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"Nauf auf d´ Stang, nauf auf d´ Stang" ertönt es zur Fasnetszeit in Sigmaringen. Wenn die Narren los sind, dann steht dort ein Platz im Mittelpunkt des Interesses: der Marktbrunnen im Herz der Stadt, zwischen Hohenzollern-Schloss und historischem Rathaus. Dort werden alle jungverheirateten Männer "gebräutelt" - ein uralter Brauch, bei dem die Männer auf einer Stange um den Brunnen getragen werden.
Im Moment ist eine Eislaufbahn rund um den Brunnen angelegt und der Platz ist ziemlich leer. Doch bald ist Fasnet und dann sieht es hier ganz anders aus, weiß Bürgermeister Wolfgang Gerstner: "Los geht´s bei uns am ´Auseliga´, dem Donnerstag. Alle Kinder werden da aus den Schulen und Kindergärten in die Stadt geführt. Dann kommen alle hier auf dem Marktplatz zusammen und es gibt einen großen Auflauf von Narren, die den Beginn der Fasnet feiern."
Und am Fasnets-Dienstag findet hier dann das berühmt-berüchtigte "Bräuteln" statt. Der Brauch ist nach alter Überlieferung nach dem 30-jährigen Krieg entstanden. Die von der Not geplagten Sigmaringer hatten sogar die Lust am Heiraten verloren. Als sich dann aber doch einer der jungen Burschen im wahrsten Sinne des Wortes "traute", hatten ihn seine Kameraden auf einer Stange um den Marktbrunnen getragen.
Ursula Arendt, Stadtführerin und Vollnärrin in Person, beschreibt wie das historische Bräuteln heutzutage abläuft: "Die Bräutlingsgesellen ziehen mit ihrer Stange von Haus zu Haus und laden die Bräutlinge ein. Dabei haben sie Trommeln und Pfeifen und spielen unser Fasnetslied."
Die Bräutlinge werden dann wie in alten Zeiten um den Brunnen getragen. Dabei haben sie große Körbe mit Brezeln und anderen Leckereien dabei, die in die Menge geworfen werden. Immer wenn ein neuer Bräutling dran ist, ertönt der Ruf: "Nauf auf d´ Stang!". Dann muss der Nächste auf der Stange Platz nehmen und seine Gaben verteilen.
Das Lied - oder besser gesagt die Hymne der Semmeringer Fasnet heißt "Freut euch des Lebens" und der Text geht so:
Semmerenger Mädla hand Peterla a,
älles ischt vergäbens, koine kriagt koin Ma.
Ond wenn se dia Mädla mit Spitza garnieret,
ond wenn se dia Preißa am Arm romfiehret,
älles ischt vergäbens, koine kriagt koin Ma!
Darin wird auch auf die preußischen Beamten angespielt, die nach dem Verkauf des Hauses Hohenzollern an Preußen in die Stadt kamen. Die doppelte Verneinung "koine kriagt koin Ma" lässt laut Ursula Arendt vermuten, dass sich so manches Sigmaringer Mädel einen "Preißen" angelacht hat.
Früher gab es auch noch den Brauch, die Bräutlinge nach der Runde um den Brunnen in selbigen reinzuwerfen. Das müssen die Männer heute aber nicht mehr befürchten, so Bürgermeister Gerstner: "Der Brunnen ist zugedeckt, wir sind inzwischen so zivilisiert, da muss keiner etwas befürchten!"
Weil sich so mancher in dem eiskalten Brunnenwasser eine heftige Erkältung holte, hatte ein Hohenzollern-Fürst das Bräuteln zwischenzeitlich sogar untersagt.
Aber sonst ließ es sich der Adel nicht nehmen, dem närrischen Treiben beizuwohnen und stellte sogar einen eigenen Wagen.
Nur einmal, als gerade ein Mitglied der Familie gestorben war, hielt sich das Schloss aus den Feierlichkeiten heraus - bis auf einen, der es einfach nicht lassen konnte, so Ursula Arendt: "Da gab es einen hohen Hofbeamten, der hieß Adelmann. Der konnte es nicht lassen und hat sich ein Eisbärenfell nähen lassen. Damit sprang er dann auf den Wagen und die Sigmaringer sagten: "Du brauchst dich gar nicht zu verstecken Adelmann, wir wissen wer du bist!"
Letzte Änderung am: 12.07.2005, 18.25 Uhr