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Heilen mit Licht  Gegen den Winterblues

Licht macht uns glücklich oder traurig, es kann beruhigen oder stressen. Es steuert die Psyche und regt körperliche Heilungsprozesse an. Der Lichtmangel im Winter führt dazu, dass Menschen Trübsal blasen, melancholisch werden, mit sich und der Welt hadern. Denn eigentlich ist unser Körper immer noch für das Leben draußen gebaut. Und eigentlich auch für den Winterschlaf.

Lichttherapie gegen Winterdepressionen

Lichttherapie gegen Winterdepressionen

In der Frühzeit huldigten nahezu alle Kulturen der Sonne und ihrem Licht. Assyrer und Ägypter setzten schon 1400 vor Christus auf Sonnenbäder zur Pflege ihrer Gesundheit. Der griechische Arzt Hippokrates empfahl im 5. Jahrhundert vor Christus Sonnenstrahlen zur Behandlung vieler Krankheiten. Und später verschickten die Römer ihre Kranken gerne zu Kuraufenthalten an Orte mit hoher Sonneneinstrahlung. Doch das Wissen um den therapeutischen Wert des Sonnenlichts geriet im Mittelalter in Vergessenheit. Erst im 19. Jahrhundert wurde die Heilwirkung neu entdeckt. Medizinische Bedeutung erhielt die Lichttherapie dann Ende des 19. Jahrhunderts durch die Erfolge bei der Behandlung von Tuberkulose und vor allem bei der damals weit verbreiteten Hauttuberkulose.

Und erst vor rund dreißig Jahren haben Ärzte begonnen, Seit 1993 wird die Lichttherapie ganz offiziell zur Behandlung einer Winterdepression empfohlen.

Jeder Vierte leidet darunter

Winterdepression ist das Überbleibsel des Winterschlafes beim Menschen. Weil es im Winter - in den nördlichen Breiten - zum einen kalt ist und es nichts zu essen gibt, muss Energie gespart werden und dafür fallen viele Tiere in eine Art Energiesparmodus, den Winterschlaf. Und die gleichen Mechanismen, sowohl auf Organebene und auf Hormonebene, finden auch beim Menschen statt.

Hier wird durch die Verlängerung der Dunkelheit und die Verkürzung des Tages der Hormonhaushalt umgestellt und das bemerkt der Mensch dadurch, dass er im Winter erstens ein erhöhtes Schlafbedürfnis und einen Heißhunger auf Kohlenhydrate hat. Und zweitens treten Antriebslosigkeit und sozialer Rückzug auf, typische Symptome einer Depression, in diesem Fall einer Winterdepression. Statistisch erfasst ist, dass sie mehr Frauen als Männer betrifft und dass vor allem junge Frauen besonders häufig darunter leiden. Die biologischen Gründe hierfür liegen jedoch für die Forschung noch im Unklaren.

Kampfansage mit Licht

Wer nicht die Chance hat, einen Morgenspaziergang oder eine Joggingrunde einzulegen, der kann seine Niedergeschlagenheit mit einer starken Lichtleuchte bekämpfen.

Sie sollte aber mindestens 2000 Lux Helligkeit abstrahlen. Das ist die Grenze, ab der das Licht seine physiologische Wirkung erzielen kann. Lux ist die Beleuchtungsstärke. Sie dient als Maß für die Helligkeit, die beim Empfänger ankommt. 2000 Lux bringt zum Beispiel ein bedeckter Winterhimmel. Ein wolkenverhangener Himmel im Sommer kommt schon auf 10.000 Lux und ein strahlender Sommersonnentag leistet sogar 100.000 Lux Beleuchtungsstärke.

Tag oder ewige Nacht?

In den meisten Wohn- und Arbeitsräumen bekommen unsere Augen nicht ausreichend Beleuchtungsstärke, um unsere innere Uhr auf Tag zu stellen. In der Regel herrschen dort gerade mal 100 bis maximal 500 Lux, die von Glühbirnen, Halogen- oder Energiesparleuchten erzeugt werden. Das bedeutet, wenn wir selten nach draußen gehen und uns kaum unter natürlichem Tageslicht bewegen, dann fehlt dem Körper die Wahrnehmung, dass es Tag ist - er bleibt im Nachtsparmodus.

Erst wenn genügend Tageslicht oder Kunstlicht aus dem blauen Spektrum auf die Rezeptoren in unseren Augen trifft, dann wird die Produktion des Schlafhormons Melatonin gehemmt. Zudem wird ein Anstieg des „Glückshormons“ Serotonin angeregt. Serotonin wirkt nachweisbar positiv auf unsere Stimmung. Deshalb bessert sich die Laune in der Regel durch genügend Lichteinfall am Morgen.


