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Dr. Globuli Neuer Studiengang für Homöopathie

Bald ist es so weit: An der Homöo-Akademie im bayerischen Traunstein sollen 20 bis 25 Studenten mit dem neuen Studiengang zum Bachelor of Science in Homöopathie beginnen. Schon am 24. März startet das erste Vormodul für Abiturienten. Gelehrt werden soll "klassische Homöopathie auf Hochschulniveau". SWR2 Impuls sprach mit dem Biologen, Wissenschaftsjournalisten und Homöopathiekritiker Christian Weymayr. Er hat das Buch geschrieben: "Die Homöopathie-Lüge. So gefährlich ist die Lehre von den weißen Kügelchen".

Auch wenn der Glaube in die Heilkraft der Globuli und der extrem verdünnten Wirkstoffe weit verbreitet ist - dass Homöopathie eine Wissenschaft ist, bezweifeln viele. Für die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften etwa ist der Studiengang schlicht ein akademischer Etikettenschwindel, der "einer Pseudowissenschaft höhere Weihen" verleiht. Herr Weymayr, das wird ja ein schwarzer Tag für Sie, wenn das Studium in Traunstein beginnt, oder?

Ach nein, ich bleibe gelassen, es gibt ja von diesen Steinbeis-Transfer-Instituten, die hinter dieser Akademie stehen und die die Alternativmedizin als Studiengang anbieten, viele. Also, die neue Akademie in Traunstein ist gar nichts Besonderes.

Was kritisieren Sie an dem Studiengang in Traunstein?

Homöopathie als Wissenschaft?

Homöopathie als Wissenschaft?

Das Ganze ist im Grunde eine Fortbildungsschule für Heilpraktiker, und das wird mit einem akademischen Mantel beschönigt, aufgewertet, man redet vom Master und Bachelor, von Hochschule, von "akademisch", so werden gleichzeitig alle die ernsthaften Studiengänge, die sich wissenschaftlichen Standards verpflichtet fühlen und an ganz normalen Hochschulen angesiedelt sind, diskreditiert.

Aber es gibt doch harte Zulassungskriterien für so einen Studiengang, da kann man sich doch nicht einfach das Etikett "Bachelor" oder "wissenschaftlich" umhängen?

Das kann ich nicht beantworten, es gibt bei dem Fall viele Fragen: was heißt "staatlich anerkannt", wie ist das Akkreditierungsverfahren abgelaufen, wie geschützt ist der Begriff "Bachelor", wer waren die Gutachter? Das müsste man klären. Aber ich glaube, es wird ein ganzes etabliertes wissenschaftliches System ad absurdum geführt, wenn eine Institution Homöopathie unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit lehren kann.

Aber die meisten Lehrenden in Traunstein tragen den Titel Dr. med., das garantiert doch Wissenschaftlichkeit?

Viele Eltern geben ihren Kindern Globuli

Viele Eltern geben ihren Kindern Globuli

Ich habe das anders in Erinnerung, es sind bei den Dozenten nämlich auch viele Heilpraktiker dabei, die sich fortgebildet haben. Aber natürlich: Es gibt auch studierte Mediziner, die sich für Homöopathie interessieren, die das anwenden, es gibt einen Verein, der sich dafür einsetzt, das ist der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte, ja, klar, auch in der Ärzteschaft ist Homöopathie verbreitet, und damit habe ich Probleme, denn ich erwarte von einem Arzt, dass er sich auf dem Boden der Wissenschaftlichkeit, der Rationalität bewegt und nicht eine Methode als Heilmittel verkauft, die esoterisch ist.

Die Argumente für diesen Studiengang lauten: Homöopathie ist weit verbreitet, es gibt viele Konsumenten, Nutzer, die zufrieden sind damit, also die Nachfrage ist groß, aber es gibt zu wenig gut ausgebildete Experten, also brauchen wir diese Akademie, ist das ein gutes Argument?

