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Hilfe bei Diabetes Messen mit dem Pflaster

Koreanische Forscher haben ein spezielles Pflaster entwickelt, mit dem Diabetiker ihren Blutzuckerspiegel über den Schweiß auf der Haut messen können. Sogar entsprechende Medikamente können über integrierte winzige Nadeln gleich vergeben werden. Eine echte Alternative zu Bluttest und Spritzen, die gerade für Diabetiker-Kinder und -Senioren oft ein Problem sind.

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Diabetiker müssen regelmäßig ihren Blutzuckerspiegel kontrollieren – je weiter die Krankheit fortgeschritten ist, desto häufiger ist das nötig. Dafür müssen die Betroffenen sich selbst für eine kleine Blutprobe in den Finger pieksen. Patienten mit einem gut eingestellten Altersdiabetes kommen manchmal mit ein paar Messungen pro Woche aus. Wer allerdings schon in jungen Jahren an der erblichen Variante erkrankt, also Diabetes vom Typ eins hat, muss alle paar Stunde messen, vor und nach jeder Mahlzeit. Und sich dann die nötige Menge Insulin in den Bauch spritzen.

Das gleiche gilt für alle Altersdiabetiker, die Insulin brauchen. Gerade für Kinder und Senioren sind Bluttest und Spritzen aber oft ein Problem – Forscher suchen daher schon lange nach Alternativen. Ein vielversprechender Ansatz ist die Zuckermessung im Schweiß – ganz einfach über ein Pflaster auf der Haut. Koreanische Forscher haben den Ansatz gerade im Fachblatt „Science Advances“ vorgestellt.

Schon vergangenes Jahr haben die Wissenschaftler aus Südkorea in der Fachwelt für Aufsehen gesorgt: da hatten sie die unblutige Zuckermessung per Pflaster erstmals erfolgreich getestet. Jetzt haben die Bioingenieure ihre Technik nochmal deutlich weiterentwickelt: das Pflaster ist kleiner und sensibler geworden, eine klinische Anwendung ist nun vorstellbar. Spannend ist der Ansatz vor allem deswegen, weil die Methode Messen und Therapie miteinander verbindet: Das dehnbare, wasserfeste Silikonpflaster besteht zum einen aus einer Batterie winziger Sensoren. Die messen mit Hilfe von Nanopartikeln aus Gold nicht nur den Zuckergehalt im Schweiß, sondern bestimmen auch den ph-Wert der Haut; der kann das Ergebnis nämlich beeinflussen.

Diabetespflaster- Funktionsweise

Das Diabetespflaster ist mit einem tragbaren elektrochemischem Analysegerät verbunden, das die Daten drahtlos an eine Smartphoneapp übermittelt.

Außerdem zeigt ein Sensor für die Luftfeuchtigkeit an, wann genügend Schweiß für die Messung da ist – inzwischen genügt schon ein Milliliter. In dem Pflaster steckt auch ein kleiner Heizstreifen, damit die Haut warm wird und etwas schwitzt. Bei fünf Testpersonen haben die Forscher überprüft, dass die gemessenen Zuckerwerte im Schweiß tatsächlich mit denen im Blut übereinstimmen – daran gab es in der Vergangenheit immer wieder Zweifel. Zusätzlich zu dem Pflaster mussten die Probanden eine Manschette wie beim Blutdruckmessen am Arm tragen – von dort leiten Kabel die Messwerte an einen tragbaren Minicomputer weiter.

Diabetes-Pflaster funktioniert bei Mäusen

Die Software darin erkennt, ob eine gefährliche Unterzuckerung droht – dann kann das Pflaster auch zur Behandlung dienen. Außer den Sensoren stecken nämlich auch mikrofeine Nadeln darin, die gezielt Diabetesmedikamente abgeben können. Das haben die koreanischen Wissenschaftler allerdings nur bei zuckerkranken Mäusen getestet – bei den Nagern klappte die automatische Behandlung mit dem Diabetesmittel Metformin problemlos. Die Forscher sind zuversichtlich, dass der Ansatz auch mit Insulin gelingen kann. Bis die Pflastertherapie beim Menschen zum Einsatz kommt, sind noch viele weitere Studien nötig – aber ein wichtiger erster Schritt ist den Forschern auf jeden Fall gelungen.

Erste künstliche Bauchspeicheldrüse

Eine andere neuartige Methode könnte dagegen schon bald klinischer Alltag werden – allerdings müssen die Patienten sich dafür Technik unter die Haut pflanzen lassen: in den USA ist seit kurzem die erste künstliche Bauchspeicheldrüse zugelassen – das ist kein künstliches Organ, sondern eine Kombination aus einer implantierten Insulinpumpe und einem Sensor zur Blutzuckermessung. Ob und wann das System für Patienten mit Typ 1 Diabetes in Deutschland auf den Markt kommt, ist im Moment noch offen.

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