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Geräusche hören, die keine Quelle besitzen, ein ständiges Klingen, Pfeifen oder Rasseln im Ohr - Tinnitus nervt alle, die darunter leiden und das sind immerhin 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung. Bisher gibt es keine sichere Behandlungsmethode. Forscher der Universität Texas haben jetzt erfolgversprechende Versuche an Ratten durchgeführt. Dr. Berthold Langguth vom Tinnituszentrum der Uni Regensburg schätzt die Ergebnisse ein.

Oberarzt Dr. Berthold Langguth sieht den großen Erfolg der amerikanischen Studie darin, dass die Mechanismen besser verstanden werden, die zum Tinnitus führen. Bekannt war, dass beispielsweise ein Hörsturz oder starker Stress die Hörstörung auslösen können. Dies kann zu Schädigungen des Gehirnareals führen, das Töne verarbeitet. Die Forscher vermuten, dass Nervenzellen im Gehirn überreagieren und leise Töne, die bei Gesunden ausgefiltert werden, stattdessen verstärkt.
Dr. Langguth vergleicht im Gespräch mit SWR4-Moderatorin Stefanie Czaja diesen Effekt mit dem Phantomschmerz bei Amputierten - auch hier versucht das Gehirn, fehlende Informationen auszugleichen.
Die Mediziner in Texas haben hörgeschädigte Ratten einer Klangtherapie unterzogen. Sie beschallten die Tiere mit speziellen Tönen, die die Frequenzen der Störgeräusche aussparten. Gleichzeitig stimulierten sie den Vagus-Nerv, der für Sinneseindrücke zuständig ist. Beide Maßnahmen zusammen führten dazu, dass sich die Region im Gehirn, die für das Hören zuständig ist, neu organisierte. Konkret verkleinerte sich die Region, die zuvor stark vergrößert war.
Hilft dies auch bei Menschen? Dr. Berthold Langguth warnt vor überzogenen Erwartungen an schnelle Therapien. Es wird Jahre dauern, diese Versuche auf Menschen zu übertragen. Und es sei nicht erwiesen, dass Menschen ebenso positiv auf diese kombinierte Klang-Nervstimulation reagieren. Zudem gebe es unterschiedliche Formen der Tinnitus-Symptome. Hoffnung sei aber durchaus angebracht.
Letzte Änderung am: 19.01.2011, 08.26 Uhr
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