Homöopathie spaltet die Geister

Homöopathie spaltet die Geister

Also erstens gibt es in Deutschland schon entsprechende Fortbildungen etwa seitens der Apothekenkammern, der Ärztekammern, es gibt immer wieder Versuche, diese alternative Medizin quasi mit dem Etikett "qualitätsgeprüft" zu versehen. Und es gibt ja auch Krankenkassen, die bestimmte homöopathische Anwendungen übernehmen, und die werben damit, dass sie das nur mit Ärzten machen, die eine entsprechende Ausbildung haben. Aber wie sieht diese Ausbildung aus: Diese Ärzte lernen mühsam auswendig, welches Nichts gegen ein Etwas hilft, und das ist für mich absurd, denn man lernt Unsinn.

Mit diesem Nichts meinen Sie, man könne überhaupt keinen Wirkstoff in den Globuli nachweisen. Aber es gibt doch auch Erfahrungsberichte von Menschen, die sagen, ich habe doch gemerkt, dass mir das hilft, das kann man doch nicht übersehen?

Sind Globuli heilsamer als Pizza?

Sind Globuli heilsamer als Pizza?

Klar, die gibt es, und diese Menschen können sagen, dass sie jetzt gerade wegen dieses Globuli gesundeten, aber es könnte ja auch etwas ganz anderes gewesen sein. Der Körper hat große Selbstheilungskräfte, wenn ich glaube, die Pizza, die ich eben gegessen habe, hat mich gesund gemacht, oder der Spaziergang, so ist das nicht besonders plausibel, der Mensch sucht aber immer nach Gründen, wenn sich etwas verändert hat, und dieser Mechanismus kann ihn auf eine falsche Fährte führen, allzu oft wird der Verstand ausgeschaltet. In der modernen Medizin stützt man sich nicht auf solche subjektiven Erfahrungen, wenn es darum geht, die Wirksamkeit von Stoffen nachzuweisen, sonst müssten Pharmakonzerne ja auch keine teuren komplizierten Studien durchführen.

Das Steinbeis-Institut ist der Träger dieser Akademie, dieses Institut hat einen guten Ruf, es gilt als seriös, warum sollte es so eine Ausbildungseinrichtung ins Leben rufen?

Ich nehme an, weil man damit Geld verdienen kann. Außerdem ist dieses Institut einseitig fokussiert auf alternative Medizin, es geht nur in diese Richtung, wie wissenschaftliche fundiert das alles ist, ist aus meiner Sicht fraglich.

Sie sagen, dieses Institut will die Homöopathie verwissenschaftlichen, gibt es darüber hinaus noch andere Beispiele für dieses Ziel?

Dahinter steht ein seit Jahrzehnten breit angelegter Versuch, die Homöopathie wissenschaftlich zu legitimieren, und es geht letztlich um das Ziel, zu sagen: es gibt die Schulmedizin und die Homöopathie, und beides ist völlig gleichberechtigt. Es gibt viele Institutionen, die sich dafür einsetzen, da sind zum einen die Firmen, die mit Homöopathica Geld verdienen, die finanzieren etwa eine Stiftungsprofessur in Frankfurt an der Oder, da sind die Stiftungen, die so etwas unterstützen, etwa die Carstens-Stiftung. Das alles dient dazu, die Homöopathie als wissenschaftliche Methode zu etablieren.

Gut, Sie kritisieren das, aber man kann doch auch sagen: Die Globuli schaden nicht, das ist völlig gefahrlos?

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!

Da gebe ich ihnen Recht, und damit habe ich kein Problem. Ich habe auch kein Problem mit Menschen, die Zuckerkügelchen einnehmen und sich besser fühlen. Aber ich habe eben Probleme mit Wissenschaftlern, mit Ärzten, mit Akademikern, die Homöopathie betreiben, weil das die Wissenschaftlichkeit untergräbt. Und es gibt noch ein Problem: Menschen, die an Homöopathie glauben, neigen dazu, wirksame schulmedizinische Methoden zu vernachlässigen, so gibt es unter den Befürwortern der Homöopathie viele, die eine Impfung ablehnen, und da wird es dann gefährlich.