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Steigende Tarife nicht einfach hinnehmen Private Krankenversicherung wird teurer

Ist das teuer! Ab kommendem Jahr müssen viele Kunden der privaten Krankenversicherung (PKV) deutlich tiefer in die Tasche greifen. In Einzelfällen sollen sie bis zu 40 Prozent mehr zahlen. Das hat nun auch die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz auf den Plan gerufen. Sie schlägt Alarm, weil die drastischen Beitragserhöhungen so manchen Rentner „zum Sozialhilfeempfänger machen“ könnten. Warum aber wird die private Krankenversicherung so teuer?

Eine Patientin wird in der Zahnarztpraxis behandelt

Füllung, Krone, Prothese - ein gutes Gebiß kann richtig teuer werden

Der Hauptgrund für die stark steigenden Beiträge sind die so genannten "geschlossenen" Tarife. Das heißt, die privaten Krankenversicherer haben viele ältere Versicherte in eine Tarifgruppe gepackt. Je älter diese Menschen werden, desto höher sind auch die Arzt- und Behandlungskosten die für sie anfallen. So dass dann auch die Altersrückstellungen nicht mehr ausreichen. Das kann dann – wie etwa bei einem 57jährigen Mann aus Mainz – dazu führen, dass man rund 140 Euro im Monat mehr zahlen muss. Bei einem Ehepaar aus Wörth ist der Tarif für die Frau um knapp 40 Prozent angehoben worden. Die zahlen nun zusammen mehr als 1.000 Euro im Monat für ihre private Krankenversicherung, obwohl sie sogar noch eine Selbstbeteiligung von 1.200 Euro im Jahr haben!

Widersprechen macht Sinn

Sie sollten die Beitragserhöhung aber nicht widerspruchslos hinnehmen! Im Prinzip gibt es zwei Dinge, die man tun kann: Zum einen kann man innerhalb der privaten Krankenversicherung aus einem geschlossenen Tarif in einen anderen, aktuell angebotenen Tarif wechseln. Das geht ohne Probleme, denn es ist gesetzlich so festgeschrieben. Oder ich kann mir das Leistungsspektrum meiner jetzigen Versicherung anschauen und überlegen, ob ich davon nicht etwas streichen oder ändern kann. Zum Beispiel eine höhere Selbstbeteiligung vereinbaren, oder auf die Unterbringung im Einzelzimmer oder die Chefarzt-Behandlung verzichten. Wenn ich die später allerdings doch wieder haben möchte, also wieder bessere und mehr Leistungen haben will, müsste ich auch wieder eine neue Gesundheitsprüfung ablegen. Darauf sollte gerade ältere privat Krankenversicherte achten!


Der Basistarif ist nicht unbedingt die beste Option

Vollversicherte in der privaten Krankenversicherung können seit 2 Jahren jederzeit in einen Basistarif wechseln. Aber das sollte wirklich nur die letzte Wahl sein! Denn zum einen ist dieser Tarif gar nicht so günstig. Er orientiert sich immer am Höchstsatz für die gesetzliche Krankenversicherung, kostet momentan also rund 575 Euro im Monat. Und zum anderen ist das Leistungsspektrum dann auch wesentlich kleiner. Deshalb kann es sein, dass man dann bei meinem Arzt zuzahlen muss, weil der auf Privat-Basis abrechnet, die Kasse erstattet ihm dann aber nur den gesetzlichen Tarif.


Schwieriger Wechsel zur gesetzlichen Krankenversicherung

Wer einmal der gesetzlichen Krankenversicherung den Rücken gekehrt hat, hat zunächst einmal keinen Anspruch darauf, dass sie ihn auch wieder aufnimmt. Außerdem muss das Einkommen mindestens ein Jahr lang unter die Beitragsbemessungsgrenze von 49.500 Euro (ab 2012 50.850 Euro) Jahres-Brutto sinken. Ab 55 Jahre oder älter gibt es kein Zurück mehr. Da heißt es dann: "Einmal privat, immer privat!"

Lutz Heyser, Onlinefassung: Elke Klingenschmitt

Quelle: SWR.de - Wissen

Letzte Änderung am: 06.12.2011, 14.55 Uhr