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Berndorf ermittelt in Ulm
Hans Berndorf ist ein eher ruhiger Typ. Ein entschlossener, manchmal verdrießlicher Gerechtigkeitssucher und beharrlicher Bücherleser mit einem Hang zu immer neuen Lieblingslektüren und maßvollem Whiskygenuss. Der einzige Mensch, dem der skeptische Berndorf sich (gelegentlich) anvertraut, ist seine Lebensgefährtin, die Professorin Barbara.
Der eigenwillige Ermittler hat sogar seinem Schöpfer manchmal zu schaffen gemacht: „Meine Hauptfigur entzieht sich mir und macht regelmäßig etwas anderes, als das, was ich mit ihr vorhatte“, hat Ulrich Ritzel über seinen Ermittler gesagt. Nach vier Bänden hatten Autor und Krimiheld dann wohl genug voneinander: Berndorf ging in den Ruhestand. - In „Beifang“, dem siebten Buch von Ulrich Ritzel, war er aber wieder da: Als privater Ermittler wurde Berndorf wieder in Ulm gebraucht.

Seine Ermittlungen führen Berndorf durchs ganze Land, u.a. nach Heidelberg, Mannheim, Tübingen, Friedrichshafen – Orte, mit denen der Autor trotz seines realistischen Ansatzes teilweise spielerisch-verfremdend umgeht. Ausgangspunkt ist aber immer Ulm und Neu-Ulm. Und wer hätte gedacht, dass hier, hinter bürgerlichen Fassaden, so viel Böses lauern kann: Geldgier, Bigotterie und hemmungsloses Machtstreben. Auch wenn Berndorf die Seilschaften und Intrigen nicht immer restlos ans Licht bringen kann, scheucht er doch oft genug Leute auf, die sich bei ihrem kriminellen Handeln bis dahin sehr sicher fühlten.
SWR4 Krimiexpertin Michaela Grom meint: Wie in allen guten Krimis erfährt der Leser in den Berndorf-Büchern viel über die Gesellschaft. Ulrich Ritzel zeigt, wie stark keineswegs gemeinschaftstaugliche Interessen das Handeln in Politik und Wirtschaft bestimmen. In einer präzisen, lakonischen Sprache inszeniert er die kriminellen Machenschaften dabei nicht als aufsehenerregenden Skandal, sondern als Teil des Alltags. Krimi-Lesestoff vom Feinsten.

Ulrich Ritzel
Ulrich Ritzel, geboren 1940 in Pforzheim, hat viele Jahre in Ulm gelebt und für verschiedene Zeitungen gearbeitet, u.a. als Gerichtsreporter. Dabei hat er seinen Blick für die Wirklichkeit hinter den Fassaden entwickelt, die er in seinen Romanen mit unbestechlicher Präzision beschreibt. Der Autor genießt die Vorzüge, die das Romanschreiben bietet. Zitat: „Ich erfülle mir {damit} Tagträume eines kleinen Jungen, dessen Held schon mal über die Scheißrealität triumphieren kann, wie es der Journalist Ritzel nicht tun konnte.“

▪ Der Schatten des Schwans, Roman. Libelle-Verlag, 1999
▪ Schwemmholz, Roman. Libelle, 2000
▪ Die schwarzen Ränder der Glut, Roman. Libelle, 2001
▪ Der Hund des Propheten, Roman. Libelle, 2003
▪ Beifang, Roman. btb, 2009
▪ Schlangenkopf, Roman, btb, 2011
Letzte Änderung am: 28.06.2011, 09.00 Uhr