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Der Juchtenkäfer Fast ein Leben lang eine Larve

Er gehört zu den wohl berühmtesten Stuttgartern, selbst wenn viele das wenige Zentimeter große Wesen noch nie selbst gesehen haben. Der Name - Juchtenkäfer - ist natürlich bekannt, zumindest seit der geschützte Käfer zum Symbol des Widerstands gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 geworden ist.

Juchtenkäfer

Nach der Paarung sterben die Männchen

Er ist ein Käfer, doch fast sein ganzes Leben ist Osmoderma eremita eine Larve. Und als solche frisst, wächst und häutet er sich vier Jahre lang. Als Käfer selbst lebt er aber nur noch wenige Wochen: Die Männchen werben um die Weibchen und sterben nach der Paarung, die Weibchen leben noch bis zur Eiablagerung.

Ein Geruch nach Marzipan und Aprikose

Doch in der kurzen Zeit des Werbens beglückt der Juchtenkäfer auch uns Menschen - offenbar vor allem die Frauen - denn er verströmt einen Geruch, der an Juchtenleder erinnert, an Marzipan und an getrocknete Aprikosen.

Zuhause in alten morschen Höhlen

Juchtenkäfer leben in Mulmhöhlen. Mulm besteht aus zerfallenem, zersetztem Holz, vermischt mit dem Kot von Totholzinsekten. Und damit Juchtenkäfer in solche Mulmhöhlen alter Bäume einziehen, müssen die Bäume richtig alt sein. Mindestens 120 Jahre, heißt es beim Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland. Da die Larven faule Stellen im Bauminneren fressen und dadurch die Ausbreitung von schädlichen Pilzen verhindern, gehören sie zu den Nützlingen.

Schutzzaun für den stark gefährdeten Käfer

Juchtenkäfer sind vom Aussterben bedroht und stehen europaweit unter strengem Schutz. Auf der deutschen Roten Liste werden sie als "stark gefährdet" aufgeführt.

Jetzt soll er geschützt werden: Am Rand des Baufeldes für den Stuttgart 21-Tiefbahnhofstrog bleiben 20 Bäume stehen und werden mit einem 1,80 Meter hohen Zaun umfriedet. Die Bäume werden zusätzlich bewässert. Überdies ist noch ein Krabbelschutzzaun geplant.

Brockhaus - Die Enzyklopädie
Juchtenkäfer, Eremit, Osmoderma eremita: in Mittel- und Südeuropa vorkommender, nach Juchten riechender, schwarzbrauner, rd. 3 cm langer Blatthornkäfer; die Larve lebt im Mulm alter Laubbäume.

"Sie sterben aus"

Berthold Frieß vom BUND findet diese Maßnahme kurzfristig sinnvoll. Aber langfristig werde sie das Überleben der Juchtenkäfer nicht retten. Der Genpool ist nicht groß genug, und deshalb werden sie über kurz oder lang aussterben. Die Käfer seien im Gegensatz zu Mai- oder Marienkäfer äußert immobil, 100 Meter sei ihr maximaler Flugradius. Deshalb sei es für sie in dem isolierten Areal unmöglich, sich mit anderen Populationen zu paaren.


Juchtenkäfer vor weißem Hintergrund

Juchtenkäfer

Letzte Änderung am: 06.02.2012, 09.00 Uhr

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Das volle Leben

Ein kleines Insekt bremst den Bau eines Bahnhofs: der Juchtenkäfer. Höchste Zeit, das Tier mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Melanie Völker war im Stuttgarter Rosensteinpark unterwegs und hat den Landes-Juchtenkäferbeauftragten getroffen.

2:17 min

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