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Streifzug Durch den Schönbuch

Der Schönbuch ist ein 15.000 Hektar großes Waldgebiet zwischen Tübingen, Herrenberg, den Fildern und Nürtingen. Begrenzt wird er im Westen durch das kleine Flüsschen Ammer – dort unten im Tal hat es viele Streuobstwiesen und oben eben den Schönbuch, der wie eine Aussichtsterrasse über dem Tal liegt.

Wie alle Wälder in Deutschland ist auch der Schönbuch kein Urwald, sondern ein Wald, der von Menschenhand mit erschaffen wurde. Und der Mensch von einst wollte entlang des Ammertales einen Mischwald haben, der im Frühjahr zartgrün ist und im Herbst leuchtend bunt.

Wer von Tübingen-Hagelloch aus Richtung Hohenentringen spazieren geht, findet Eichen vor und Buchen, Elsbeeren und einige Nadelhölzer wie Kiefern und Fichten. Jede dieser Baumarten hat im Herbst eine andere Farbe. Auf dem Boden liegt eine dicke Schicht brauner Blätter, und oft sieht man hellbraune Eicheln. Wenn ein Wald schon Schönbuch heißt, müssten hier eigentlich viele Buchen stehen, doch zwischen Hagelloch und Hohenentringen gibt es auffallend viele Eichen. Und das hat seinen Grund: Diese Flur war königliches Jagdgebiet mit Rotwild, und weil dieses gerne Eicheln frisst, hatten die Hofgärtner Eichen gepflanzt.

Weil die Buche ertragreicher ist als die Eiche, ist sie für den Forst ökonomisch nicht so wertvoll, dafür aber ökologisch. Und sie fühlt sich sehr wohl in den schweren Tonböden, die auf der Hochfläche liegen.

Denn zusammen mit dem Klima und den Niederschlägen bestimmt letztlich die Geologie, welche Bäume in einem Wald gedeihen und welche nicht. Geologen nennen diese Gegend übrigens das süddeutsche Schichtstufenland, weil hier verschiedene harte und weiche Gesteinsschichten übereinander liegen, die an einer Seite, dem Ammertal, steil abfallen.

Hohenentringen

Den meisten Menschen, die hier unterwegs sind, dürfte der Untergrund allerdings egal sein. Sie sind hier, weil der Mischwald prächtig ist, es schöne Ausflugsziele wie Hohenentringen oder - im Sommer - Schloß Roseck gibt und weil man hier leichter als anderswo Rotwild beobachten kann. Ende der 50er Jahre wurde ein 4.000 Hektar großes Wildgehege angelegt, für jedermann geöffnet. Es gibt sogar eine öffentliche Aussichtskanzel. Die Förster haben auch eine Erklärung dafür, warum die Tiere hier nicht sehr schüchtern sind: die Jäger kommen nur einmal im Jahr zu Zug, bei einer großen Treibjagd mit über 60 Schützen und 30 Treibern. Ansonsten wird das Wild in Ruhe gelassen und sieht sich also nicht ständiger Gefahr ausgesetzt.

Wer sich mehr für die Flora begeistern kann, entdeckt im Schweinehag entlang des Wanderwegs nach Hohenentringen vier echte amerikanische Mammutbäume. Mit ihren knapp 30 Metern Höhe und dem dicken Stamm sehen sie einfach riesig aus. Gepflanzt wurden sie Mitte des 19. Jahrhunderts. Der württembergische König hatte aus Amerika Saatgut bekommen und die jungen Pflänzchen wurden dann später in württembergischen Staatswäldern verteilt. Schade nur, dass sie sich nicht vermehren können, obwohl sie an sich gut gedeihen. Doch der Samen des Mammutbaumes ist fest im Zapfen eingeschlossen, und der öffnet sich nur, wenn es ein Bodenfeuer gibt. Das will im Schönbuch keiner, und so bleiben die vier Mammutbäume was sie sind: ein Blickfang für Naturliebhaber, die im Schönbuch oberhalb des Ammertals rundum auf ihre Kosten kommen.

