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Rainers NachschlagCorry Brokken

1969 nahm sie ihr letztes Lied auf - vor langer Zeit. Aber gerade dieses Lied, die "Liebesmelodie", wird auch heute noch in allen Wunschkonzerten gespielt und es ist fabelhaft geeignet, in Chansonsendungen die entsprechende Stimmung zu vermitteln.

Corry Brokken gehört heute noch, obwohl sie sich von der Bühne bereits 1970 verabschiedete, zu den großen europäischen Stars erster Güte.

Grand Prix-Erfolg im zweiten Anlauf

In der Schellackzeit 1954 wurde die Zahnarzthelferin Corry Brokken von einer winzigen belgischen Schallplattenfirma entdeckt und mit beachtlichen Liedern erreichte man die Aufmerksamkeit all derer, die sich für das Chanson interessierten. Als 1956 der erste "Grand Prix d'Eurovision" stattfand, schickte man die damals in Holland schon sehr bekannte Corry Brokken ins Rennen.

Bei der ersten Veranstaltung hatte sie gegen Lys Assia keine Chance, beim 2. Grand Prix 1957 holte sie den begehrten Preis nach Holland mit dem Chanson "Net als toen", das dann auch in deutsch, französisch und anderen Sprachen erschien und Corry Brokken zu ihrem ersten Europaerfolg verhalf.

Vertreterin des anspruchsvollen Schlagers

Der große Durchbruch in Deutschland gelang der anspruchsvollen Entertainerin mit der deutschen Version des Piaf-Liedes "Milord" im Jahre 1960, einem Lied, das sich immerhin mit der Prostitution auseinander setzte - für eine Zeit der Tabus ein enormes Wagnis - es wurde zu Corry Brokkens erstem Superhit. Danach folgten etliche Chansons wie "Er sah aus wie ein Lord" oder "Maurice der alte Charmeur".

Corry Brokken galt als die Vertreterin des anspruchsvollen Schlagers und des Chansons, eine Diseuse mit Weltformat. Mit Liedern von Becaud und Aznavour, vor allem mit "La Mamma" im Jahre 1964 kam sie zu Hitparadenehren, obwohl sie modisch und seitens ihrer eigenwilligen Personality nicht in das Klischee deutscher Schlagerinterpreten der damaligen Zeit passte.

Spätes Jura-Studium

Corry Brokken erhielt im Laufe ihrer Karriere alle denkbaren europäischen Medienpreise, Goldene Schallplatten, den "Edison" beim "Grand Prix du Disque" und schließlich in Holland eine TV-Show, die für die "Goldene Rose von Montreux" nominiert wurde. Letzteres ermutigte die deutschen Fernsehgewaltigen, mit der Holländerin eine höchst erfolgreiche Show in Deutschland zu starten: "Varietezauber", in die sie einladen konnte, wen sie wollte. Von Hildegard Knef bis Caterina Valente, von Gilbert Becaud bis Adamo - alle, die mehr drauf hatten, als den deutschen Schlager, gaben sich bei Corry die Ehre.

Ende der 60er Jahre beschloss Corry Brokken (nach der Produktion von "Meine Liebesmelodie") den Abschied aus dem Showgeschäft. Die Dame mit dem eisernen Willen studierte Jura, schloss ihr Studium 1981 mit Auszeichnung ab und wurde eine äußerst erfolgreiche Juristin in den Niederlanden. Ein Wiedersehen im Europäischen Fernsehen gab es vor 3 Jahren beim "Grand Prix" mit Corry Brokken - in dieser Sendung gab sie als "Legende des Grand Prix" Hollands Wertungen bekannt.

Letzte Änderung am: 30.04.2003, 00.00 Uhr

Der SWR4 Schlagerkenner

Rainer Nitschke

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