Der Himmel unterm Dach

Chronobiologen gehen davon aus, dass die Ergebnisse der Lichtforschung in den kommenden Jahren zu einer tiefgreifenden Veränderung unserer Beleuchtungssysteme führen werden. Eine Entwicklung der Lichtingenieure am Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation ist der sogenannte „virtual sky“ - der künstliche Himmel. Die komplette Decke des Schau-Raumes ist mit 50 mal 50 cm großen lichtdurchlässigen hellen Kacheln verkleidet. An einer Stelle in der Ecke fehlt eine Platte, sodass man die darunter verborgenen knapp 300 LED-Lichter in blau, rot, grün und weiß sehen kann. Sie lassen sich per Computer unterschiedlich ansteuern.

So kann zum Beispiel auch ein Sonnenaufgang in Rot und Gelb simuliert werden. Die gefragteste Beleuchtungssituation ist jedoch das dynamische Licht, welches immer mal wieder und an unterschiedlichen Stellen der Decke vorbeiziehende Wolken simuliert.

Leben mit Licht

Doch nicht nur Arbeitsbedingungen, auch Lebensbedingungen lassen sich durch den gezielten Einsatz der richtigen Beleuchtung verbessern. In Deutschland leiden 90 % aller Menschen in Pflegeheimen an Alzheimer-Demenz. Und im Wesentlichen werden sie dort aufgenommen, weil die Angehörigen keinen Schlaf mehr bekommen. Das heißt am Tage schlafen sie relativ häufig, was aber viel unangenehmer ist, da sie nachts durch die Gegend wandern. Hier ist nachgewiesen worden, dass mit ausreichender Beleuchtung am Tage die nächtlichen Verwirrtheitszustände bei diesen Alzheimer-Patienten zurückgehen. Auch für Schulen und Universitäten wird empfohlen, die Beleuchtung zu optimieren.

Licht ist elektromagnetische Strahlung. Die für den Menschen als Licht sichtbare Strahlung erstreckt sich über eine Wellenlänge von rund 380 Nanometern bis hin zu etwa 780 Nanometern. Im Bereich der energiereichen, niedrigen Wellenlänge ist das Licht violett-blau, im oberen, weniger energetischen Bereich rot. Alle anderen sichtbaren Farben liegen dazwischen. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Sonnenlichtspektrum exakt vermessen.

Licht kann Heilungsprozesse anstoßen

In jüngster Zeit wird vor allem das blaue Lichtspektrum erforscht. An der Hautklinik in Mainz ist untersucht worden, wie eine Therapie mit energiereichem blauem Licht Menschen mit Neurodermitis hilft. Immerhin zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung in Industrieländern leiden daran. Es ist eine unheilbare Erkrankung, die in unterschiedlich starker Ausprägung oft schon innerhalb der ersten Lebensjahre beginnt. Das zur Therapie verwendete blaue Licht hat keine entzündungshemmende Wirkung, wie man es vom UVA- oder UVB-Licht kennt, sondern man geht davon aus, dass es auf der Ebene der Immunmodulation wirkt.

Das heißt, es findet eine Gegenregulation der Entzündung statt. Auf diese Weise wird mit der Behandlung eine Selbstheilung gefördert, die im Körper schon angelegt ist, aber bei Neurodermitis schlecht oder gar nicht funktioniert. Bis umfangreichere Patientenstudien die Effizienz der Behandlung zweifelsfrei beweisen, weigern sich allerdings noch die gesetzlichen Krankenkassen die Bestrahlung mit Blaulicht zu bezahlen.

Das blaue Licht scheint dennoch der neue Star unter den Lichttherapie-Anwendungen zu sein. In einer Wellenlänge von 435 Nanometern auf die Haut ausgestrahlt, soll es auch bei der Schmerzbehandlung hilfreich sein. Es fördert die Weitstellung der Gefäße und die bessere Durchblutung, so kann es zu einem Abtransport von solchen toxischen Substanzen führen, die an der Schmerzvermittlung beteiligt sind. Ein weiteres medizinisches Wirkungsfeld für das energiereiche blaue Licht ist die Wundheilung. Erste Studien untersuchen die These, dass Blaulicht die Heilung von chronischen Wunden vorantreibt.

Licht tanken gegen den Winterblues

Licht tanken gegen den Winterblues

Die schlichteste Therapie mit Licht bleibt aber jene mit Sonnenlicht. Denn die therapeutische Wirkung des natürlichen Lichtes ist auf jeden Fall verbürgt. Also, ab nach draußen und Augen auf!

SWR2 Wissen. Von Anja Braun; Internetfassung: Ulrike Barwanietz & Ralf Kölbel

Letzte Änderung am: 23.12.2013, 14.20 Uhr

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