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Streifzug Kuren in Bad Imnau

Sprudel und Kuren – darum geht es bei diesem Streifzug. Er führt uns nach Bad Imnau, das ist ein Ortsteil von Haigerloch im Zollernalbkreis, wo es viel Quellwasser gibt und schon 1733 ein Kurhaus erbaut wurde. Der Fürst von Sigmaringen war es, der sich damals nach Bad Imnau zur Kur begab, samt Hofstaat und einigem Gefolge. Später war das Stahlbad ein Sanatorium, von Klosterschwestern betrieben, und heute sind am Kurpark ein Hotel, ein Therapiezentrum und die einzige homöopathische Klinik Deutschlands untergebracht.

Zur Kur nach Bad Imnau – das hatte Tradition, von Stuttgart bis zum Bodensee. Von dort, aus dem Kloster Hegne, kamen einst auch die Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz und haben in dem 1733 erbauten Kurbad ein Sanatorium betrieben. Doch heute sind nur noch sechs Nonnen in Imnau, das Anwesen samt Kurpark ist seit vier Jahren an eine Kölner Hotelkette verpachtet. Und im ehemaligen Kurhaus, das unter Denkmalschutz steht, residieren jetzt Hotelgäste. Geleitet wird es von Eric Scheffer, der versucht, von dem etwas altertümlichen „Sanatoriums“-Image ein wenig wegzukommen und gleichzeitig das besondere Flair zu erhalten.

Der moderne Gast will keine Kur, sondern Wellness. Die bekommt er nebenan im Therapiezentrum, wo das Ehepaar Engstler, das schon bei den Klosterschwestern gearbeitet hatte, Hot-Stone-Massagen und Infrarotbäder anbietet. Doch das Kuren soll nicht vergessen werden. Es gibt ein großes warmes Bewegungsbad mit Imnauwasser und darin auch die Casperquelle, die im 17.Jahrhundert entdeckt wurde. Sie ist stark eisenhaltig, daher auch der Name „Stahlbad“ Imnau. Das Wasser schmeckt wie Sprudel aus der Flasche und gesund ist es obendrein. Man kann es äußerlich und innerlich anwenden, es wirkt blutdrucksenkend und verdauungsfördernd.

Die Hahnemann-Klinik

Auch die Patienten der Hahnemann-Klinik nebenan trinken das Quellwasser. Dabei ist die Quelle nicht der Grund dafür, dass die einzige homöopathische Klinik in Deutschland in Bad Imnau ist. Die Bedingungen sind gut, die Miete ist niedrig. Einer der Ärzte ist der Allgemeinmediziner Bruno Mey aus Gomaringen. Er will die krebs- und chronisch Kranken auch psychologisch betreuen und aufbauen. Und die Patienten aus ganz Deutschland wissen dann schnell die Vorteile dieses Standorts zu schätzen. Es ist die Ruhe und Abgeschiedenheit, die den Kranken gut tut.

Der Kursaal ist beliebt für Hochzeiten

Nur manchmal kommt doch ein wenig Leben in die Beschaulichkeit. Immer Samstags von Mai bis Oktober, wenn in Imnau geheiratet wird. Der Kursaal ist nämlich der denkbar schönste Ort für diesen Anlass. Eine Stahl-Glas-Konstruktion aus dem späten 19. Jahrhundert, mit Sandsteinrosetten und einer hellen verzierten Holzdecke. Erst vor wenigen Jahren wurde der Kursaal denkmalgerecht renoviert und kann heute gemietet werden. Feiern und flanieren im Kurpark - ein Ort, an den viele Besucher immer wieder zurückkehren, weiß der Klinikarzt. Manche seiner Patienten, erzählt er, kommen immer wieder hierher, um zu spazieren. Sie spüren, dass man an diesem Ort besonders viel Kraft tanken kann.

Unterwegs im Laibetal

Die Fahrt nach Bad Imnau führt durchs Eyachtal. Das kleine Flüsschen mündet unweit des Kurparks in die Eyach, den Weg zu seinem Ursprung ist sie mit Rudi Hess vom Albverein gegangen.

Wir treffen uns auf dem Apolloparkplatz beim Kurpark, dort, wo die Laibe in die Eyach mündet. Und gleich zeigt sich, dass Theorie und Praxis nicht dasselbe sind. In der Wanderkarte heißt es Läuberttäle, doch da lacht Rudi Hess, hier sagt man „Laibetal“. Wie auch immer, einladend ist es auf jeden Fall; mit einer sonnigen Lichtung beginnt es, doch schon bald wird es enger und ein wenig feucht. Alles grünt, vieles blüht. Die Pestwurz zum Beispiel, direkt am Wasser, das munter plätschert. Rudi Hess hat früher bei den Apollo Sprudelwerken gearbeitet und erinnert sich gern an sommerliche Mittagspausen. Manchmal sind sie einfach rein gesprungen in den einzigen Tümpel der Laibe oder haben die Füße im Wasser baumeln lassen. Das machen heute noch viele Wanderer. Naturkneippen also, obwohl weiter oben im Tal eine richtige, mit Laibewasser gespeiste Tretanlage steht. Zum ersten Mai wird sie mit Wasser gefüllt, dann geht sozusagen auch der Grillplatz wieder in Betrieb. Er ist wegen seiner rustikalen Schutzhütte auch bei unbeständigem Wetter beliebt, auch bei jungen Leuten.

Kein Autolärm ist zu hören, nur vielstimmiges Vogelgezwitscher. Kein Wunder also, dass im Laibetal Kräuter gesammelt werden. Brennessel, Löwenzahn, Spitzwegerich, und sogar der Schrecken aller Gärtner, der Giersch, erzählt Rudi Hess. Ein Veganer habe ihn einmal darauf aufmerksam gemacht, dass der Giersch ein hochwertiges Nahrungsmittel sei. Aber für Rudi Hess bleibt er ein Unkraut.
Der leidenschaftliche Wanderer und Pflanzenkenner bevorzugt andere Gewächse: Haselwurz zum Beispiel, mit dem man so schön dekorieren kann. Oder den Waldmeister, der auch schon hellgrün am Waldboden auftaucht. Bis er blüht kann man ihn pflücken und zum Beispiel eine Waldmeisterbowle daraus machen.

Quelle der Laibe

Nach etwa drei Kilometern auf gutem Weg ist es eng geworden im Laibetal, der Wald ist an das Flussbett gerückt, das auf einmal leer ist. Die Laibe entspringt an einer unscheinbaren Stelle, ein Bett hat sie zwar auch weiter talaufwärts, aber das füllt sich nur nach der Schneeschmelze. Man kann aber schön weiter gehen bis nach Henstetten und von dort durch den Wald wieder zurück nach Imnau auf den Apolloparkplatz – wo Rudi Hess eine besondere Erfrischung in Aussicht stellt: Quellwasser, das man bei den Apolloquellen probieren kann. Allerdings, findet er, schmecke es ziemlich eisenhaltig, und fügt lachend hinzu: wie von einem rostigen Blech.
Na dann: prost! Auf's Stahlbad Imnau.

Andrea Schuster

Quelle: SWR4 Baden-Württemberg

Letzte Änderung am: 23.04.2009, 15.52 Uhr