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Baugerüste sind am Ulmer Münster nichts Besonderes; an irgendeinem der Türme oder Portale steht eigentlich immer eines. Im Moment aber wird in der Kirche ein Gerüst aufgestellt: an der Orgel. Die hat nämlich einen Großputz nötig. Es gibt Teile an der großen Walcker-Orgel im Münster, die sind seit dem Einbau, also seit mehr als 40 Jahren, nicht gereinigt worden.

Absolut schwindelfrei muss man sein, um an der Orgel zu arbeiten, wie die drei Mitarbeiter der Gerüstbau-Firma, die mit einem Stahlseil und einer Seilwinde eine Metallstange nach der anderen in die Höhe ziehen. Der Vorarbeiter Natale Maio balanciert völlig selbstverständlich, völlig ungesichert auf einem dünnen Brett 30 Meter über dem Kirchenboden. Unter ihm ist nichts als Luft.
Münsterkantor Friedemann Johannes Wieland schaut dem Gerüstbauer mit einer Mischung aus Bewunderung und Bauchweh zu. Nicht nur die Gerüstbauer, auch die Orgelbauer, die sich ans Reinigen der Orgel machen, müssen schwindelfrei sein. Sie schaffen ein ganzes Arsenal an Arbeitsgerät zu den 3000 Orgelpfeifen hinauf.
Der "chirurgische Eingriff" - der Großputz also - und die Generalstimmung der Münsterorgel werden mit rund 80 000 Euro zu Buche schlagen.
Quelle: SWR4 Baden-Württemberg
Letzte Änderung am: 02.02.2012, 14.27 Uhr