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Grabungsfazit 2011 Reiche Ausstattung im Prunkgrab

Seit neun Monaten legen Restauratoren und Archäologen ein 2600 Jahre altes keltisches Prunkgrab in einem Labor bei Ludwigsburg frei. Spezialisten des Landesamts für Denkmalpflege hatten die 4,5 mal fünf Meter große Grabkammer unterhalb der Heuneburg bei Herbertingen im Donautal vor einem Jahr geborgen. Inzwischen ist klar, es handelt sich um eine Doppelbestattung zweier Frauen. Bei der Fürstin wurden reiche Grabbeigaben gefunden, Schmuckstücke aus Gold, Bernstein und Bronze.

Bronzeblech

In der Nordostecke sind die Restauratoren mit der Freilegung eines Bronzerings (rechts) beschäftigt.

Zentimeter um Zentimeter haben sich die Restauratoren nach unten gegraben und an etlichen Stellen den mit Brettern ausgelegten Kammerboden erreicht. Derzeit arbeitet das Team um Nicole Ebinger-Rist an der Nordostecke. Auf der zwei Quadratmeter großen Grabungsfläche sind eine Menge kleiner Zettel mit roten und gelben Reißnägeln verteilt. Sie markieren die zahlreichen Funde: „Die Bernsteine sind keine Perlen, sondern Anhänger wegen der Ösen, die zu einem Gehänge gehören.“ Es könnte sich um ein Pferdegeschirr handeln, vermutet die Expertin. Darauf deuten auch vier mit Blech eingefasste Eberhauer hin.

Matten aus Pflanzenfasern entdeckt


Der Transport ins Labor hat sich auf jedenfall gelohnt, meint sie. Sonst hätte ihr Team die organischen Materialien nie entdeckt, die sich als kleine Hügel auf der Grabungsfläche abzeichnen. Es sind Reste von Matten aus Pflanzenfasern: „Man sieht, wie sie geknüpft wurden, weil sich die Struktur erhalten hat“, freut sich Ebinger-Rist.
Ob die Grabbeigaben damit nur abgedeckt oder wie beim Keltenfürsten von Hochdorf eingewickelt wurden, wissen die Spezialisten noch nicht. In den nächsten Wochen wollen sie sich weiter vorantasten.


Die Arbeiten in der gegenüberliegenden Südwestecke, wo die Fürstin liegt, hat das Team erst mal gestoppt. Denn auf dem gesamten Unterkörper der Keltin liegt ein Brett, das sich beim Einsturz der Grabkammer von der Decke gelöst hatte. Klar ist aber jetzt schon, dass darunter weitere Schmuckstücke der Frauentracht liegen.


Reiche Ausstattung im Prunkgrab

Die bisherigen Funde belegen die herausragende Handwerkskunst der damaligen Zeit und den Reichtum der Keltenfürsten an der Donau, sagt Grabungsleiter Prof. Dirk Krausse. Der Archäologe ist mit dem bisherigen Verlauf der Arbeiten mehr als zufrieden.

Schmuckstücke

Schmuckstücke aus dem keltischen Fürstinnengrab

Die Ähnlichkeit der Schmuckstücke aus dem Fürstinnengrab und einer bereits 2005 entdeckten Grabstätte eine Kindes lassen Rückschlüsse auf eine Dynastie, eine Adelsfamilie zu, die vor 2600 Jahren über die Gegend herrschte. Und dass Frauen damals so hoch geschätzt wurden, war bisher nicht bekannt. Die Sozialgeschichte der Kelten muss überarbeitet werden, ist sich der Professor sicher. „Es ist überhaupt das älteste so reiche Frauengrab und es ist wahrscheinlich älter als der Keltenfürst von Hochdorf“, zieht Krausse ein vorläufiges Fazit. Erste Analysen des Holzes ergaben, dass die Grabkammer um 590 vor Christus angelegt wurde.

Kopfzerbrechen bereiten den Archäologen noch die gefundenen Knochen einer Bestattung neben Fürstin. Es dürfte sich ebenfalls um eine Frau handeln, die aber wesentlich kleiner war, jedoch kein Kind. Prof. Krausse ist sicher, dass die Experten auch dieses Rätsel knacken. Bis zum Sommer soll alles freigelegt sein. Damit rechtzeitig zur großen Landesausstellung über die Kelten die spektakulären Funde und spannenden Ergebnisse präsentiert werden können.


Von Bronzeblech, Eberzähnen und Glaskugeln

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Bernhard Kirschner

Letzte Änderung am: 16.12.2011, 11.55 Uhr