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"Das gab's nur einmal" - Raritäten & Fundstücke   Eskapaden um den Kriminaltango

Es gibt Titel, die kann man sofort mitsingen. Und es gibt Titel, die man sofort mit dem Künstler verbindet. Der "Kriminaltango" ist so ein Stück, bei dem jedem augenblicklich der Name von Hazy Osterwald einfällt. Ein echtes Original, sollte man meinen…

"Und sie tanzten einen Tango, Jacky Brown und Baby Miller" - dieses Pärchen war Dank des Hazy Osterwald-Sextetts im Spätherbst des Jahres 1959 für drei Wochen auf Platz 1 der deutschen Single-Hitparade und in aller Munde und Ohren. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, denn der "Kriminaltango" wurde zum Evergreen. Spannend ist nicht nur die Geschichte, die des Nachts in einer Taverne spielt, sondern auch woher der Titel ursprünglich stammt - nämlich aus Italien.

Piero Trombetta hat ihn komponiert und auch im Original aufgenommen. Legt man diese Platte auf, fühlt man sich sofort zurückversetzt in die Blütezeit der mondänen Café-Häuser der späten 1920er, frühen 1930er Jahre, wo von den Hauskapellen Tangos recht "zickig" und im strikten Rhythmus gespielt wurden. Im Vergleich mit der deutschen Kopie klingt das Original eher schwülstig und behäbig.

Dem Original den richtigen "Dreh" verpasst

Kurt Feltz war nicht nur der Texter der deutschen Fassung sondern auch die treibende Kraft, dass Hazy Osterwald mit seinem Sextett den "Kriminaltango" für den deutschen Markt aufnahm. Osterwald zählte bereits zu den etablierten Livekünstlern jener Tage, Feltz wollte jedoch mehr. Aus dem Sextett sollten Stars werden. Heinz Gietz wurde mit ins Boot geholt, der ein neues Arrangement schrieb und so entstand aus dem antiquiert klingenden Original ein maßgeschneiderter, zeitgemäßer Ohrwurm. Nach dem durchschlagenden Erfolg des "Kriminaltangos" war auch die künftige erfolgsträchtige Stilrichtung des bis dahin eher jazzorientierten Orchesters gefunden: Schlagernummern mit fast schon kabarettistischer Note gepaart mit einer Bühnenshow voll witziger Einlagen und optischen Effekten.

Der Erfolg wird nach Frankreich exportiert

Der Erfolg schwappte auch nach Frankreich über. Dort erschien 1960 eine EP (=Extended Play), eine Single-Schallplatte mit vier französisch-sprachigen Aufnahmen des Hazy Osterwald-Sextetts. Darunter natürlich auch der "Kriminaltango" - hier als "Le Tango de Jonquilles". Diese EP wurde nie mehr veröffentlicht und zählt heute zu den begehrten Sammlerstücken.

Im Film sang ein ganz anderer

Der Schlager mit dem Schuss diente auch als Vorlage zu einem Film mit Pfiff. Mit diesem Slogan warb man 1960 für die Krimi-Komödie "Kriminaltango" unter der Regie von Géza von Cziffra. Klar, dass die Erfolgsnummer hier auch zu hören war. Allerdings nicht mit dem Hazy Osterwald-Sextett sondern gesungen vom Hauptdarsteller Peter Alexander! Aus dem Sextett wurde in dem in schwarz-weiß gedrehten Film ein Quartett, welches von den Schauspielern Boy Gobert, Fritz Muliar und Günther Lüders komplettiert wurde. Diese Filmfassung ist nie auf Vinyl erschienen. Erst Jahrzehnte später wird der Original Soundtrack auf CD veröffentlicht.

Eine illustre Interpreten-Runde

Die Liste der Interpreten und Ensembles, die im Laufe der Jahre versuchten, dem "Kriminaltango" eine neue Prägung zu geben ist lang, ihre Bemühungen von Erfolglosigkeit "gekrönt". Trotzdem lohnt es, ein paar der Namen aufzuzählen, da diese für manches Erstaunen sorgen: "Nina Hagen & Michael von der Heide", "Kurt Raab & die Toten Hosen", das "Waldemar Wunderbar Syndikat", "Paul Vincent’s Fliegender Rock & Roll Zirkus", "La Dolce Vita" oder "The Coconuts". Die Disco-Zeit wird durch den Geiger "Piero" repräsentiert, dessen Spiel von einem Frauenchor stimmlich untermalt wurde.

Selbst im Entstehungsjahr 1959 war Hazy Osterwald nicht konkurrenzlos. Zeitgleich erschien eine Aufnahme von Ralf Bendix, die zwar auch Zuspruch fand, letztendlich hitparaden-technisch jedoch keine echte Gefahr darstellte. Und auch in Holland tanzte man zum "Kriminaltango". Dort haben sich "De Wama’s" damit auf Vinyl verewigt.

Einzig die Fassung des Hazy Osterwald-Sextetts überdauerte die Jahrzehnte und dreht sich heute noch auf den Plattentellern oder in den CD-Playern und geht nie vorbei, geht nie vorbei, geht nie vorbei…

Hans-Jürgen Finger

Letzte Änderung am: 08.04.2009, 07.35 Uhr