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Stadtporträt Mannheim Multikulturelle Stadt zum Quadrat

In den alteingesessenen Konditoreien Mannheims erhält man eine leckere lebkuchenähnliche Spezialität: den "Mannemer Dreck". Das sagt jedoch nichts über das Erscheinungsbild der Stadt aus, im Gegenteil. Wer sich von dem etwas rauen Charme nicht abschrecken lässt, der wird reichlich belohnt. Über hundert Nation prägen das Gesicht der "Stadt zum Quadrat", hier gibt es die erste Popakademie des Landes und eine große lebhafte Kulturlandschaft.

Grafik mit  Baum und Hügel, im Hintergrund die Silhouette einer Stadt

Das Dorf "Mannenheim" wurde bereits 766 urkundlich erwähnt. Die Stadt Mannheim selbst wurde unter Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz neu angelegt. Sie erhielt ein gitterartiges Straßennetz: die Quadrate. 1607 bekam Mannheim die ersten Stadtprivilegien verliehen. Die Stadt war mit der gleichzeitig erbauten Festung Friedrichburg verbunden, die 1799 abgetragen wurde.

Die Aufteilung der Stadt in Quadrate blieb allerdings erhalten: So gibt es bis heute im Innenstadtbereich keine verwinkelten Straßenzüge, sondern Häuserblocks, die wie auf einem Schachbrett angeordnet sind. Für Nicht-Mannheimer stellen die Quadrate ein Kuriosum dar, denn wer kann schon auf Anhieb etwas mit Adressen wie C7, 12 anfangen?

Kultur satt

Auch kulturell hat die Stadt Einiges zu bieten. Allein ein Blick in die Vergangenheit genügt: 1782 wurde im Nationaltheater Friedrich Schillers "Die Räuber" uraufgeführt. Friedrich Schiller war von 1783 bis 1785 als Theaterdichter tätig. Die Stadt kann heute zudem mit Deutschlands zweitältestem Filmfestival aufwarten.

Die Museenlandschaft ist äußerst vielfältig. Beispielsweise präsentiert Mannheim mit den Reiss-Engelhorn-Museen einen bedeutendem Museumskomplex zu Archäologie, Weltkulturen und Fotografie. Auch das Landesmuseum für Technik und Arbeit findet man in der Stadt.

Musikalisch ist Mannheim ebenfalls nicht ohne: Mit der Eröffnung der Popakademie 2003 hat Mannheim die erste Hochschule zu bieten, an der die Studiengänge Popmusikdesign und Musikbusiness studiert werden können. Sieht man sich die städtische Musiklandschaft an, ist das vielleicht nicht weiter verwunderlich: So gehören zu den musikalischen Söhnen und Töchtern der Stadt beispielsweise Xavier Naidoo, Laith al-Deen und Joy Fleming.

Gebäude aller Zeiten

Auch wenn Mannheim im Zweiten Weltkrieg stark zerstört wurde, so kann man an so manchen Ecken noch Altes antreffen: Vom Barockgebäude über imposante Jugendstilbauten der Jahrhundertwende bis hin zur Postmoderne ist alles zu finden. Im Stadtteil Neckarstadt Ost lassen sich noch ganze Straßenzüge des 19. Jahrhunderts bewundern. In der Neckarstadt befindet sich beispielsweise auch das Capitol, ein Lichtspielhaus der 1920er Jahre, das in seinen Glanzzeiten selbst die Häuser Berlins oder Münchens übertraf. Es überstand den Krieg unbeschadet und dient heute als Konzert- und Theaterhaus.

Große Teile der Innenstadt und angrenzende Stadtteile sind multikulturell geprägt. Vor allem der Jungbusch, der lange Zeit nicht gerade den besten Ruf genoss, entwickelt sich seit der Eröffnung der Popakademie zu einem lebendigen Stadtteil mit Kneipen, Galerien, viel Musik und fast avantgardistischem Flair. Die Kneipen- und Restaurantlandschaft Mannheims ist übrigens ziemlich abwechslungsreich: Neben alteingesessenen Lokalitäten, in denen man deftige Hausmannskost serviert bekommt, findet man Sushi- oder Tapas-Bars und natürlich Studentenkneipen. Und auch in Mannheim fehlen sie natürlich nicht: die Strandbars, die einen Hauch von Hawai an den Ufern von Neckar und Rhein verbreiten.

Wer möchte, kann sich in Mannheim natürlich auch mit Haut und Haar der Industrieromantik hingeben: Es gibt wohl wenige Städte, in der man gemütlich in der Strandliege lümmelnd den Sonnenuntergang über leuchtenden Industrieanlagen bewundern kann.

Das Mannheimer Schloss

Am auffälligsten ist neben dem Wasserturm, dem Wahrzeichen Mannheims, sicherlich das Schloss. Es wurde von den Kurfürsten Karl Philipp und Karl Theodor zwischen 1720 und 1760 im Barockstil errichtet. Die Dimensionen des Schlosses sind nicht ohne: Mit einer Länge von beinahe 450 Metern gehört die Anlage zu den größten Europas. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss fast vollständig zerstört. Nach langem Überlegen entschloss man sich dazu, es nicht endgültig abzureißen, sondern wieder aufzubauen. Heute ist die Universität in den Räumlichkeiten untergebracht. Zum 400jährigen Stadtjubiläum 2007 wurde das Schloss aufwendig instand gesetzt und ein Schlossmuseum eröffnet.

Stadt der Erfinder und der Arbeiter

Mannheim hatte schon immer einen Sinn für Fortschritt und Mobilität. Karl Drais unternahm 1817 mit seiner fahrradähnlichen Laufmaschine, der Draisine, eine erste Fahrt. Auch die Geburtsstunde des Automobils war in Mannheim: 1886 ließ Carl Benz sein "Fahrzeug mit Gasmotorenantrieb" patentieren. Seine Frau Bertha Benz fuhr zwei Jahre später mit dem "Patent-Motorwagen" von Mannheim nach Pforzheim - die erste Überlandreise mit einem Automobil.

Die von Friedrich Engelhorn 1865 gegründete BASF durfte zwar nicht in Mannheim errichtet werden, sondern musste nach Ludwigshafen aussiedeln - jedoch blieb der Firmensitz bis 1925 in Mannheim. Zudem kann Mannheim - begünstigt durch seine Lage an Rhein und Neckar - mit einem der wichtigsten Binnenhäfen Europas aufwarten.

Autorin: Simone Schäfer

Quelle: SWR.de - Regionen

Letzte Änderung am: 10.08.2007, 15.34 Uhr

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