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Ein Schüler legt seinen Kopf auf den Tisch

Schlafmittel am Morgen Morphium im Brötchen

Karlsruher Analytiker haben in Mohnbrötchen Opiate in so hohen Konzentrationen gefunden, dass eine Arzneiwirkung nicht ausgeschlossen ist. Wegen sehr hoher Morphingehalte wurden die Brötchen als nicht zum Verzehr geeignet bewertet.

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Auf den ersten Blick gibt es wohl nichts harmloseres als ein kleines, leckeres Mohnbrötchen. Doch Dirk Lachenmeier und seine Kollegen beim Chemischen Untersuchungsamt in Karlsruhe schauen sich Lebensmittel genauer an – und dabei haben sie in vier Mohnbrötchen eine hohe Konzentration von Morphin festgestellt – Mediziner nutzen den Stoff auch als Schlafmittel.

Nicht essbar

Doch dieses Mal war es anders: die Lebensmittel-Analytiker stuften die vier Brötchen als "nicht essbar" ein. Und sind dem Übel bereits auf der Spur – in drei Fällen stammt der verwendete Mohn offenbar aus Australien, sagt Dirk Lachenmeier .

Ein Feld mit Mohnblumen bei blauem Himmel

Mohnfeld

Für Kleinkinder bedenklich

Aber dieser australische Mohn ist scheinbar so günstig, dass es sich für Bäckereien hierzulande lohnt, ihn zu importieren. Die vier beanstandeten Proben stammen von vier verschiedenen Bäckereien aus Baden-Württemberg, mehr will das Chemische Untersuchungsamt nicht sagen. Die erhöhte Morphinmenge in den Brötchen sei allenfalls für Kleinkinder bedenklich, so Dirk Lachenmeier.

Grenzwerte nötig

Das Problem ist nicht neu: schon vor etwa 10 Jahren wurden in Deutschland in einem Mohnprodukt zu viele Opiate gefunden, seitdem gibt es verstärkte Kontrollen. Vom Gesetz her gibt es keine festgelegten Grenzen für den Stoff Morphin in Lebensmitteln, nur eine sogenannte akute Referenzdosis, erläutert Lebensmittelchemikerin Manuela Mahler. Wie künftig mit australischem Mohn umgegangen wird und ob gesetzliche Grenzwerte nötig sind, das müsse jetzt an anderer Stelle geklärt werden, so Dirk Lachenmeier.

Eine Bäckerei-Fachverkäuferin sortiert Brötchen und Brote in ein Verkaufsregal ein.

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