badeblatt.
Rita Radowski
Letzte Änderung am: 24.09.2009, 12.28 Uhr