Friedrichshafen

Max Grünbeck - Ehrenbürger und Ex-Oberbürgermeister mit brauner Vergangenheit?

Der Ehrenbürger und erster Oberbürgermeister der Stadt Friedrichshafen nach dem Zweiten Weltkrieg, Max Grünbeck, ist erneut in die Diskussion geraten. Denn Grünbecks Vergangenheit im Dritten Reich wirft Fragen auf.

Stadtansicht Friedrichshafen nach 1945 mit zerstörten Häusern

Friedrichshafen nach 1945

Max Grünbeck war Oberbürgermeister von Friedrichshafen zwischen 1949 und 1977. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Industriestandort am Bodensee völlig zerstört. Grünbeck machte sich um den Wiederaufbau der Stadt verdient. Dafür wurde er zum Ehrenbürger ernannt. Doch über seine Vergangenheit schwieg er bis zu seinem Tod 1984.

In Kriegsjahren Karriere in Berlin

Grünbeck hatte Karriere im Auswärtigen Amt in Berlin gemacht, doch was er dort genau tat, ist unklar. Seine Karriere setzte er nach dem Krieg fort – auch mit Hilfe des späteren Kanzlers Kurt Georg Kiesinger, der ebenfalls zur Nazi-Zeit im Auswärtigen Amt war. Heute weiß man, dass Friedrichshafens Nachkriegs-OB Grünbeck Parteimitglied der NSDAP und Mitglied der SS war.

Buch mit Zeigefinger

Grünbecks Vergangenheit in dem Buch "52 Stadtgeschichten"

Anläufe, Max Grünbeck die Ehrenbürgerschaft abzuerkennen, verliefen bisher im Sande. Jetzt hat die Fraktion von Bündnis90/Die Grünen im Gemeinderat beantragt, Grünbecks Vergangenheit zu erforschen. Doch der Gemeinderat entschied, ein Ausschuss soll zunächst klären, ob überhaupt Handlungsbedarf besteht, und allgemein gültige Kriterien aufstellen, wie die Stadt mit ehemaligen Mitläufern umgeht. Von Seiten der Stadt Friedrichshafen heißt es in einer Stellungnahme, allein die Tatsache, dass jemand Partei- oder SS-Mitglied war, heiße noch nicht, dass er eine Vergangenheit hat, die dazu berechtigt, die Ehrenbürgerwürde abzuerkennen.

Straßenschild

Das Stadtarchiv im Max-Grünbeck-Haus

Grünbeck ist nicht der einzige fragwürdige Ehrenbürger

Sollte dem ersten Oberbürgermeister der Stadt die Ehrenbürgerwürde aberkannt werden, muss vielleicht auch das Stadtarchiv umbenannt werden. Das Haus ist ausgerechnet nach Max Grünbeck benannt. Doch nicht nur Grünbecks ungeklärte Rolle in der Nazi-Zeit steht zur Debatte. Die Stadt hat noch mehr Altlasten: Reichpräsident Hindenburg, der Hitler zum Reichkanzler ernannte, ist ebenfalls Ehrenbürger von Friedrichshafen. Bis heute.

Wer war Max Grünbeck?
* 1907 in Stuttgart-Cannstadt - 1984 in Friedrichshafen
* Er studierte Volkswirtschaft und Zeitungswirtschaft und promovierte.
* 1933 trat Grünbeck in die SS ein, 1937 in die NSDAP.
* Ab 1939 war er im Auswärtigen Amt tätig, zuletzt als Legationsrat bis 1945.
* 1949 wurde er Bürgermeister von Friedrichshafen, 1977 trat er zurück. Anschließend wurde er Ehrenbürger.
* Grünbeck war auch langjähriger Aufsichtsratsvorsitzender der Zahnradfabrik Friedrichshafen.

Quelle: Markus Pfalzgraf, SWR Friedrichshafen

Stand: 06.02.2013, 16.21 Uhr

Max Grünbeck - Ehrenbürger mit Vergangenheit

SWR Landesschau aktuell 13.02.2013