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Das Wummern der Rotoren Lärmbelästigung durch Windräder

Windenergie finden die meisten eigentlich toll – solange die riesigen Türme samt Rotoren nicht vor der eigenen Haustür stehen. Doch nicht nur optisch haben viele Menschen ein Problem mit Windparks: Anwohner klagen auch über den Lärm, den die Rotoren verursachen, vor allem nachts, wenn Verkehrslärm und andere Geräusche schwächer sind. Psychologen der Uni Halle-Wittenberg haben jetzt in einer Untersuchung erstmals genauer unter die Lupe genommen, in welchem Ausmaß und unter welchen Bedingungen Windräder als belästigend empfunden werden.

Auch Windräder machen Lärm

Auch Windräder machen Lärm

Wind herrscht eigentlich immer vor. Und diese Rotoren drehen sich mal schneller, mal weniger schnell. Und gerade wenn es keine weiteren Geräusche gibt, und das ist ja eher nachts der Fall, nachts ist es eben stiller, dann hört man das sehr wohl. Und das ist ein Geräusch, wie wenn ein Wäschetrockner ständig rumpelt, aber nie aufhört. Es ist noch anders als Flugzeuglärm: Wenn ein Flugzeug kommt, geht’s vorbei, dies geht nicht vorbei, und bei geöffnetem Fenster zu schlafen, ist dann schlicht unmöglich, geht nicht....

Windrad

Windräder - gut für die Umwelt, schlecht für die Anwohner?

Wilstedt, nordöstlich von Bremen. Eine Betroffene erzählt von ihrer Erfahrungen mit der Windkraft vor ihrer Haustür. Der Windpark in rund eineinhalb Kilometer Entfernung wurde 2005 in Betrieb genommen. Eine Bürgerinitiative versuchte seinerzeit, den Bau zu verhindern – erfolglos. Das Hauptproblem: Der Windpark steht im Westen von Wilstedt, wo - wie meist in Norddeutschland - vorwiegend Westwetter herrscht, der Wind also auch meist aus westlicher Richtung kommt.

Krank durch Rotorenlärm?

Windräder wummern und brummen

Windräder wummern und brummen

Die meisten Menschen in Wilstedt sind grundsätzlich pro Windkraft – das betont auch Johannes Pohl von der Uni Halle-Wittenberg. Der Umweltpsychologe hat gemeinsam mit seiner Kollegin Gundula Hübner in einer Pilotstudie vor Ort untersucht, wie sich die Geräusche von Windkraftanlagen auf die Gesundheit der Anwohner auswirken.


Johannes Pohl: Bei den Personen, die wir befragt haben, war es so, dass 90 Prozent keine gesundheitlichen Beschwerden angegeben haben. Aber es gab eine Minderheit von zehn Prozent, die wir als stark belästigt bezeichnen, und die eben körperliche und psychische Beschwerden angegeben hat: dass hier das Einschlafen erschwert ist mindestens einmal pro Woche, dass der Schlaf weniger tief war, oder dass es am nächsten Tag zu negativer Stimmung kam oder zu seelischem Unwohlsein.

Belästigt fühlen sich viele

Zehn Prozent der Befragten klagen über gesundheitliche Probleme, bis hin zu Atemproblemen und Herzrasen im Extremfall. Hinzu kommen weitere 25 Prozent, die sich zwar belästigt fühlen durch die Windrad-Geräusche – dies jedoch ohne spürbare gesundheitliche Auswirkungen.
212 Studienteilnehmer beantworteten 2012 insgesamt 450 Fragen: Werden die Geräusche überhaupt als störend empfunden? Wie genau äußert sich die Belästigung? Zu welchen Tageszeiten und unter welchen Windbedingungen werden die Geräusche besonders stark wahr genommen? Zusätzlich konnten die Studienteilnehmer immer dann Audio-Aufnahmen machen, wenn störende Geräusche auftraten. Die Aufnahmen wertete anschließend das Deutsche Windenergie-Institut aus.

Wie ein tropfender Wasserhahn

Johannes Pohl: Und diese Geräuschmuster weisen auf etwas Besonderes hin, wir bezeichnen das als Wummern oder Rauschen, und die schwanken in ihrer Intensität, und das verursacht, dass wir aufmerksam werden und wir immer wissen wollen: Was ist da gerade los?

Windräder

Lärm der Windräder lässt sich steuern

Ähnlich wie bei einem tropfenden Wasserhahn. Die detaillierte Befragung von Anwohnern gestützt durch Geräusch-Auswertung jedenfalls hat laut den Studienverfassern Pilotcharakter, das bestätigt auch das Umweltbundesamt.

Neben statistischen Daten gibt es aber auch schon ein praktisches Ergebnis der Studie: In den kommenden sechs Monaten lässt der Windparkbetreiber WPD seine Anlage in einem geänderten Betriebsmodus laufen – Johannes Pohl:

Schongang in der Nacht

Zwischen etwa 21 Uhr und morgens 1 Uhr wird ein anderer Modus gefahren, das bedeutet, hier werden die Rotorblätter in einen anderen Winkel gestellt, so dass hier die Luft anders anströmt, und da wollen wir schauen, ob das die störenden Geräusche vermindert.

Anfang 2014 dann werden die Anwohner erneut befragt, ob die Windräder so tatsächlich weniger Lärm machen.

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