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Bänderriss- was nun? Die richtige Therapie bei Sportverletzungen

Nicht nur Fußballer, Leichtathleten oder Geräteturner erwischt es, auch Freizeitsportler sind davon betroffen: Eine ungeschickte Bewegung und schon wird der Knöchel oder das Knie dick, schimmert in allen Blau- und Lilaschattierungen und tut weh. Ursache dafür könnte ein Bänderriss am Sprunggelenk oder am Knie sein- eine der häufigsten Sportverletzungen. Und dann?

Was viele schon immer vermutet haben: Wer Sport treibt, lebt gefährlich. Es reicht allerdings auch der sprichwörtliche "Sturz über die Teppichkante" und schon ist es passiert. Denn die Gelenke sind nur in bestimmten Richtungen beweglich, wird hier die Grenze überschritten, kann es zu Knochenbrüchen und Bänderrissen kommen.

Springende Gelenke

durchleuchteter Oberschenkel, Knochen und Gelenke sind zu erkennen

Schmerzen, Schwellung, Blutergussstellen

Das Sprunggelenk, aber auch die Knie, erklärt der Orthopäde Manfred Neubert, sind besonders häufig von Bänderrissen betroffen. Doch egal, ob Bänderriss am Knöchel oder Knie, fest steht: Ein Bänderriss tut höllisch weh. Schmerzen, Schwellung, Bluterguss – das genügt schon fast, um eine Diagnose zu stellen. Diese wird durch Röntgenaufnahmen, manchmal auch mit Hilfe einer Kernspintomografie bestätigt.

Laut Neubert ist die Akutbehandlung bei all diesen Sachen gleich: Man muss versuchen, das Gelenk zu entlasten und zu kühlen, um möglichst die folgende Schwellung zu verhindern. Das heißt also: Auf dem Platz kühlen, zum Beispiel mit Coolspray, wie man ja immer wieder beim Fußball sieht, und Hochlegen des Gelenkes. Außerdem kann man eventuell Schmerzmittel und abschwellende Mittel geben.

Kühlen und Entlasten

Mädchen mit gebrochenem Bein

Konservativ versus operativ

Die weitere Behandlung richtet sich dann nach der Art und der Schwere der Bänderverletzung, so der Orthopäde Manfred Neubert. Bei Außenbandrissen des Sprunggelenks geht man inzwischen anders vor als früher, als man diese noch operativ behandelte.
Heute ist die konservative Therapie der "Gold- Standard": Mit Hilfe einer so genannten Orthese wird das Sprunggelenk stabilisiert, um ein erneutes Umknicken zu verhindern. Das Außenband kann so von allein wieder straff zusammenheilen.

Bänderverletzungen sind relativ schwere Verletzungen und man muss Geduld haben. Orthopäde Neubert sagt, 6 Wochen brauchen die Bänder, bis eine natürliche Vernarbung stattgefunden hat und das Gelenk wieder seine entsprechende Stabilität hat. Insgesamt hat man oft noch bis zu drei Monate damit zu tun.

Knie sind komplexer

Beine von Läufern in kurzen Hosen und Sportschuhen bewegen sich über Asphaltboden.

Komplexe Unterscheidungen bei Kniebändern

Kniegelenksverletzungen sind komplexer und schwieriger zu behandeln als Sprunggelenksverletzungen. Man unterscheidet am Knie in Verletzungen des vorderen und hinteren Kreuzbandes und des inneren und äußeren Seitenbandes. Neubert sagt, es habe sich in den letzten Jahren gezeigt, dass die Seitenbandverletzung auch konservativ behandelt werden kann. Bei den Kreuzbandverletzungen muss man unterscheiden zwischen den Verletzungen des vorderen und des hinteren Kreuzbandes.

Das hintere Kreuzband ist in der Struktur deutlich stärker als das vordere und die Durchblutung ist dort besser als beim vorderen Kreuzband. Deshalb heilt das hintere Kreuzband gut, wenn man es einfach nur schient. Anders beim vorderen, Neubert sagt hierzu, dass das vordere Kreuzband schwächer und die Durchblutung auch schlechter ist, so dass die vorderen Kreuzbänder in der Mehrzahl mit einer Instabilität des Kniegelenkes ausheilen, so dass man da heute die OP durchführt.

Erhöhtes Arthrose-Risiko

Jogger liegt auf dem Boden und hält sein Bein

Das Knie kann nach der OP instabiler sein als vorher

Bei diesem Eingriff wird das kaputte Kreuzband durch ein Sehnentransplantat ersetzt. Die Ärzte wollen mit dieser Operation auch einer Arthrose vorbeugen. Studien zeigen allerdings, dass ein Kreuzbandriss das Arthrose-Risiko generell erhöht - ob nun operiert wurde oder nicht. Wichtig zu wissen bei der Entscheidung für oder gegen das Messer: Bei bis zu 15 Prozent der Operierten wächst die transplantierte Sehne nicht richtig an. Das Knie kann so nach der OP instabiler sein als vorher.

Orthopäde Neubert ergänzt, dass viele Bänderverletzungen konservativ behandelt werden können. Die Zeitdauer der Heilung ist ungefähr gleich zwischen konservativ und operativ. Dazu muss man sagen, der Muskelaufbau zieht sich über sehr lange Zeit hin und ein Sami Khedira ist kein Maßstab für den Normalen. Der hat ja nach vier, fünf Monaten wieder gespielt. Auf der sicheren Seite ist man jedoch, sagt Neubert, wenn man nach ungefähr einem Jahr erst wieder spielt.

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