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Streifzug Im Oberen Neckartal unterwegs

Eine Wanderung, die nicht nur landschaftlich reizvoll ist, sondern auch geologisch und kulturhistorisch wertvoll - Ein Gang durch die Geschichte und Entwicklung des Neckartals hat Anette Hübsch im Rahmen unserer Reihe Streifzüge unternommen.

Unser Treffpunkt ist der Kurpark von Bad Niedernau. Dort wo früher Adelige und Mitglieder der württembergischen Königsfamilie flanierten, wandern wir los. Der Weg führt unter alten Linden und Kastanienbäumen am Katzenbach entlang, hinunter zur Neckarmündung. Die weiten Neckarauen ziehen sich wie ein grünes Band zwischen den Talrändern entlang. Seltsam muten die grünen Hügel an, die sich immer wieder wie Grabhügel auftürmen: es sind unterirdische Brunnen, die Quellwasser an die Oberfläche pumpen.

Unsere Wanderung führt durch eine wasserreiche Gegend: überall gurgelt, plätschert und rauscht das Wasser. Der Neckar dagegen fliesst ruhig in seinem kanalisierten Kiesbett. Ein Angler steht am Ufer zwischen meterhohen, violettfarbenen Pflanzen, dem indischen Springkraut. Auch wenn es schön aussieht, unter Naturschützern ist es nicht beliebt, erklärt der Ökologe Horst Heyd, da es die heimische Vegetation verdrängt.

Terrassen und Wasserkraft

Wir verlassen die Neckarauen, überqueren die Bahngleise und wandern auf der sonnigen Neckartalseite weiter, unterhalb eines bewaldeten Abhangs, parallel zur alten römischen Wasserleitung von Obernau nach Rottenburg. Historisch sind auch die terrassenförmigen Felder und alten Steinmauern, die vom ehemaligen Weinbau zeugen. Eine alte Getreidemühle lassen wir links liegen und wandern weiter flussabwärts zum Steinbruch: einem geologischen Zeugnis der vergangenen Eiszeit in Deutschland.

Imposant ist auch das große Wasserkraftwerk Zum Preussischen: mit größem Getöse stürzen die Wassermassen über die riesige Wehrmauer. Nach dieser schmalsten Stelle des Neckartals fliesst der Fluss wieder ganz beschaulich. Von diesem idyllischen Neckarufer aus ist es nicht mehr weit in die Rottenburger Innenstadt. Die Domstadt bietet neben einer historischen Altstadt auch viele Läden und Einkehrmöglichkeiten.

Römische Wasserleitung

Ein Teil unserer Wanderung durch das Obere Neckartal verläuft parallel zur Strecke der alten römischen Wasserleitung.

Sie gilt als die größte Wasserleitung auf linksrheinischem Gebiet und ist ein eindrucksvolles Zeugnis römischer Bau- und Ingenieurskunst. Denn die Römer hatten auf ihrem Eroberungsfeldzug an wichtigen Flussübergängen Basislager für ihre Legionäre errichtet. So auch in Rottenburg am Neckar, wo die Römer 85 n.Chr. die Keltensiedlung Sumelocenna zur römischen Garnisonstadt ausbauten. Das Stadtmuseum Sumelocenna lässt diese Zeit der römischen Herrschaft wieder aufleben. Neben Alltagsgegenständen und Waffen zeigt das Museum auch den Bau und Verlauf der Wasserleitung von Obernau nach Rottenburg.

Das Herzstück des Museums allerdings ist der Nachbau einer römischen Toilette: ein Plumpsklo für 35 Personen. Die saßen sich in zwei Reihen gegenüber. Alle 90 Zentimeter eine Sitzbrille - mit Extra-Loch zum Reinigen. Denn vor den Sitzen lief eine Rinne mit frischem Wasser. Auf Stäben hingen kleine Schwämmchen aus Moos, mit denen der Unterkörper gereinigt werden konnte. Pinkeln in aller Öffentlichkeit - für heutige Verhältnisse unvorstellbar. Doch auf alle Fälle einen Besuch wert !

Anette Hübsch

Letzte Änderung am: 08.10.2008, 16.39 Uhr

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