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Dieses Mal sind wir in Salmendingen, einem Ortsteil von Burladingen im nördlichen Zollernalbkreis. Salmendingen liegt dort, wo die Alb vielleicht mit am schönsten ist: am Fuße des Kornbühl. Auf diesem Hügel, außerhalb der Ortschaft selbst gelegen, steht die berühmte Salmendinger Kapelle.
Das kleine Kirchlein, das vor 500 Jahren erstmals erwähnt wurde, war schon auf unzähligen Kalenderfotos zu sehen und ist ein Aushängeschild für den Alb-Tourismus. Aber auch rund um den Kornbühl ist es landschaftlich ausgesprochen reizvoll. Die Gegend heißt Kuppenalb – es gibt viele kleine und runde Berge dort, Kuppen eben. Dazwischen weite Felder, die im Hochsommer, wenn das Getreide kurz vor der Ernte steht, weizenfarben sind und sich im Wind wiegen.
Wer auf das Dorf zufährt, sieht zuerst die mächtige Sankt-Michaels-Kirche aus dem Jahr 1746. Sie steht oberhalb der Ortsmitte, am Ghaiberg. Warum Salmendingen eine so imposante Kirche hat, ist nicht bekannt. Ortsvorsteher Eugen Hönes erzählt, es habe zuvor eine kleine Kirche gegeben, die hätte ihren Zweck auch erfüllt, aber überliefert ist, dass der damalige Pfarrer dem Bischof geschrieben hat, die bestehende Kirche sei ein „scandalum populum“, ein Volksskandal in den Augen der lutherischen Nachbarn, weshalb man vermutet, dass man ein sichtbares katholisches Zeichen setzen wollte in Richtung evangelisches Umland. Vielleicht hat man aber auch nur deshalb eine pompöse Kirche gebaut, weil es eben der damaligen Barockzeit entsprochen hat.
Unten im Dorf ist man bescheidener. Salmendingen sieht aus, wie viele andere Dörfer auf der Schwäbischen Alb. Alte Bausubstanz im Innern, moderne Baugebiete am Rande. Doch der Ortschaftsrat hat sich vorgenommen, den Dorfkern wieder zu stärken. Familien, die ein altes Haus übernehmen und sanieren, werden unterstützt.
Nach Salmendingen kommt, wer die Landschaft liebt und die Ruhe mag. Denn beides gibt es genug. So sind für die Städter vor allem die Wanderwege interessant. Sie führen – natürlich – am Kornbühl vorbei und dann, ebenfalls ein Muss, zum Dreifürstenstein. Dieser Berg am Albtrauf hat seinen Namen von einem dreieckigen Grenzstein, der schon im Jahr 1663 gesetzt worden ist. Damals stießen dort die Fürstentümer Fürstenberg, Württemberg und Hohenzoller aneinander. Auf dem Dreifürstenstein, auf dem es eine Schutzhütte des Schwäbischen Albvereins gibt, hat man einen herrlichen Rundblick – rüber zur Hohenzollernburg und zu den Balinger Bergen genauso wie hinunter ins Tal. Bei guter Sicht sieht man außerdem hinüber in den Schwarzwald und bis nach Stuttgart.
Nicht weit vom Dreifürstenstein liegt der Hirschkopf, auch der ein Albtrauf-Berg am Rande der Salmendinger Gemarkung. Vor knapp 20 Jahren kam es dort zu einem gewaltigen Erdrutsch, nachdem es tagelang geregnet hatte. Noch heute sieht der Wanderer die beeindruckende Bruchstelle und welche Folgen das für die Natur hatte.
Im Frühjahr hat Salmendingen noch eine weitere Attraktion im Freien zu bieten: den Märzenbrunnen oder Märzenbronn. Das ist ein kleiner See, der sich meist im Frühjahr in einer Senke unterhalb des Kornbühl bildet, vor allem durch das Schmelzwasser des Schnees – daher auch der Name „Märzenbrunnen“. Er entsteht nicht in jedem Jahr, aber wenn, kommen viele Besucher und schauen sich das Naturschauspiel an. Baden kann man allerdings nicht darin, dazu ist es in Salmendingen im Frühjahr viel zu kalt.
Apropos „kalt“ – das ist es in Salmendingen oft. Auf 800 Metern liegt die Gemeinde, der höchste Punkt ist das Köbele auf 900 Metern. Schnee im April, das ist dort keine Seltenheit. Logisch, dass es am Ghaiberg auch Skilifte hat. Die Salmendinger nutzen die vielen Möglichkeiten gerne, die ihnen ihre Natur bietet.
Auch das Vereinsleben zeigt, dass man es mit der Dorfgemeinschaft ernst meint: Bei gerade Mal 800 Einwohnern gibt es fast zehn Vereine. Und viele Salmendinger haben noch mehr Gründe, dort und nirgendwo anders zu leben. Das klassische Dorfleben findet hier noch statt, erzählen die Salmendinger, jeder kennt jeden, wenn man sich trifft, hält man einen Schwatz. Und wer einmal Hilfe braucht, ist in Salmendingen also auch nicht verloren.
Ob man nur droben wohnt oder nur zu Besuch ist, die Salmendinger Kapelle – eigentlich heißt sie Sankt Anna Kapelle – schwebt über allen. Und das seit dem Mittelalter, schon damals diente das Kirchlein als Wallfahrtsort. Erstmals erwähnt wurde sie im Jahr 1507, also vor genau 500 Jahren. Anlässlich des Jubiläums steht nun eine Bronzeskulptur am Kornbühl, die daran erinnert, dass dort seit dem 18. Jahrhundert auch Klausner lebten. Immer einer dieser christlichen Einsiedler wohnte oben am Berg, versorgte die Wallfahrer und schaute in der Kapelle nach dem Rechten. Die Klause steht nicht mehr, aber die Bronzefigur und eine Tafel informieren über dieses Stück Salmendinger Geschichte. Und wer es noch genauer wissen will: jetzt, zum 500jährigen Jubiläum der Kornbühlkapelle ist ein Buch erschienen. Geschrieben hat es Egon Viesel, der außer der Kapelle auch die Landschaft beschreibt.
Wie auch immer man Kontakt zu diesem idyllischen Flecken aufnimmt, ein Besuch des Kornbühl ist immer spektakulär: die Aussicht, die frische Luft, der ewige Wind und die Wachholderheiden – einfach ein Ort, sagt Ortsvorsteher Eugen Hönes, an dem der Himmel die Erde berührt.
Letzte Änderung am: 24.07.2007, 11.46 Uhr