Der deutsche Buchmarkt

Wie das Buch zum Leser kommt

Autorin: Nadine Wojcik, Internetfassung: Annina Eberhardt

Der deutsche Buchmarkt ist der drittgrößte der Welt, gleich nach den USA und China. In kaum einem anderen Land gibt ein so dichtes Netz an Buchhandlungen wie in Deutschland - und ein so ausgeklügeltes Vertriebssystem dahinter. Ob Kochbuch oder Krimi, die Logistik stellt sicher, dass der gewünschte Titel am nächsten Tag in der Buchhandlung abholbereit vorliegt. Doch der Buchmarkt und seine Strukturen stehen vor neuen Herausforderungen: dem Internet und dem E-Book.

Für uns als Leser ist es selbstverständlich, dass wir ein bestelltes Buch am nächsten Tag in der Buchhandlung abholen können. Tatsächlich gibt es diesen Service aber nur in sehr wenigen Ländern. Zwischen Schriftsteller und Verlag und den Lesern steht ein hochentwickeltes System aus Vertrieben und Logistikunternehmen, das diesen Service ermöglicht. Die Buchhändler bestellen nicht vorrätige Titel bei einem der drei deutschen Großbuchhändler: Koch, Neff und Volckmar, kurz KNV, Libri oder Umbreit. Bereits am nächsten Morgen ist das Buch geliefert - unabhängig davon, ob Sie auf den ostfriesischen Inseln oder in Berlin wohnen.

"Hintergrundlager des Buchhandels"

Frank Hinz, Logistikleiter bei KNV, beschreibt den Großbuchhandel als "Hintergrundlager des Buchhandels". "Von der Verteilung her bezieht der Buchhändler 30 bis 35 Prozent von uns", so Hinz.

Koch, Neff und Volckmar

Koch, Neff und Volckmar

KNV, ein Stuttgarter Familienunternehmen in der sechsten Generation, kauft Bücher in großen Mengen bei den Verlagen ein. Seit mehr als 180 Jahren handelt das Unternehmen mit Büchern. Rund eine halbe Million Titel können über Nacht geliefert werden, erklärt Hinz. Um dies zu ermöglichen, arbeiten sich die Angestellten routiniert durch die Lagerhallen, die einem Labyrinth aus hohen Bücherregalen gleichen, um nach den bestellten Büchern auf ihren Lieferscheinen zu suchen. Erst wenn alle Bestellungen bearbeitet sind und jedes Buch in einer blauen Kiste auf dem Förderband Richtung Abfertigung liegt, heißt es Feierabend. In Hochzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft sortieren, verpacken und verladen bis zu 600 Mitarbeiter Bücher aus Lagerhallen, so groß wie zwei Fußballfelder.

Zentrallager KNV

Koch, Neff und Volckmar


Anhand der Aufträge kann Frank Hinz auch deutlich die Entwicklung der Branche ablesen: "Es sind immer weniger kleinere und mittlere Buchhändler in den letzten Jahren auf dem Markt, die Ketten sind immer größer geworden, etwa Thalia oder Hugendubel." Doch der Trend kehre sich um, auch die Ketten haben mit der Konkurrenz "Internet" zu kämpfen, so Hinz.

Konkurrenz durch das Internet

Der Wandel der Branche ist spürbar. Die sicheren, ruhigen Jahre eines stetigen Buchverkaufs sind vorbei. Viele Leser kaufen ihre Bücher mittlerweile bei Online-Riesen, wie amazon. Gleichzeitig wird das Internet mehr und mehr als Informationsquelle genutzt und macht für viele den Kauf von Wörterbüchern, Reiseführern und Enzyklopädien überflüssig.

Suchmaschine im Internet

Informationsquelle Internet

Buchläden haben das Monopol als Bezugsquelle für Lesestoff verloren und kämpfen vielerorts ums Überleben. Deutschlandweit mussten rund 1000 Buchhandlungen in den vergangenen zehn Jahren schließen.
Doch trotz der vielen Schließungen ist das Netz an gut sortierten Buchläden mit fachkundigem Personal weiterhin in kaum einem Land so dicht wie in Deutschland. Denn eine Sicherheit haben die Händler: Bücher kosten überall gleich viel - ob Sie nun in einer kleinen Buchhandlung, einem Buchkaufhaus oder über das Internet kaufen. Die so genannte Buchpreisbindung ist seit mehr als 120 Jahren vorgeschrieben.

Neue Herausforderung durch das E-Book
Insider sind der Meinung, dass der deutsche Buchmarkt zu viel Zeit gebraucht habe, auf diese Entwicklung zu reagieren. Jetzt sei es ungemein schwer für die Buchhandlungen, den Online-Riesen die Stirn zu bieten und Kunden auch online für sich zu gewinnen.

E-Book

E-Book

Zudem steht die Branche vor einer weiteren Herausforderung: dem E-Book. Noch kann niemand absehen, wohin die Reise mit dem E-Book geht. Doch die meisten Verlage sind vorbereitet und bieten viele Neuerscheinungen bereits digital an. Auch der Großbuchhandel KNV hat sich auf das E-Book eingestellt. Er vertreibt einen eigenen Reader und bietet Verlagen eine digitale Logistik an.


Gesamtumsatz von 9,6 Milliarden Euro

Laut den Wirtschaftszahlen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels konnte der deutsche Buchmarkt 2011 einen Gesamtumsatz von 9,6 Milliarden Euro erwirtschaften. Zum Vorjahr 2010 ging der Umsatz damit um 1,4 Prozent zurück.

Die Anteile am Gesamtumsatz des Buchmarkts:

Anteil am Gesamtumsatz (2011)Vergleich zum Vorjahr (2010)
Buchhandlungen49,7 Prozent- 3,0 Prozent
Verlage19,1 Prozent+ 1,7 Prozent
E-Books bei Verlagen6,2 Prozent keine Angabe
Versandbuchhandel einschließlich Internet

(Vertriebsform ohne Ladengeschäft)
17,8 Prozentkeine Angabe

Davon Internethandel

(Vertrieb nur online)

14,8 Prozent+ 5 Prozent

Noch stellen die Buchhandlungen den wichtigsten Vertriebsweg für Bücher dar, auch wenn der Inernethandel zunimmt. Und so rollen die voll beladenen LKWs der Großbuchhändler weiterhin über die nächtlichen Autobahnen, um Ihre Bücherwünsche schnellstmöglich auch an den entlegensten Ort zu bringen.

Stand: 26.11.2012, 09.35 Uhr