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Sowohl für sportliche als auch erholungsbedürftige Menschen ist der Stadtwald von Reutlingen ein Paradies: In dem von kleinen Seen (Breitenbachsee) und einem großen Wald durchzogenen Gebiet lässt es sich ebenso gut joggen wie spazieren gehen oder einfach nur die Natur genießen.
Die Tour durch den Stadtwald von Reutlingen beginnt am Wildgehege am Markwasen. Jahrhunderte alte Eichenbäume strecken ihre knorrigen Äste in die Höhe und in die Breite und spenden dem hier lebenden Damwild Schatten. Bis vor hundert Jahren war der Markwasen der Festplatz von Reutlingen – Karussells und Festbuden luden hier zum Verweilen ein. Auf dem flachem geteerten Weg geht es rechts quer durch den Wald auf einen der Hauptwege des Stadtwaldes, dem Hohlichterrainsträßle. Hier trifft man vor allem Jogger, Radfahrer und Eltern mit ihrem Nachwuchs.
Auf Höhe des Schinderbachwegs zweigt der Weg rechts ab, und man wandert auf einem Verbindungsweg in Richtung L 383. Unterirdisch überquert man diese Straße und geht, mit Aussicht auf die Stadt und die Wiesen des Listhofs, wieder in den Wald.
Räuber und Wölfe lebten vor vielen Jahrhunderten in diesem Waldstück – das Hannikelhaus, eine weiße Schutzhütte mit Grillstelle erinnert heute noch an den Räuberhauptmann, der hier einst mit seinen 300 Mann hauste.
Langsam wird der Wald dichter, der Weg steigt an, und wir treffen auch nicht mehr so viele Menschen. Nach knapp 35 Minuten Anstieg hört der Wald auf; ein abgeerntetes Weizenfeld, das zum Hofgut Alteburg gehört, macht den Blick frei auf das Käpfle. Hier stand bis zum Jahre 1073 die alte Burg - heute ein hölzerner Aussichtsturm. Oben angekommen, entlohnt eine traumhafte Rundumsicht über die schwäbische Alb, den Zollern bis nach Stuttgart, das mühsame Treppensteigen.

Folgt man den Weg abwärts in südlicher Richtung sieht man sie schließlich in ihrer ganzen Pracht auf einer grünen Wiese: Die Friedenslinde - ein wunderschöner Ort, um Pause zu machen und auf dem Holzbänkle in ihrem Schatten zu verweilen. Wer dann hungrig und durstig vom Wandern ist, der kann sich im Hofgut Alte Burg oder im Restaurant Wald(ess)lust, beim Naturtheater Reutlingen stärken.
Alte Obstbäume, Wasserlöcher im zerfurchten Gelände mit Schilf und Binsen, Grashüpfer, sirrende Libellen, Froschkonzerte - was nach einem Idyll in der Einsamkeit klingt, ist das, was den Besucher des Umweltbildungszentrums Listhof in Reutlingen erwartet. Bis 1992 war das Gebiet des heutigen Listhofs ein Truppenübungsplatz. Französische Panzer rollten regelmäßig über das 120 ha große Gelände, zermalmten alles, was ihnen in den Weg kam.
Knapp 20 Jahre später hat die Natur sich das Gelände zurückerobert, mit sanfter Hilfe von Mensch und Tier. Vor allem Ziegen und Schafe sind es, die bei der Pflege des Naturschutzgebietes eine wichtige Rolle spielen; sie halten die Gehölze und Hecken im Zaum, verhindern so ein Zuwachsen des Geländes.
Zwei Hauptwege durchqueren das Naturschutzgebiet. Der eine schlängelt sich direkt hinter dem gelben Haus des Umweltbildungszentrums auf eine freie Hochfläche, nach Nordwesten Richtung Ohmenhausen. Der zweite kommt aus Richtung Alteburg im Westen, trifft auf den ersten Hauptweg und zweigt von diesem später wieder ab in Richtung Betzingen im Nordosten.
Weiß, gelb und in verschiedenen Lilatönen leuchten die Wiesen. Schafgarbe, Flockenblume und Kräuter wachsen hier in den warmen Sommermonaten und verströmen ihren Duft. Es ist ein Paradies für Tiere und seltene Pflanzenarten am Rand einer Großstadt, zum Beispiel für Wildbienen oder Amphibien, wie die Gelbbauchunke. Mit etwas Glück findet man sie in alten Wassermulden auf dem Weg. Die teilweise befestigten Hauptwege dürfen nicht verlassen werden. Wer tiefer ins Gelände eindringen will, für den bieten die Umweltpädagogen des Listhofs regelmäßig Führungen an; regelmäßig gibt es auch Aktivitäten mit und für Kinder.
Zu erreichen ist der Listhof auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Buslinie 5 in Richtung Gönningen/Mössingen nehmen und am Umweltbildungszentrum Listhof aussteigen.
Beata Beier
Letzte Änderung am: 27.08.2009, 13.46 Uhr