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"Das gab's nur einmal" - Raritäten & Fundstücke Um keine Antwort verlegen

"Wer weiß die Antwort, wer weiß, warum" - diese Liedzeile, die Gustav Knuth einst auf Vinyl aufgenommen hat, weist den Weg. Antwort-Platten - sie waren fast schon eine Kunstgattung für sich. Vor allem in Amerika erfreuten sie sich großer Beliebtheit, aber auch in Deutschland gab es den einen oder anderen Versuch, damit einen Hit zu landen.

Was veranlasst Komponisten oder Autoren, einen Antwort-Song zu schreiben? Lockt die Aussicht auf einen schnellen Erfolg, indem man kurzerhand auf einen fahrenden Zug, der bereits Richtung Hitparadenspitze fährt, aufspringt? Unbestritten, das Risiko, dabei einen Absturz zu erleben, ist kalkulierbar und oft hat dieses Rezept auch funktioniert. Außerdem war dies ab und an auch ein willkommenes Vehikel, um No-Name-Künstler ins Rampenlicht zu befördern.

Amerika hatte schon immer Antworten parat

Einige (wenige) Beispiele gefällig? Bobby Vee bat „Take good care of my baby“, was ein gewisser Ralph Emery auch zusagte „I’ll take good care of your baby“. Aus Roger Miller’s „King of the road“ wurde „Queen of the house“ mit Jody Miller, Elvis Presley fragte „Are you lonesome tonight“, worauf Dodie Stevens bzw. Thelma Carpenter „Yes, I’m lonesome tonight“ erwiderten und last but not least sei noch Skeeter Davis erwähnt, eine der Top-Künstlerinnen der Country-Szene, die 1960 sogar eine komplette LP mit Antwort-Songs auf den Markt brachte.

Schon 1926 ging Fräulein Helen nicht mehr baden

Was auf dem amerikanischen Musikmarkt funktioniert, kann für die deutsche Szene nicht schlecht sein - man orientierte sich ja schon immer gerne auswärts. Zur Ehrenrettung der deutschen Musikszene muss man anmerken, dass bereits in den 1920er Jahren ein Beispiel zu finden ist, welches genau diese Mode schon damals auf Schellack brachte. 1925 fiel Fred Raymond ein Schlager ein, der zum Evergreen und fast schon zum geflügelten Wort wurde: „Ich hab’ das Fräulein Helen baden seh’n“. Der Komponist höchstpersönlich setzte ein Jahr später eins drauf: „Das Fräulein Helen soll nicht mehr baden geh’n“, was allerdings eher in den Fluten unterging. Daran gemessen, war die „neue“ Masche aus Amerika doch nicht ganz so „neu“, wie man vielleicht zunächst glauben mochte.

Gleiche Melodie oder nur mit Anleihen

Die Antwort-Songs hatten oftmals eines gemeinsam: entweder sie wurden auf dieselbe Melodie wie das Original gesungen, so dass die Zugehörigkeit zweifelsfrei belegt war oder aber es wurde neu komponiert, allerdings mit Anleihen, die unüberhörbar auf den Ursprung verwiesen. Die Blütezeit dieses Genres waren die 1950er und 1960er Jahre. Auf dem internationalen Musikmarkt findet man mit etwas Glück komplette CD-Zusammenstellungen, die sich mit Antwort-Songs befassen. Hiervon lässt sich ableiten, welche Bedeutung dieser Musikrichtung beigemessen wurde. Für den Musikfreund und Sammler also eine reizvolle Thematik.

Antwort oder doch eher eine Fortsetzung?

Einen ähnlichen Weg beschritten Titel, die als Fortsetzung eines erfolgreichen Stoffes geschrieben wurden. Hierfür finden sich etliche Beispiele vor allem in der jüngeren Schlagervergangenheit. Die Grenzen sind allerdings fließend, so dass eine Zuordnung, ob es sich nun eher um einen „Antwort-Song“ oder eine „Fortsetzungs-Geschichte“ handelt, eher subjektiv ist.

Die Antwort weiß allein der Wind...

Doch nun genug der Theorie - gehen wir in medias res. Unsere Bildergalerie lädt ein und zeigt eine Vielzahl von Beispielen aus den 1950er bis 1990er Jahren aus deutschen Landen. Große Hits neben „Nevergreens“, große Stars neben Unikaten. Dazu die entsprechenden Facts und Geschichten. Im Gegensatz zum internationalen Musikmarkt wurden die einheimischen Titel zum Großteil nie mehr wiederveröffentlicht und sind damit echte Raritäten. Warum das so ist? Sagen wir es mit den Worten von Marlene Dietrich: „Die Antwort weiß ganz allein der Wind……“


Hans-Jürgen Finger

Letzte Änderung am: 15.03.2011, 08.36 Uhr