Seite vorlesen:
Überpünktlich, eine Stunde vor der Live-Sendung mit Stefanie Czaja, ist er da: groß, helle Haare, Typ "Seebär" (er kommt ja auch aus Bremen), schwarze Windjacke ("Liebst du auch den rauen Wind") und Italo-Sonnenbrille. Der Sänger und Liedermacher Dirk Busch kommt an diesem sonnigen Sommermorgen nicht allein. Er hat seine Frau Elisabeth mitgebracht, die ihn, seit sie nicht mehr im Schuldienst arbeitet, gerne auf seinen Touren begleitet.

"Wer hat uns das nur eingebrockt?", meint er lachend und spielt auf die Fahrt von Bremen nach Stuttgart an Für die hat er 9 Stunden gebraucht. Aber das Ehepaar Busch ist am Vortag angereist, und somit ist der frühe Termin bei SWR4 schon okay. Bis auf den Umstand, dass Dirk Busch bei uns in der Sendung live Gitarre spielen und dazu italienisch singen soll. "Wenn ich das meinen Musikern erzähle...", so sein augenzwinkernder Kommentar dazu. Erst mal Frühstück, natürlich mit Latte Macchiato, beim Italien-Fan Dirk Busch kein Wunder. Dazu zwei belegte Brötchen. "Na, da haben die Schwaben wohl mit Butter gespart", sagt der Sänger beim Blick unter den Käse und beißt herzhaft zu.
Beim Plaudern merkt man gleich seine Vorlieben: Musik, Italien, Musik, Familie, Musik. Auf Sohn Martin ist er besonders stolz, arbeitet er doch in derselben Branche: als Tontechniker bei Radio Bremen. Auf Dirk Buschs neuer CD "Reine Glücksache" ist er als Texter und Komponist mit einem Song vertreten, bei dem er auch zusammen mit Papa singt (unter seinem italienischen Pseudonym "Buscetti").
Flugs sind noch ein paar O-Töne mit Dirk Busch aufgenommen und auch seinen Gitarrensong "Ritornerò" produzieren wir schon mal vor. Wir werden ihn nicht brauchen, denn er legt Wert darauf, in der Live-Sendung auch live zu singen. "Ritornerò" ist übrigens schon vor 30 Jahren als sein erster Song im Studio von Schlagerlegende Ronny entstanden. Kurz vor 10 Uhr sitzt der Sänger bei Stefanie Czaja im Selbstfahrerstudio, Gitarrenmikro, Kopfhörer, alles ist vorbereitet. Kurzes Beschnuppern, ein paar Fotos für SWR4.de, Rotlicht, Sendung! "Den Professor lassen wir mal weg!", sagt er auf die Frage von Stefanie, ob sie ihn mit "Herr Professor" ansprechen soll. Denn Dirk Busch ist tatsächlich (beurlaubter) Soziologieprofessor an der Universität Bremen.
"Ich bin kein Opa, ich bin Nonno!"
Wir erfahren, dass er "als junger Dachs" Klarinette gespielt, für Milva komponiert und für Hollywood getextet hat. Und dass seine Enkelkinder Moritz und Eric nicht Opa, sondern italienisch "Nonno" zu ihm sagen. Viel zu schnell vergeht die Sendezeit, in der beim Thema Großeltern auch seine Frau Elisabeth zu Wort kommt. Dann geht es schon wieder auf die Weiterreise nach Mainz. "Ich komme wieder, Ritornerò! - Das ist eine Drohung!", sagt Dirk beim Abschied. Na klar, und dann backen wir Pizza mit ihm: Pizza Nonno!
Er hat einfach ein Gespür für gute Texte. Und für Themen. Und natürlich für die Musik. Dirk Busch spricht im Vorwort zu seiner CD vom "kleinen persönlichen Glück, Musik machen zu dürfen", und so war es sicher nur eine Frage der Zeit, diesem "Glück" eine CD zu widmen, in der es ebenso kritisch-bissige Songs wie zärtliche Liebeslieder gibt.
"Das Leben garantiert kein Happy End", heißt das Fazit von Dirk Busch schon im ersten Song ("Tanzen"). Dem steht die Erkenntnis gegenüber, dass es eben auch "reine Glückssache" ist, wann und wo man in diese Welt hineingeboren wurde. Augenzwinkernd widmet er der Berufsgruppe der in vielen Firmen allgegenwärtigen "Berater" den Refrain "Halleluja Money" unter der kritischen Überschrift "Sie kochen alle nur mit Wasser". Gut beraten, Dirk!
Fröhlich-optimistisch besingt er den "Frühling im Mai" und den "Sonntagmorgen". Lyrisch verträumt - wie das sanft gespielte Flügelhorn - klingt seine Liebeserklärung in "Meine Welt hat dein Gesicht". Viele erstklassige Livemusiker tragen zum gelungenen Sound des Albums bei, von der groovigen Gitarre in "Dich gewöhn ich mir nie ab", über das Klavier in der Ballade "Wenn du bei mir bist", bis zur Maultrommel in "Sie kochen alle nur mit Wasser".
Eine eugenspiegelwitzige Idee ist der Bonustitel "Man hat schon Pferde vor der Apotheke...", der uns viele Unmöglichkeiten unserer Zeit vorhät: vom "Bankmanager mit Moral" bis zum "ungedopten Profiradler", aber auch "Politiker, die ehrlich sind" und "Eltern mit genügend Zeit". Nichts ist unmöglich in dieser verrückten Welt, so könnte die Moral des Songs lauten, "und doch werden wir uns weiter um die Sonne drehen, padam, padam, padam..."
Nicht nur für Musikfreunde und Dirk-Busch-Fans ist "Reine Glückssache" wirklich ein Glücksgriff!
Edi Graf, SWR4 Musikredaktion
Letzte Änderung am: 27.06.2011, 12.01 Uhr