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Darmkrebsfrüherkennung - Grafische Darstellung vom menschlichen Darm

Schutz vor Darmkrebs Neue Tests zur Früherkennung

SWR2 Impuls. Von Ulrike Till

Darmkrebs ist eine der häufigsten Tumorarten. Doch viele Todesfälle wären mit Früherkennung vermeidbar. Jetzt zahlen die Kassen neue immunologische Tests.

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Darmkrebs gehört in den Industrieländern zu den häufigsten Tumorarten – in Deutschland sterben daran jährlich 26.000 Menschen. Dabei sind viele Fälle vermeidbar: Darmtumore wachsen meist nur langsam; wenn Vorstufen bei einer Darmspiegelung rechtzeitig erkannt und entfernt werden, lässt sich der Krebs vermeiden.

Den besten Schutz vor Darmkrebs bietet die Darmspiegelung, damit lassen sich 95 Prozent aller Tumore und Krebsvorstufen entdecken. Und kleine Wucherungen können die Ärzte bei der Untersuchung gleich entfernen. Die Vorteile sind groß und deshalb hat jeder Deutsche ab 55 auch alle zehn Jahre Anspruch darauf – aber nur jeder Dritte nutzt das Angebot.

Bisher übliche Enzymtests sind zu ungenau

Die Untersuchung ist zwar in der Regel schmerzfrei, trotzdem schrecken viele davor zurück. Eine bequeme, aber viel weniger aussagekräftige Alternative sind Tests auf verstecktes Blut im Stuhl: denn viele Darmtumore bluten, das ist ein wichtiges Warnzeichen. Der Haken daran: die bisher üblichen Enzymtests sind viel zu ungenau, die  Trefferquote liegt zum Teil unter zehn Prozent. Gleichzeitig kommt es häufig zu Fehlalarmen. Bei den alten biochemischen Tests waren unter anderem Wurst, rotes Fleisch, Melone, Blumenkohl und Meerrettich tabu, weil das zu falschen Ergebnissen führte.

Die neuen Tests sogenannten immunologischen Stuhltests liefern sehr viel bessere Ergebnisse. Sie spüren etwa doppelt so viele Krebserkrankungen und dreimal so viele Krebsvorstufen auf – und schlagen viel seltener falschen Alarm. Immunologische Tests arbeiten deshalb genauer, weil sie mit Hilfe von Antikörpern ausschließlich den menschlichen Blutfarbstoff Hämoglobin nachweisen, das macht sie weniger störanfällig.

Arzt blickt auf Monitor

Ab 55 sollte man alle zehn Jahre eine Darmspiegelung durchführen lassen.

Bisher mussten Patienten solche immunologischen Tests aus eigener Tasche bezahlen, das hat sich nun zum 1. April endlich geändert: für Versicherte zwischen 50 und 55 zahlen die Kassen dafür einmal im Jahr, danach alle zwei Jahre. Allerdings gibt es eine Fülle unterschiedlicher Tests, manche sind viel genauer als andere. Die Krankenkassen verlangen eine Trefferquote von mindestens 25 Prozent. Das klingt immer noch wenig, könnte aber trotzdem tausende von Leben retten.

Denn Darmkrebs wächst meist langsam – selbst wenn der Test ein- oder zweimal nicht anschlägt, erhöht die regelmäßige Untersuchung die Chancen auf eine frühzeitige Diagnose deutlich. Studien zeigen, dass sich viel mehr Menschen untersuchen lassen, wenn sie den immunologischen Test mit einem Einladungsschreiben persönlich zugeschickt bekommen – in Holland ist das Standard, bei uns gibt es dazu derzeit keine konkreten Pläne.

Aber: auch die neuen Tests geben keine sichere Diagnose

Zwei Punkte sollten Patienten, die sich testen lassen, allerdings beachten. Erstens: auch Darmentzündungen und Hämorrhoiden können zu Blut im Stuhl führen, genauso wie Zahnfleischbluten. Wenn der Test Alarm schlägt, heißt das also keinesfalls, dass man wirklich Krebs haben muss. Sicher klären lässt sich das nur mit einer anschließenden Darmspiegelung. Zweitens: nicht jeder bösartige Tumor blutet. Selbst wenn der Test Entwarnung gibt, kann Krebs im Darm heranwachsen.

Deshalb bedeuten die neuen immunologischen Tests zwar einen wichtigen Fortschritt – die mit Abstand gründlichste Vorsorge bietet aber nach wie vor die Darmspiegelung. Und auch hier verbessert sich das Angebot: Männer sollen bald schon fünf Jahre eher, also mit 50, die erste Spiegelung bezahlt bekommen, denn bei ihnen entsteht Darmkrebs in der Regel früher als bei Frauen.

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