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Dreißig Kilometer durch kaum berührte Natur, vorbei an Orten voller Geschichte und Geschichten – mal leise plätschernd, mal heftig strudelnd: das ist die Starzel, der kleine Fluss, der vom Zollernalbkreis, oberhalb der Gemeinde Starzeln in den Kreis Tübingen fließt und dort in den Neckar mündet.
Am Anfang sind es nur zwei kleine Rinnsale im Wald, doch schnell wird ein zauberhaftes Flüsslein daraus. Bertram Schwarz hat seine Reise in Killer im Killertal begonnen. Aber keine Sorge. Er hat sich nicht verfahren. Denn so heißt das Tal, durch das der Oberlauf der Starzel fließt, von Hausen im Killertal bis Jungingen. Seinen Namen hat das Flusstal von dem Ort Killer, der mittendrin liegt. 600 Einwohner, christlich seit dem siebten Jahrhundert, mit einem berühmten Ritter aus dem 14. Jahrhundert, dessen Name seitdem noch jeden zum Schmunzeln gebracht hat: Affenschmalz hat der edle Herr geheißen.
Ein Stück weiter starzelabwärts, zwischen Rangendingen und Ringingen kann man die Ruine Ringelstein besuchen, die Reste der einstigen Affenschmalzburg.

Überhaupt besichtigen: in Killer gibt es etwas, das gibt es nur einmal in Deutschland:
Das deutsche Peitschenmuseum, geöffnet jeden ersten Sonntag im Monat, erinnert an die jahrhundertealte Tradition des Peitschenmachens in Killer. Bis nach Wien, zu den Fiakerfahrern, verkauften die Händler aus Killer ihre Peitschen.
Doch auch andere Traditionen werden hochgehalten im Killertal – oder wiederbelebt: seit neuestem führt durchs Tal, entlang der Starzel, auch ein Wanderweg, der als Zugang zum Jakobsweg ausgewiesen ist, gepflegt von der örtlichen Jakobsbruderschaft.

In Richtung Hechingen öffnet sich das Killertal dann zu einer breiten Ebene, bewacht von der Burg Hohenzollern und durchkreuzt von vielen Fahrradausflüglern. Die fahren hier wegen der gepflegten Radwege und der nicht weniger gepflegten Ziele. Denn 40.000 Besucher im Jahr können nicht irren: der römische Gutshof mit römisch-lebensecht eingerichteten Zimmern, Tempelanlage und Hunderten Fundstücken aus der Zeit Caesars ist immer einen Besuch wert.
Von Stein geht’s weiter nach Hirrlingen und dort beginne ich meine Wasserwanderung. Bis zum Knöchel geht das Wasser am Ufer, in der Mitte der Starzel geht es bis zum Knie, es ist herrlich kühl und so klar, dass man jedes Kieselsteinchen auf dem Grund deutlich sieht. Ein paar Meter breit ist die Starzel hier, wo sie sich durch einen Laubwald schlängelt, der zaubert gemeinsam mit einem leichten Wind Licht-und Schattenspiele auf das Wasser, es ist ein bisschen verträumt und still. Niemand da außer mir, dem Wasserwanderer. Doch. Hinter einer Kurve lagern drei Bikininixen. Die es hier viel schöner finden als überall anderswo.
Auf ihrem weiteren Weg in Richtung Neckar tritt die Starzel dann aus dem Laubwald heraus und mäandert durch gemähte Wiesen. Ein Stückchen wandere ich noch im Wasser, unterhalb von Bietenhausen steig ich dann raus und laufe zum Füße trocknen über eine etwas stupfelige Wiese. Ein paar Kilometer geht’s noch weiter, zum Schluss durch ein eng geschnittenes Tal und dann mündet die Starzel in den Neckar. Dort, in Bieringen, dem Dorf mit den sieben Brücken, finde ich zum krönenden Abschluss auch noch schöne Einkehrmöglichkeit.
Letzte Änderung am: 22.06.2006, 17.37 Uhr