"Das gab's nur einmal" - Raritäten & Fundstücke

Eskapaden um den Kriminaltango

Hans-Jürgen Finger

Es gibt Titel, die kann man sofort mitsingen. Und es gibt Titel, die man sofort mit dem Künstler verbindet. Der "Kriminaltango" ist so ein Stück, bei dem jedem augenblicklich der Name von Hazy Osterwald einfällt. Ein echtes Original, sollte man meinen…

1/1

Plattencover vom "Kriminaltango"

In Detailansicht öffnen

Piero Trombetta ist der Komponist und erste Interpret des Kriminaltangos - das Stück des Italieners versetzt einen in die mondäne Atmosphäre der Kaffeehäuser der 20er und 30er Jahre.

Piero Trombetta ist der Komponist und erste Interpret des Kriminaltangos - das Stück des Italieners versetzt einen in die mondäne Atmosphäre der Kaffeehäuser der 20er und 30er Jahre.

Das Original - jedenfalls vom Hazy Osterwald Sextett, erschienen 1959 und für drei Wochen auf Platz 1

1959 erschienen und nie eine Konkurrenz für das Original: Die Version von Ralf Bendix und den Hansen Boys

Der holländische Kriminaltango, bei Decca erschienen, von "De Wama's" auf Vinyl verewigt.

Die Rarität von 1960: Hazy Osterwalds Kriminaltango auf einer französischen EP (erweitere Single) mit drei weiteren Stücken des Sextetts

Die Rückseite der raren französischen EP: Überaus interessant sind auch die übrigen Titel, die auf dieser Platte Eingang fanden: Hinter „Toi et moi“ verbirgt sich die Osterwald-Komposition „Wenn Du heut’ ausgehst“, mit dem die James Brothers (Peter Kraus & Jörg Maria Berg) einen Hit hatten. Connie Francis’ Hit „Lipstick on your collar“ heißt „T’as du rouge à lèvres“ und „La plume de ma tante“ kannte man zuvor bereits schon von Hugo & Luigi (Hugo Peretti & Luigi Creatore), einem amerikanischen Songschreiber- und Produzententeam.

Die Epigonen: Der Geiger "Piero" spielt den kriminalen Tango als Disco-Fox ein und scheitert...

1983 gab es wieder einen Kriminaltango, von "La Dolce Vita" - einem Quintett aus Duisburg. Ein Hit aus dem Jahr 1959 ist langlebig und hält viel aus.

Schauerlich: Der Kriminaltango von "Paul Vincent's Fliegender Rock & Roll Zirkus"

Die Coconuts versuchten sich 1983 am Kriminaltango

Der Bühnen- und Filmschauspieler Kurt Raab intonierte mit den "Toten Hosen" auf deren rumpelige Art den Kriminaltango.

"Und sie tanzten einen Tango, Jacky Brown und Baby Miller" - dieses Pärchen war Dank des Hazy Osterwald-Sextetts im Spätherbst des Jahres 1959 für drei Wochen auf Platz 1 der deutschen Single-Hitparade und in aller Munde und Ohren. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, denn der "Kriminaltango" wurde zum Evergreen. Spannend ist nicht nur die Geschichte, die des Nachts in einer Taverne spielt, sondern auch woher der Titel ursprünglich stammt - nämlich aus Italien.

Piero Trombetta hat ihn komponiert und auch im Original aufgenommen. Legt man diese Platte auf, fühlt man sich sofort zurückversetzt in die Blütezeit der mondänen Café-Häuser der späten 1920er, frühen 1930er Jahre, wo von den Hauskapellen Tangos recht "zickig" und im strikten Rhythmus gespielt wurden. Im Vergleich mit der deutschen Kopie klingt das Original eher schwülstig und behäbig.

Dem Original den richtigen "Dreh" verpasst

Kurt Feltz war nicht nur der Texter der deutschen Fassung sondern auch die treibende Kraft, dass Hazy Osterwald mit seinem Sextett den "Kriminaltango" für den deutschen Markt aufnahm. Osterwald zählte bereits zu den etablierten Livekünstlern jener Tage, Feltz wollte jedoch mehr. Aus dem Sextett sollten Stars werden. Heinz Gietz wurde mit ins Boot geholt, der ein neues Arrangement schrieb und so entstand aus dem antiquiert klingenden Original ein maßgeschneiderter, zeitgemäßer Ohrwurm. Nach dem durchschlagenden Erfolg des "Kriminaltangos" war auch die künftige erfolgsträchtige Stilrichtung des bis dahin eher jazzorientierten Orchesters gefunden: Schlagernummern mit fast schon kabarettistischer Note gepaart mit einer Bühnenshow voll witziger Einlagen und optischen Effekten.

Der Erfolg wird nach Frankreich exportiert

Der Erfolg schwappte auch nach Frankreich über. Dort erschien 1960 eine EP (=Extended Play), eine Single-Schallplatte mit vier französisch-sprachigen Aufnahmen des Hazy Osterwald-Sextetts. Darunter natürlich auch der "Kriminaltango" - hier als "Le Tango de Jonquilles". Diese EP wurde nie mehr veröffentlicht und zählt heute zu den begehrten Sammlerstücken.

Im Film sang ein ganz anderer

Der Schlager mit dem Schuss diente auch als Vorlage zu einem Film mit Pfiff. Mit diesem Slogan warb man 1960 für die Krimi-Komödie "Kriminaltango" unter der Regie von Géza von Cziffra. Klar, dass die Erfolgsnummer hier auch zu hören war. Allerdings nicht mit dem Hazy Osterwald-Sextett sondern gesungen vom Hauptdarsteller Peter Alexander! Aus dem Sextett wurde in dem in schwarz-weiß gedrehten Film ein Quartett, welches von den Schauspielern Boy Gobert, Fritz Muliar und Günther Lüders komplettiert wurde. Diese Filmfassung ist nie auf Vinyl erschienen. Erst Jahrzehnte später wird der Original Soundtrack auf CD veröffentlicht.

Eine illustre Interpreten-Runde

Die Liste der Interpreten und Ensembles, die im Laufe der Jahre versuchten, dem "Kriminaltango" eine neue Prägung zu geben ist lang, ihre Bemühungen von Erfolglosigkeit "gekrönt". Trotzdem lohnt es, ein paar der Namen aufzuzählen, da diese für manches Erstaunen sorgen: "Nina Hagen & Michael von der Heide", "Kurt Raab & die Toten Hosen", das "Waldemar Wunderbar Syndikat", "Paul Vincent’s Fliegender Rock & Roll Zirkus", "La Dolce Vita" oder "The Coconuts". Die Disco-Zeit wird durch den Geiger "Piero" repräsentiert, dessen Spiel von einem Frauenchor stimmlich untermalt wurde.

Selbst im Entstehungsjahr 1959 war Hazy Osterwald nicht konkurrenzlos. Zeitgleich erschien eine Aufnahme von Ralf Bendix, die zwar auch Zuspruch fand, letztendlich hitparaden-technisch jedoch keine echte Gefahr darstellte. Und auch in Holland tanzte man zum "Kriminaltango". Dort haben sich "De Wama’s" damit auf Vinyl verewigt.

Einzig die Fassung des Hazy Osterwald-Sextetts überdauerte die Jahrzehnte und dreht sich heute noch auf den Plattentellern oder in den CD-Playern und geht nie vorbei, geht nie vorbei, geht nie vorbei…

Stand: 08.04.2009, 07.35 Uhr