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"Hunger weckt Abwehrkräfte, weil der Hunger das Immunsystem ankurbelt." Dieses verblüffende Ergebnis ergab eine Studie von Forschern der Universität Bonn. Anja Braun erklärt das Zusammenspiel von Hunger und Abwehr.

Weniger ist gesünder
Hungern bedeutet in der Studie das "Durchhängegefühl", wenn der Mensch eigentlich etwas zu essen braucht und er sich schlicht unterzuckert fühlt. Das Hungergefühl kann auch durch körperliche Anstrengung hervorgerufen werden. Als Folge sinkt in den Körperzellen das Energieniveau und damit auch der Insulinspiegel.
Bei Hunger wird ein kurzfristiges Verteidigungssystem mobilisiert. Denn Hunger bedeutet zunächst erst mal Stress für die Körperzellen – und zum Schutz vor weiterem Stress etwa durch Krankheitserreger, schüttet der Körper vermehrt Abwehrproteine aus.
Das funktioniert so, dass bei sinkendem Insulinspiegel ein sogenanntes Steuergen mit Namen 'Foxo' aktiv wird. 'Foxo' schaltet Gene für Abwehrproteine an: sogenannte antimikrobielle Peptide, die als "schnelle Eingreiftruppe" im Körper in Stellung gehen. Mögliche Krankmacher zerstören sie einfach, indem sie deren Zellwände auflösen. Auf diese Weise wird verhindert, dass sich der Körper bei einer ohnehin schon knappen Versorgungslage auch noch mit Bakterien und Viren auseinandersetzen muss.
Übrigens ist das offenbar ein uralter Mechanismus, der ganz unabhängig vom klassischen Immunabwehrsystem funktioniert. Denn die Wissenschaftler konnten ihn bei fast allen Tierarten finden.
Die Bonner Biomediziner haben keine direkten Ratschläge aus ihrer Studie abgeleitet. Dafür tun das die Autoren einer Schweizer Studie, die sich ebenfalls die Funktion dieser körpereigenen Sofortabwehr bei Hunger vorgenommen haben. Die Züricher Forscher empfehlen tatsächlich, immer mal wieder ein bisschen zu hungern. Sie betonen: die Volksweisheit: "Am morgen wie ein Kaiser zu essen, am Mittag wie ein König und am Abend wie ein Bettelmann" mache tatsächlich Sinn. Wichtig sei auch – betonten die Schweizer Wissenschaftler, dass man dabei auf Zwischenmahlzeiten jeglicher Art verzichtet. Also ab und an mal ein Hungergefühl zuzulassen, ist ziemlich gesund.
Die Biomediziner wollen nun einerseits daran forschen, warum Menschen mit Diabetes oder Übergewicht überdurchschnittlich stark zu Entzündungen neigen und ob sich hier auch durch gesteuertes Hungern Abhilfe schaffen lässt. Und als nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen Hunger und Lebensdauer untersuchen. Das Steuergen 'Foxo' gilt nämlich auch als Schlüssel-Gen für Alterungsprozesse. Erste Studien an Kleintieren wie Fadenwurm, Fruchtfliege und Maus haben gezeigt, dass weniger Nahrung die Lebensspanne verlängern kann.
Anja Braun, SWR Wissenschaftsredaktion
Letzte Änderung am: 26.01.2010, 13.53 Uhr
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