Bitte warten...
Frau in Kältekammer am Bremer Bremer Rheumasymposium

Therapie in der Kältekammer Eiskalt gegen Rheuma und Migräne

Leistungssportler steigen schon länger zur Regeneration in die Eistonne und auch als Beauty-Anwendung ist Kälte bei Hollywood-Stars der absolute Trend. Studien haben belegt, dass minus 110 Grad Celsius durchaus sinnvoll sind. Warum setzen sich Patienten freiwillig diesen Temperaturen aus? In der Medizin wird die Kälte eingesetzt, um die Leiden von Patienten z.B. mit rheumatischen Entzündungen zu lindern.

Um das Audio abspielen zu können, benötigen Sie Javascript. Bitte aktivieren Sie dies in Ihrem Browser.

Sie soll die Haut straffen und gegen Cellulite helfen. Werbeslogan wie "Wir frieren Sie fit, schön, gesund und glücklich" versprechen Wunder. In der Medizin wird die Kälte ebenfalls eingesetzt, doch nicht mit solchen Heilsversprechen. Zum Beispiel in der Kältekammer des Rote Kreuz Krankenhauses in Bremen.

Zwei Männer betreten einen holzvertäfelten Raum, der auf den ersten Blick wie eine Sauna aussieht, nur ohne Sitzbänke, Ofen und Aufguss-Utensilien. Joachim Thiele und sein Mitstreiter schwitzen auch nicht, ganz im Gegenteil. Denn sie sind in der Kältekammer.

Auch Sportler schätzen die Behandlung in der Kältekammer

Auch Sportler schätzen die Behandlung in der Kältekammer

Die erste Kältekammer hat eine Temperatur von minus 10 Grad, in der zweiten herrschen minus 60 und in der dritten Kammer sind es minus 110 Grad. Dies erklärt Pia Schermann, während sie die Tür fest verschließt.

Ein winterlicher Besuch zu jeder Jahreszeit

Durch die Fensterscheibe beobachtet die Physiotherapeutin, wie die Männer von einer Kammern zur nächsten gehen. Die Kältekammer besteht aus drei hintereinander liegenden Räumen. Die zwei Vorkammern dienen als Schleuse.

Der Körper wird dort auf die zunehmende Kälte eingestimmt. Die Feuchtigkeit auf der Haut wird aufgenommen, sodass der Körper in der kalttrockenen Luft nicht friert. Mit einer Badehose bekleidet, sehen Thiele und Co. fast aus wie Saunagänger.

In der Kältekammer werden bei minus 110 Grad Celsius hauptsächlich Rheumabeschwerden und Hauterkrankungen therapiert

In der Kältekammer werden bei minus 110 Grad Celsius hauptsächlich Rheumabeschwerden und Hauterkrankungen therapiert

Außerdem müssen die Patienten sämtlichen Schmuck ablegen, damit es nicht zu Erfrierungen kommt. Jeder Fremdkörper kann eiskalt werden, erklärt die Physiotherapeutin. Deshalb achtet sie auch darauf, dass Kontaktlinsen entfernen werden, um Kälteschäden an der Hornhaut zu vermeiden.

Außerdem wichtig

Die Haut darf nicht eingecremt sein. Die einfrierende Creme würde auch zu Hautschäden führen. Die extreme Kälte hat zahlreiche Effekte auf das Immunsystem und die Schmerzwahrnehmung, erläutert Jens Gert Kuipers, internistischer Rheumatologe.

Die Ganzkörperkältetherapie führt dazu, dass bestimmte Hormone wie Kortison und andere Stresshormone freigesetzt werden. Unsere eigenen schmerzunterdrückenden Mechanismen werden aktiviert und damit Schmerzen, Entzündung gedrosselt.

Sonnige Eiskristalle

Die positiven schmerzlindernden Effekte können daraufhin jedoch zum Teil monatelang anhalten

Vor allen Patienten mit Erkrankungen aus dem entzündlich rheumatischen Formkreis, wie zum Beispiel rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew und Schuppenflechtenrheuma, aber auch Patienten mit Fibromyalgie, mit chronisch entzündlichen Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen, Migräne und Neurodermitis profitieren von der Eiseskälte.

Wann darf man nicht in die Kammer

Bevor man sich dieser Behandlung aussetzt, sollte der Hausarzt feststellen, ob das auch geht. Es gibt eine ganze Reihe von Situationen, wo der Kältekammerbesuch nicht gestattet ist. Die umfassen beispielsweise eine akute Durchblutungsstörung des Herzens, ein vor kurzem durchgemachter Herzinfarkt, eine nicht ausreichend eingestellte Bluthochdruckerkrankung.

Sowie schwere Durchblutungsstörungen der Arme und Beine durch eine arterielle Verschlusskrankheit, Situationen, wo eine gesteigerte Empfindlichkeit gegen Kälte besteht, zum Beispiel Kälte ausgelöstes Asthma oder Kälte ausgelöste Hautreaktionen.

3D Illustration von einer rheumatischen Wirbelsäusle.

In Studien hat man zum Beispiel herausgefunden, dass bei unterschiedlichen entzündlichen rheumatischen Erkrankungen die Kältekammer zu einer Verbesserung von Schmerzen und Funktion geführt hat

Insgesamt dauert die Prozedur mit Ein- und Ausschleusen circa fünf Minuten. Wie lange sich jeder Einzelne in der minus 110 Grad kalten Kammer aufhält, hängt von seiner Toleranz ab. Mehr als drei Minuten sollen es jedoch nicht sein. -110° sind keine Temperatur, die mit menschlichem Überleben auf Dauer in kaum bekleideten Zustand vereinbar ist.

Kälteschock gegen Schmerzen

In der Kältekammer wird zur Ablenkung Musik gespielt. Erzählt Joachim Thiele, der nach der Kältekammer zur Erwärmung schon wieder auf dem Ergometer sitzt. Der Heizungsmonteur, der an einer rheumatoiden Arthritis leidet, war auf Grund der Schmerzen fast berufsunfähig. Seit zwei Jahren kommt er nun regelmäßig zur Ganzkörperkältetherapie, die ihm sehr gut tut.

In Studien hat man zum Beispiel herausgefunden, dass bei unterschiedlichen entzündlichen rheumatischen Erkrankungen die Kältekammer zu einer Verbesserung von Schmerzen und Funktion geführt hat. Nach der Therapie gingen die Entzündungsstoffe im Blut signifikant zurück.

Aber die Ganzkörperkältekammertherapie ersetzt nicht die medikamentöse Therapie. Es ist eine begleitende, eine ergänzende Therapie. Damit die Patienten von den Effekten der Kältekammer profitieren, sind in der Regel bis zu 20 Anwendungen notwendig, sagt Rheumatologe Kuipers.

Die positiven schmerzlindernden Effekte können daraufhin jedoch zum Teil monatelang anhalten. Bei einigen Patienten ist der Erfolg so groß, dass sie ihre Schmerzmittel etwas reduzieren, im Idealfall sogar mal pausieren können.