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Streifzug rund um die Pfullinger Hallen Durch das Maustäle übers Sättele zur Unterhose

Der 24. Oktober 1907 gilt weithin als die Geburtsstunde einer neuen Art von Veranstaltungsort. Denn damals wurden die "Pfullinger Hallen" eingeweiht, und damit eine der ersten Mehrzweckhallen überhaupt. In diese Pfullinger Hallen, die eigentlich nur eine ist, die aus zwei Räumen besteht, führt der Anfang unseres Streifzugs.

Von außen betrachtet wirkt das Bauwerk aus heutiger Sicht wenig beeindruckend. Innen allerdings ändert sich das schnell. Dort empfängt den Besucher ein hoher, fast quadratischer Festsaal, dessen Wandbemalung Denkmalqualität zugesprochen wird. In zarten, wie Pastell anmutenden Farben gemalt, tanzen dort vorwiegend leichtbekleidete oder gar barbusige Frauen. Oberhalb der bogenförmigen Öffnung über der Bühne spielt Gott Apollo die Geige und erweckt die schöpferische Kräfte der Natur zum Leben.

Gebaut hat die Pfullinger Hallen der damalige Stararchitekt Theodor Fischer, dem unter anderem das Haus des Kunstvereins am Stuttgarter Schlossplatz zu verdanken ist. Die Idee zu diesen Pfullinger Hallen hatte allerdings ein Pfullinger. Der Unternehmersohn Louis Laiblin wollte seiner Heimatstadt ein Turn- und Tonhalle schenken, in der der Liederkranz und der Sportverein gleichermaßen daheim sein können. So ließ er Fischer diese frühe Form der Mehrzweckhalle entwerfen und bezahlte das Bauwerk.


Allerdings hat das Duo Laiblin / Fischer nicht nur die Hallen geschaffen. Auch eine Pfullinger Stadtvilla, die Künstlerkolonie Erlenhof und vor allem der bekannte Schönbergturm, die Pfullinger Unterhose, entstanden durch Fischers Können und Laiblins Geld.

Deshalb führt unser Streifzug auch von Pfullingen im Tal den Albtrauf hinauf, auf bestens ausgebauten Wanderwegen des Schwäbischen Albvereins, über den Aussichtspunkt Wackerstein bis zum Hochplateau des Schönbergs. Die rund zweistündige Wanderung, durch das Pfullinger Maustäle, vorbei an den Eichen des sogenannten Sättele, lässt sich problemlos auf einen ganzen Tag ausdehnen, wenn man die Nebelhöhle und Schloss Lichtenstein mit besucht.


Zum Abschluss unseres Streifzugs steigen wir dann noch auf die "Pfullinger Unterhose". Denn von dort gibt es einen atemberaubenden Blick hinunter ins Echaztal. Von der Unterhose aus erkennt man auch, dass die Laiblinschen Bauten, seine Villa, die Pfullinger Hallen und der Schönbergturm ein zusammenhängendes Ensemble sind und exakt in einer Linie stehen. Denn Laiblin wollte seine gestifteten Werke beim Blick aus dem Villenfenster immer vor Augen haben.

Thomas Scholz

Letzte Änderung am: 30.10.2007, 13.58 Uhr

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