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Super Supernova

Gravitationswellen Eine neue Ära für die Astronomie

Großer Jubel: Die Gravitationswellen sind da! Ok, hat Einstein also wieder mal recht gehabt. Aber um das sagen zu können, lohnen sich dafür die investierten Milliarden? Jetzt beginnt eine neue Ära, sagen Astrophysiker. Ein Kommentar von Uwe Gradwohl.

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Nun gut. Jetzt wurden diese Gravitationswellen endlich aufgespürt. Wurde ja auch Zeit. Und hat auch eine Stange Geld gekostet. Lohnt sich das? Nur um posthum zu Einstein sagen zu können: Respekt. Auch da haste Recht gehabt. 

Ich meine, der ganze Einsatz an Geld, Material und Personal lohnt sich allemal. 

Forscher beobachtet mit einem Teleskop den Sternenhimmel bei Nacht.

Unsichtbare Galaxie beschäftigt Forscher

Seit der Steinzeit betrachten Menschen den Himmel und das Licht der Sterne mit dem bloßen Auge und machen sich Gedanken darüber, was dieses Gefunkel um uns herum zu bedeuten hat. Seit 400 Jahren, seit Galileo Galilei, baut man Teleskope, als künstliche Hilfsmittel für das auf seine Möglichkeiten beschränkte Menschenauge. 1931 entdeckte man, dass bestimmte Himmelskörper auch im Bereich der Radiowellen abstrahlen und man begann diese Strahlung für Untersuchungen zu nutzen. Seit den 60er-Jahren kamen noch Teleskope im UV-Licht, im Bereich der Wärmestrahlung, schließlich auch im Röntgenlicht und der Gammastrahlung dazu. 



Doch durch alle diese Beobachtungen wurde auch eines klar: 99 % der Materie im All sendet keine einzige dieser Strahlungsarten aus. 99 % der Materie im All ist stockdunkel in jeglicher Art von Licht. Sie verrät sich nur durch ihre Schwerkraftstrahlung, durch Gravitationswellen. 

Nun ist es nicht so, dass mit der Entdeckung dieser neuen Strahlungsart auch gleich ein superhelles Licht im All angeknipst wird. Nur die energetisch gewaltigsten Vorgänge bei denen ungeheuer große Massen beschleunigt werden, strahlen so starke Schwerewellen ab, dass man sie auf der Erde empfangen kann. 

Galileo Galilei

Der italienische Mathematiker, Philosoph und Physiker Galilei Galilei (zeitgenössische Zeichnung)


Doch auch dieses gravitative Dämmerlicht im All reicht schon aus, um der Astronomie einen neuen Forschungszweig zu eröffnen. 

Untersucht werden kann nun die Verschmelzung von superdichten Neutronensternen oder die Fusion von zwei Schwarzen Löchern, von der man seit gestern weiß, dass sie nicht nur auf den Papieren der theoretischen Physiker existiert, sondern tatsächlich im All vorkommt.

 

Man wird nun in der Lage sein, die Geschwindigkeit von Gravitationswellen zu bestimmen. Das wäre sehr interessant, denn mit ihnen sollten auch die Botenteilchen der Schwerkraft, die Gravitonen, durchs Universum flitzen. Der Theorie nach sollten sie masselos sein. Stimmt das, müssten die Schwerewellen sich lichtschnell durchs All bewegen. Sollten sie nur ein klein wenig langsamer sein, hätten Gravitonen doch eine von Null verschiedene Masse und die theoretischen Physiker eine neue Nuss zu knacken. 

Karsten Danzmann

Karsten Danzmann, Direktor am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert Einstein Institut), freut sich über den sensationellen Erfolg, an dem Forscher des MPI beteiligt sind.

Die Frage nach der Geschwindigkeit, mit der das Universum sich ausdehnt, kann nun besser beantwortet werden. Mit Hilfe von Gravitationswellen lassen sich die Entfernungen von Objekten im All besser bestimmen als bislang. Nur das Leuchten einer bestimmten Sorte von Supernovae gab bislang Auskunft über Entfernungen und diese Methode hat Grenzen was ihre Genauigkeit betrifft. 

Und die Entwicklung der Schwerewellen-Detektoren wird voranschreiten. Auch schwächere Wellen werden messbar sein. Gravitationswellen aus der Frühzeit des Universums, als es gerade entstanden war. Da draußen schwappt noch Information aus der Zeit unmittelbar nach dem Urknall durchs All. 

Der Nachweis der Gravitationswellen steht für das Ende einer langen Suche – aber nun auch für den Beginn einer völlig neuen wissenschaftlichen Ära. Dafür lohnt es sich Geld in die Hand zu nehmen, Material anzuschaffen und Menschen zu motivieren, sich diesem neuen Forschungszweig zu widmen. 

Willkommen in der Welt der Gravitationswellenastronomie!

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