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Ein grüner Smoothie, Zutaten liegen daneben: Grünkohl, Karotten, Grapefruit und Spinat

Gesundbrunnen oder Modewelle? Grüne Smoothies - pure Gesundheit?

Smoothies - die grünen Mode-Drinks - liegen derzeit voll im Trend. Doch sind die grünen Säfte wirklich so gesund, wie die Anbieter versprechen? Von einer präventiven Wirkung ist da die Rede bei verschiedenen Zivilisationserkrankungen - und sogar von Heilung bei Krebs, Diabetes 1 und Grauem Star. Welche Vorteile, welche Risiken bergen die grünen breiigen Gemüse-Drinks?

Der Fantasie ist beim Smoothie machen keine Grenzen gesetzt: Möhren, Birnen und Feldsalat. Beeren, Bananen und Grünkohl. Oder Mangold mit Giersch und Mango. Dazu noch etwas Flüssigkeit in Form von Obstsaft oder Tee. Einfach alles hinein in den Standmixer.

Grün und süß

smoothie mit Salat und Äpfeln

Grün und vielleicht auch ein bisschen gesund: Smoothies

Der Name "Smoothies" kommt von Englisch ‚smooth‘ – das bedeutet weich… Das ist der Trick der cremigen Modedrinks: Sie sind zwar grün, weil grünes Gemüse drin ist und deren Blattfarbstoff Chlorophyll im pürierten Brei dominiert. Doch da der Obstanteil überwiegt, schmecken Smoothies süß. Wer sich gesund ernähren will, braucht also nicht mehr ständig Gemüse zu essen. Es gibt ja die grünen Smoothies: Die rutschen leicht die Kehle runter!


Auch die Teenager achten auf gesunde Ernährung. Smoothies und so – das ist echt schon so ein Hip-Getränk. Wenn man in der Stadt ist, mit seinen Freunden shoppen oder so – dann kauft man sich irgendwo einen Smoothie, sagt eine 17- jährige Smoothie-Konsumentin.

Zerkleinert ist nicht automatisch gesünder

Doch sind die grünen Pampen wirklich so gesund, wie viele Texte im Internet versprechen? Von einer gesundheitsstärkenden Wirkung ist da die Rede, zum Teil wird sogar versprochen, dass Smoothies Krankheiten wie Diabetes, Grauen Star oder sogar Krebs heilen können. Daniela Graf ist Wissenschaftlerin am Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel. Sie relativiert die Begeisterung:
Generell gilt, dass es für Obst und Gemüse eine präventive Wirkung für die Entstehung verschiedener Krankheiten nachgewiesen ist. Es gibt jedoch keine Studien, die wirklich speziell die Wirkung von grünen Smoothies untersucht haben.

Ein kleines Mädchen beißt in einen Apfel

Zerkleinertes Obst oder Gemüse ist nicht unbedingt gesünder.

Auch wird immer wieder behauptet, dass Smoothies deswegen besonders gesund sind, weil ein Püree vom Körper besser aufgenommen werden könne…
Es gibt keine Studien, die wirklich den Vergleich gemacht haben, ob es besser ist dieses Gemüse zu pürieren. Prinzipiell hat der menschliche Körper ein Verdauungssystem, was eben speziell darauf ausgerichtet ist die Lebensmittel ja eigentlich auch zerkleinern, das fängt schon beim Kauen an. Aber eben auch die ganzen Verdauungsenzyme, die dann im Magen-Darmbereich freigesetzt werden, dienen dazu, die Lebensmittel zu verkleinern und die Nährstoffe letztendlich auch aufzunehmen.

Vitamine zersetzen sich

Wer zu viele Smoothies trinkt, könnte also den Verdauungstrakt überfordern, während es den Zähnen an Arbeit mangelt. Nur wenn sie regelmäßig etwas Hartes wie Möhren oder Äpfel zu beißen bekommen, bleiben Zähne und Zahnfleisch gesund. Ein Glas pro Tag reicht, rät die Ernährungswissenschaftlerin Edith Gätjen. Und: Um möglichst viele Nährstoffe aufzunehmen, sollte der Smoothie am besten aus frischem Obst und Gemüse und nicht aus Pulvern, die es Handel gibt, zubereiten und sofort trinken. Wichtige Vitamine zersetzen sich z.B. bereits nach einer Stunde, wenn Gemüse und Obst püriert wurde…

Gerade das Vitamin, das im grünen Gemüse drinsteckt- die Folsäure – ist sehr flüchtig d.h. es ist Licht empfindlich und vor allen Dingen luftempfindlich. Wenn es also rumsteht, dann würde sich die Folsäure zersetzen, genauso aber auch Vitamin C.

Kauen macht satt

Obst im Mixer

Frisch ist grundsätzlich besser als aus der Fabrik.

Wer etwas Milch, Joghurt oder einen Spritzer Öl zufügt, verlängert die Haltbarkeit um ein paar Stunden. Smoothies aus dem Supermarkt wurden meist durch Erhitzen haltbar gemacht und enthalten manchmal Konservierungsstoffe und andere Zusätze.
Was noch wichtig ist: Wer abnehmen möchte, isst Früchte und Gemüse lieber und kaut selbst - anstatt sie zu pürieren, rät Wissenschaftlerin Daniela Graf:
Denn der Körper ist einfach nicht so lange satt, wenn alles schon vorher verkleinert wird.

Der richtige Mix

Auch sollten Smoothies gegartes Gemüse nicht vom Speiseplan verdrängen, ergänzt Ernährungswissenschaftlerin Edith Gätjen:
Gegartes Gemüse - auch da sind die Nährstoffe zum Teil sehr viel besser aufnehmbar, denn durch den Garprozess zerfallen die Ballaststoffe ein wenig und da werden die Mineralstoffe besser verfügbar. Das ist der Grund, weshalb wir auch beides empfehlen: gegartes und eben auch frisches rohes Gemüse.

smoothie mit datteln

Smoothies können frisches Obst und Gemüse nicht ersetzen, aber sind als zusätzliches Nahrungsangebot durchaus zu empfehlen.

Wer es aber mit dem Smoothies nicht übertreibt, kann seinem Körper damit durchaus Gutes tun. Niemand isst nämlich die fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag, die die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt. Daniela Graf: Ja, ich denke auch, dass das der eigentliche Vorteil von diesen Smoothies ist. Es ist ein zusätzliches Lebensmittelangebot sozusagen. Und spricht sicherlich viele Leute an, die auch nicht Lust haben großartig zu kochen. Es ist eine einfache Sache, geht schnell und vielen Leuten schmeckt es gut. Und wenn man dadurch natürlich Leute dazu bewegen kann mehr Obst und Gemüse aufzunehmen, ist es sicherlich eine gute Sache.

Ein teurer Hochleistungsmixer wie sie im Internet angepriesen werden - für mehrere hundert Euro - ist übrigens kein Muss, für die meisten Zwecke ist ein Gerät um rund 100 Euro völlig in Ordnung.

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