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Spekulieren ist tabu, Zinsen gibt es nicht: In Mannheim hat mit der "Kuveyt Türk Beteiligungsbank" die bundesweit erste Bank extra für Muslime eröffnet. Denn wer dem Koran folgt, muss bei der Geldanlage bestimmte Regeln beachten.
Im Islam ist es nach der gängigen Auslegung des Koran verboten, Zinsen einzunehmen oder zu bezahlen. Festgeld oder Kredite sind also nicht erlaubt. Kommt man um Zinsen nicht herum, zum Beispiel bei einem Girokonto, müssen sie einer karitativen Organisation gespendet werden. Auch Versicherungen sind verboten - denn sie arbeiten ebenfalls mit Zinsen. Dahinter steckt die Überzeugung, dass Geld nicht aus sich selbst heraus einen Ertrag abwerfen kann - es muss in ein reales Produkt oder Unternehmen investiert werden.
Deshalb sind Aktien, also Unternehmensbeteiligungen, islam-konform. Allerdings sind bestimmte Branchen ausgenommen: Die Unternehmen dürfen nicht mit "verbotenen" Produkten wie Alkohol, Waffen, Tabak oder Schweinefleisch handeln. Bei einer konventionellen Bank gibt es kaum eine Chance, diese strengen Vorgaben bei der Geldanlage zu erfüllen.
Die Lösung sind islamische Banken, über deren Finanzprodukte islamische Gelehrte wachen. Sie prüfen jeden Aktienfonds und jedes Ratenkaufmodell im Hinblick darauf, ob sie im Sinne des Islam ethisch vertretbar sind. Erst wenn sie den Daumen heben, darf die Bank das Produkt auf den Markt bringen. Mit der "Kuveyt Türk Beteiligungsbank" in Mannheim eröffnet die deutschlandweit erste Filiale einer Bank, die sich den Regeln des Islam verpflichtet fühlt.
So funktioniert ein Hauskauf ohne Kredit und Zinsen: Will ein Kunde eine Immobilie kaufen, schließt er mit der Bank einen Vertrag: Sie kauft das Haus und verkauft es zu einem höheren Preis an den Kunden weiter. Der Kunde bezahlt diesen höheren Preis in festgelegten Raten.
Bei den potenziellen Kunden aber ist das Interesse verhalten. Zwischen 27.000 und 30.000 Muslime leben in Mannheim, ein Großteil ist türkischer Herkunft. "Es ist kein großes Thema", sagt Talat Kamran, der hier ein Institut für interreligiösen Dialog leitet. "Die türkischen Muslime legen ihr Geld bei den ganz normalen Banken an." Ähnlich schätzt auch Bekir Alboga von der Türkisch Islamischen Gemeinde die Lage ein: "Eher wenige denken da prinzipientreu". Außerdem kennen viele Muslime gerade einmal das Zinsverbot, sagt Zaid el-Mogaddedi, der in Frankfurt Unternehmen berät, die in das Islamic Banking einsteigen wollen. "Hier gibt es Nachholbedarf. Das Wissen müssen wir erst vermitteln."
Es sind also keine einfachen Startbedingungen für eine islamische Bank mit Hauptsitz in Kuwait und Istanbul und zudem einem in Deutschland unbekannten Namen. Aber dass es für Islamic Banking einen Markt gibt, glaubt auch Mohamed Benali, der das Thema in seiner Diplomarbeit an der FH Koblenz-Remagen untersucht: "Wenn gläubige Muslime vor die Wahl gestellt werden, dann bevorzugen sie häufig scharia-konforme Produkte. Es zeichnet sich ein Trend in diese Richtung ab, zumal die Religiosität der Muslime stetig steigt."
Und vielleicht lässt sich die Zielgruppe ausweiten - auf Nicht-Muslime, die ihr Geld unter ethischen Gesichtspunkten anlegen wollen. "Die Produkte des Islamic Banking sind vergleichbar mit Nachhaltigkeitsfonds", sagt Unternehmensberater el-Mogaddedi. Denn wenn Finanzprodukte die oben genannten Grundlagen erfüllen, gibt es zwei weitere Kriterien: Zum einen darf das Unternehmen nicht zu hoch verschuldet sein, zum anderen verurteilt der Koran unsoziales Verhalten, also zum Beispiel unmenschliche Arbeitsbedingungen.
Weil sie vergleichsweise wenig Verluste eingefahren haben, feierten einige Finanzexperten die islamischen Banken auch schon als Gewinner der Finanzkrise. Taugen sie als Vorbild für die westlichen Banken? Zu den Grundlagen des Islamic Banking gehört, dass sich die Bank am Risiko beteiligt, also direkt beteiligt ist am Gewinn, aber auch am Verlust. Die massenhafte Vergabe von Hypothekendarlehen an Menschen, die sich eigentlich kein Haus leisten konnten, sagt Experte el-Mogaddedi, hätte es bei islamischen Banken nicht gegeben. Außerdem ist es ihnen verboten, in hochspekulative Geschäfte wie zum Beispiel Hedgefonds zu investieren. "Aber", lenkt el-Mogaddedi ein, "am Ende arbeiten dort Menschen, die Entscheidungen treffen." Und die können genauso richtig oder falsch sein wie bei einer herkömmlichen Bank.
Autorin: Sandra Kaupmann
Quelle: SWR.de - Regionen
Letzte Änderung am: 03.09.2010, 10.04 Uhr