Schloss Roseck

Der Trauf über dem Ammertal bietet eine herrliche Aussicht, und so verwundert es nicht, dass es oberhalb der Ammer - dem Schönbuch zugewandt - gleich zwei Schlösser in kurzem Abstand gibt. Einmal Schloss Roseck oberhalb von Tübingen-Unterjesingen gelegen, und dann Hohenentringen über der gleichnamigen Gemeinde. Während Hohenentringen heute ein beliebtes Ausflugslokal ist, beherbergt Schloss Roseck 40 alte und kranke Menschen – die Besitzerfamilie betreibt dort ein Pflegeheim. Aber im Sommer kann man auf Roseck ebenfalls einkehren – im Mostbesen. Oder man wandert einfach nur hoch und rastet vor dem Schlosstor, auf morschen Holzbänken an einer alten Pappel.

Dann diese Aussicht: wer hinauf kommt auf Schloß Roseck, wird begeistert sein vom Ausblick auf das Ammertal, den Schönbuch und die Wurmlinger Kapelle. Gegenüber sieht man auf den Rammert und dahinter auf die Schwäbische Alb mit dem Hohenzollern. Kein Wunder, dass die Besenwirtschaft von Mai bis August Genießer anzieht. 1,3 Tonnen Kartoffelsalat haben sich die Gäste in Sommer schmecken lassen, dazu haben sie vor allem Most getrunken, aber auch Bioapfelsaft oder Wein des Hauses. Die Besitzerfamilie Eggenweiler, die aus Sulz am Neckar stammt, macht dabei alles selber: den Saft aus dem Obst der vielen Streuobstwiesen am Abhang, den Wein aus den Reben, Bratwurst und Schwartenmagen aus den zottigen Tieren, die unten im Tal friedlich grasen. Aus den schottischen Hochlandrindern machen die Eggenweilers auch die bei Stammgästen beliebten Fleischküchle.

Unterjesingen

Markus Eggenweiler, der älteste Sohn der Besitzer, ist der neue Geschäftsführer auf Roseck; gerade hat der 24jährige sein Wirtschaftsstudium abgeschlossen und steckt voller Ideen. Und voller Tatendrang. Dass ihm die Arbeit auf Roseck nie ausgeht, schreckt ihn keineswegs, im Gegenteil: Er kann sich nicht vorstellen, in einer Firma zu arbeiten, wo er es hier so schön hat in der Natur und mit den Tieren.

Die Tiere, das sind außer den Rindern noch Hühner, Puten, Emus und eine kleine Schweineschar in drei Farben: hell, braun und schwarz.

Zwei Schweine einer ungarischen Rasse hatte die Familie einst in einem Zoo in Straubing geholt. Eines Tages kam ein Schönbucher Wildschwein vorbei und sorgte am helllichten Tag für eine neue Kreuzung und damit für kleine bunte Schweinchen.

Die Tiere, das Obst, der Besen – für einen Familienbetrieb schon Herausforderung genug. Dabei ist das Herz von Roseck eigentlich das Pflegeheim für Alzheimer-Kranke und Wachkomapatienten. Als Susanne Eggenweiler und ihr Mann das Schloss vor 9 Jahren übernommen haben, wollten sie es unbedingt sozial nutzen, das steht in der Tradition des Hauses, das zuvor eine Krebsnachsorgeklinik für Frauen war, die von Franziskanerinnen aus Heiligenbronn betreut wurden. 26 Demenz-Plätze hat das Heim, die Nachfrage ist groß.

Wenn im kommenden Frühjahr der älteste Gebäudeteil aus dem 16. Jahrhundert saniert und ausgebaut wird, kommen weitere dazu. Außer den Heimbewohnern und Besengästen sind dann auch noch die Handwerker im Schlosshof, was Susanne Eggenweiler aber ganz gelassen sieht. Wenn viel los ist, stört sie das keineswegs. Sie möchte im nächsten Jahr sogar ein Tagescafé eröffnen, das dann ganzjährig geöffnet hat. Für die Angehörigen der Patienten und für alle, die gerne auf Roseck vorbeischauen.

Andrea Schuster

Letzte Änderung am: 20.11.2006, 15.32 Uhr

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