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Musikraritäten Der Eisprinz wird 70

Eiskunstläufer, Schauspieler, Quizmaster und Schlagersänger - Frauenschwarm Hans-Jürgen Bäumler blickt mit 70 Jahren auf ein bewegtes Berufsleben zurück. Der Beiname "Eisprinz" bleibt bis heute, was ihn aber nicht stört, wie er SWR4 gegenüber erzählt hat.

 Hans-Jürgen Bäumler

Hans-Jürgen Bäumler (2000)

1956 ist Bäumler erstmals als Einzelläufer bei den Deutschen Meisterschaften dabei. 1957 kommt Marika Kilius als Partnerin beim Paarlauf hinzu. Das neue Traumpaar auf Kufen erläuft in den folgenden Jahren viele deutsche und internationale Meisterschaften - der Lohn für sein eisernes Training: 3 Stunden Eislaufen, 1 Stunde Gewichtheben und 1 Stunde Konditionstraining täglich. Im Interview mit SWR4 blickt er zurück: Wir haben für eine Weltmeisterschaft ein Ehrengeschenk annehmen dürfen, das den Wert von DM 150,-- nicht übersteigt. Wir waren Amateure - es gab keine Sponsoren, die Mutter bezahlte die Schlittschuhe und die Kostüme".

Das Debüt mit dem "wunderschönen fremden Mädchen"

Der Wechsel ins Profilager im Jahr 1964 eröffnete neue Möglichkeiten, vor allem im Hinblick darauf, Geld zu verdienen. Nach einem Schaulaufen in Frankfurt wurde er vom Chef einer Plattenfirma gefragt, ob er denn wohl auch singen könne. Singende Sportler waren seinerzeit gefragt und so war es naheliegend, die unglaubliche Popularität auf diese Weise gewinnbringend einzusetzen. Die Testaufnahmen verliefen zur Zufriedenheit und bald stand seine erste Schallplatte "Wunderschönes fremdes Mädchen" in den Regalen.

Nur 20 Prozent der Leute haben die Platte wegen der Stimme gekauft...

Fortan drehte Hans-Jürgen Bäumler seine Runden also nicht nur auf dem Eis, sondern auch auf dem Plattenteller. Sein Debüt wurde auf Anhieb ein Riesenerfolg. Von Radio Luxemburg erhielt er hierfür den "Bronzenen Löwen" und für zwei Jahre einen Job als Radiosprecher.

Schmunzelnd erinnert sich Hans-Jürgen Bäumler gegenüber SWR4: Nur 20% der Leute haben die Platte wegen der Stimme gekauft". Sein blendendes Aussehen tat das Übrige dazu und er avancierte zu einem außerordentlich umschwärmten Teenager-Idol. Die Jugend-Zeitschrift "Bravo" widmete dem "Eisprinzen mit den rehbraunen Augen" zahlreiche Storys, unzählige Poster und Titelbilder. Eines davon war für damalige Zeiten sogar recht gewagt: in himmelblauer Jeans, einem lässig um den Hals gelegten roten Handtuch und mit nacktem Oberkörper!

Kein Happy-End mit Marika Kilius

Es rief der Film und so drehte Hans-Jürgen Bäumler zusammen mit seiner Partnerin Marika Kilius die Eisrevue-Streifen "Die große Kür" und "Das große Glück". Privat stellte sich das große Glück für das Traumpaar auf dem Eis jedoch nie ein, was dem Publikum überhaupt nicht gefiel. Nach dessen Geschmack hätte es ein Happy-End vor dem Traualtar geben müssen - es blieb jedoch bei der rein beruflichen Verbindung. Trotzdem nahm die Presse jegliche Äußerung zu privaten Dingen dankbar zum Anlass für neue Spekulationen.

Es kommt sehr selten vor, dass die Tagesschau verschoben wird. In den 1960er Jahren trat dies ein, weil die Nation unbedingt Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler auf dem Eis sehen wollte.

Der Wechsel auf die Bühne

Die Babypause von Marika Kilius nutzte Hans-Jürgen Bäumler dazu, Schauspiel- und Sprechunterricht zu nehmen. Auch hier steckte harte Arbeit dahinter: "Ich stellte fest, dass die Eislaufkarriere für die Schauspielkarriere überhaupt nicht von Nutzen war, denn viele Regisseure hatten gesagt: der 'Eisprinz' - glaubt man dem die Rolle? Ein Image, das auf der einen Seite erfolgreich ist, kann auf der anderen Seite tödlich sein".

Salto Mortale und Quiz-Shows

Sein erstes Theaterengagement erhielt er 1968 in Heidelberg, auch in Film und Fernsehen war er häufig zu sehen. Beim Publikum kam er in der Rolle des Viggo Doria in der TV-Serie "Salto mortale" besonders gut an und brachte Hans-Jürgen Bäumler 1969 einen weiteren Höhepunkt seiner Karriere. In den Folgejahren engagierte ihn das Fernsehen als Moderator verschiedener Shows und Quizsendungen - darunter beispielsweise "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm", "Was wäre, wenn" oder "Riskant", was er über 700mal moderierte.

Theater in Deutschland, Olivenöl in Frankreich

Heute lebt Hans-Jürgen Bäumler überwiegend in Südfrankreich an der Cote d’Azur. Er kommt aber häufig nach Deutschland zu Besuch, denn derzeit steht er sehr erfolgreich in der Komödie "Zärtliche Machos" auf der Theaterbühne. Zu SWR4 sagte er: "Ich bin heute wahnsinnig glücklich - es gibt nicht sehr viele Schauspielkollegen, die ein Stück spielen dürfen, das am Schluss Standing Ovations hat."

Außerdem gibt es einen weiteren Grund, weshalb er gerne hierher zurückkehrt: das wahre Leben hat ihm jüngst die Rolle des stolzen Großvaters ins Drehbuch geschrieben. Von Ruhestand kann also keine Rede sein. Und in seiner knappen freien Zeit, die ihm verbleibt, geht er seinem Hobby nach: er kreiert sein eigenes Olivenöl, welches bei Freunden ein beliebtes Mitbringsel aus dem sonnigen Süden geworden ist.

Hans-Jürgen Finger

Letzte Änderung am: 23.01.2012, 09.41 Uhr

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Das Interview mit Hans-Jürgen Bäumler

4:09 min

Mann mit Kopfhörern Der Autor Hans-Jürgen Finger

Hans-Jürgen Finger kennt die schwarze "Scheibenwelt" wie seine Westentasche. Er sammelt Schallplatten seit früher Zeit, besitzt zig Tausende und kann Geschichten darüber erzählen. Hauptberuflich ist er in der Verwaltung des SWR festangestellt, in seiner Freizeit macht er seit 1988 ehrenamtlich Radio in den Rems-Murr-Kliniken Backnang und Waiblingen. [mehr zu: Hans-Jürgen Finger]