Die Bundesdeutsche Politikprominenz nimmt an dem Pontifikalrequiem für den ermordeten Arbeitgeberpräsidenten teil. Bundespräsident Walter Scheel fordert die Staaten der Welt auf, auf Deutschland zu blicken und Gesetze gegen Terroristen zu beschließen.
Die Trauerfeierlichkeiten um den ermordeten Arbeitgeberpräsidenten gipfelten heute, so der Moderator, in einem „Pontifikalrequiem“ und einer Trauerrede von Bundespräsident Walter Scheel. Dazu schaltet Baden-Baden um nach Stuttgart.
Der Reporter beginnt nach einer kurzen Musikeinspielung von Mozarts Requiem seinen Bericht mit den getragenen Worten: „Die Spitzen unseres Staates hatten bereits Platz genommen, als Walter Scheel, der Bundespräsident, die Witwe des Ermordeten, Frau Waltraud Schleyer, durch den Mittelgang der Sankt Eberhard Kirche in Stuttgart hereinführte. Frau Schleyer nahm Platz zwischen dem Bundeskanzler Helmut Schmidt und dem Bundespräsidenten.“ In der ersten Reihe auch Schleyers vier Söhne und „zwei Schwiegertöchter“. Die Prominenz war groß. Sogar die Ministerpräsidenten der Länder ließen es sich nicht nehmen, nach Stuttgart zu kommen. „Ich sah viele an die Kommunionsbank treten, auch Politiker, darunter auch Kohl und Strauß.“
Scheels Worte, so der Reporter, „meißelten“ die Grundzüge von Schleyers Charakter, den „Mann, der gute Gründe für jede seiner Ansichten hatte.“ Scheel verurteilt die Terroristen: „Diese jungen verirrten Menschen… sind die Feinde jeglicher Zivilisation.“ Auch die anderen Staaten hätten jetzt begriffen, dass durch den Terrorismus auch ihre Ordnung, ja jede Ordnung gefährdet sei. Das merke man unter anderem daran, dass sowohl die Regierung der Sowjetunion als auch die der DDR „uns in diesen Tagen ihre Hilfe“ anboten. Scheel beschwört die Weltgemeinschaft, eine Konvention gegen Terroristen zu beschließen. Wenn man auf die Forderungen der Entführer eingegangen und Gefangene Terroristen freigelassen hätte, wäre ein „Flächenbrand“ ausgebrochen. Dass das nicht passiert sei, habe Opfer gekostet. Scheel bittet deshalb „im Namen aller Deutscher“ die Familie Schleyer „um Vergebung“. Seinen Tod müsse man „als Einschnitt in der Geschichte begreifen. Davon muss eine verwandelnde Kraft ausgehen.“
Informationen zum Tondokument:
W0152035
Stuttgart: Trauerfeierlichkeiten und Staatsakt für Hanns-Martin Schleyer
Sende-/Haupttitel: Heute Mittag
Moderator: Hans-Georg Niemetz
Reporter: Heinz Laubenthal
Länge: 6'52
Archiv des SWR
Letzte Änderung am: 24.07.2007, 10.53 Uhr