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Streifzug Glaswald - eine verzauberte Gegend

Es ist ein Streifzug in einen verwunschenen Wald – in den Glaswald bei Bad Rippoldsau-Schapbach. Der heißt so, weil es da einst eine Glashütte gegeben hat – und die Glasmacher brauchten viel Holz für ihre Öfen. Mitten im Glaswald liegt ein nicht minder verwunschener See: Der Glaswaldsee. Ein Geschenk der letzten Eiszeit: Vor 10 bis 12 tausend Jahren haben Gletscher die Mulde ausgehebelt, in der sich dann das Wasser sammeln konnte.

Das erklärt allerdings noch nicht die geheimnisvollen Geschichten, die sich um den Glaswaldsee ranken... Zwischen Rippoldsau und Schapbach weist ein Schild hinauf zum Glaswald, ein Sträßchen führt auf einen Wanderparkplatz: Spätestens ab hier geht es nur zu Fuß weiter, ein Kiesweg, streckenweise recht steil, führt durch den dichten Wald zum See. Der Weg lohnt sich. Dunkel liegt der Glaswaldsee mitten im Wald, geheimnisvoll selbst bei schönem Wetter.

Ein bisschen giftig ist sein Wasser von Natur aus. Man sollte also nicht zu viel davon trinken. Es leben auch keine Fische in ihm. Zum Baden soll er aber sehr angenehm sein, erzählt Schwarzwald-Guide Barbara Zimmermann: Sehr weiches Wasser, das die Haut beinahe wie ein Moorbad umschmeichelt.
Wer mit Barbara Zimmermann um den See herumwandert, bekommt dabei viele alte Geschichten zu hören, die sich um den Glaswaldsee ranken. Die meisten hat sie selbst schon von ihrem Großvater gehört. Da ist zum Beispiel die Geschichte vom Männlein aus dem See, das einst jeden Tag fleißig auf einem Waldbauernhof im Glaswald mitgeholfen hat, und zum Lohn nichts wollte als etwas Brot und Milch. Nur nachts kehrte es in sein kühles Bett im See zurück. Als die Bäuerin ihm eines Tages doch Braten und Wein gab und ein neues Röcklein, da jammerte das Männlein, dass es nun für immer in den See gebannt sei. Und das Glück verschwand für immer vom Hof. Tatsächlich gab es einen Bauernhof im Glaswald, der zugrunde gegangen ist – vermutlich aber wegen Erbstreitigkeiten.
Das Männlein ist aber nicht das einzige Wesen im See: In ihm soll auch eine Insel mit einem Nonnenkloster versunken sein. Manchmal sieht man noch etwas blinken und glitzern am Grunde: Vielleicht die bunten Fensterscheiben der Kirche?
Lange Zeit ist man vor Hochzeiten noch an den See gegangen, um die versunkenen Nonnen zum Tanz einzuladen. Zu lange tanzen durften sie aber auch nicht. Wenn sie nicht vor dem ersten Tageslicht zurück im See waren, passierte Schreckliches... So gefährlich das alles aber klingen mag: In aller Regel kommen Wanderer vom Glaswaldsee nicht nur gesund, sondern auch sehr erholt und zufrieden zurück.
Ihre Mythenwanderung bietet Schwarzwald-Guide Barbara Zimmermann immer wieder an. Anmelden kann man sich bei der Tourist Information: Tel.07440-913940.


Gasthof Wildsee

Nach dem Wandern bietet es sich donnerstags bis sonntags immer ab 11 Uhr an, im „Wildsee“ zu vespern. Das Gasthaus, an dem man auf dem Rückweg ins Tal sowieso vorbeikommt, ist seit 120 Jahren in den Händen derselben Familie. Hermann Leuthner ist Wirt in der dritten Generation, und seine Frau Ursel erklärt den Gästen notfalls auch ein bisschen eindringlicher, wie man seinen Speck richtig zu schneiden hat: Ohne Gabel, und möglichst fein, und Fettes und Mageres sollten in jedem Bissen zu gleichen Teilen vertreten sein.

Finanziell lohnt sich das Lokal schon lange nicht mehr für sie, sagen die Leuthners, aber sie führen es als Hobby weiter, so lange es geht. Und erinnern sich liebevoll an die Zeiten, als Sonntags nach der Kirche noch die ganze Gaststube voller Menschen war, die alten Frauen noch in der Tracht, und alle haben ihr Viertele geschlotzt.

Von einer der Alten wird berichtet, sie habe ihre Brezel auf dem Boden zu Krümmeln getreten. Weil sie keine Zähne mehr hatte, sie zu beißen.
Was man heute im Wildsee aufgetischt bekommt, ist alles hausgemacht, Speck und Wurst und Brot. Im Ort heißt das Lokal übrigens nicht Wildsee, sondern Pankratz, denn der Großvater von Hermann Leuthner hieß Pankratius. Deshalb gehen die treuen Gäste heute wie damals zum Vespern beim Pankratz.


Peter Binder

Letzte Änderung am: 30.10.2008, 16.08 Uhr

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